São Paulo, den 5. Mai 2008Liebe Freundinnen und Freunde des Stern der Hoffnung,
auf den Tag genau heute vor 20 Jahren bin ich erstmals auf brasilianischem Boden gelandet. Mitten in der Not, in welche die AIDS-Epidemie die Verelendeten der Großstadt São Paulo gestürzt hatte, sollte ich eine häusliche Krankenpflege einrichten. Ich war hilflos und allein. Heute, 20 Jahre nach diesem Anfang, fliege ich nach Europa zurück. Ich blicke zum Himmel und sehe in den Wolken den Widerschein der zahllosen Lichter dieser grenzenlosen Stadt. Vor allem aber sehe ich die Sterne, die mitten in dieser Stadt aufgegangen sind: Über 80 Mitarbeitende betreuen täglich mehr als 300 durch den HI-Virus Betroffene in den Kinderhäusern, auf dem großen Land der Verheißung für Mütter und Kinder, in den Hospizen und bei der Krankenpflege. Und wie ein Wunder wirkt es, dass alle HIV-Positiven in den vom Stern der Hoffnung gestützten Werken in der Bäckerei, in der Näherei, in den Gewächshäusern, in der Stoffdruckerei oder beim Bau der Mineralwasserfabrik Arbeit finden und sozial integriert leben können.
Ich freue mich, dass wir zum 20. Jubiläum das Aufblühen all dieser Werke miteinander feiern können. Aus den bescheidenen Anfängen mit der Pflege von AIDS-Kranken in den Favelas ist heute das größte brasilianische Hilfswerk für HIV-Positive entstanden. Die Freude am gelungenen Weg, die Dankbarkeit für die Solidarität und die berechtigte Hoffnung für die Zukunft würden jedes einzelne Herz überfordern. Also werden wir gemeinsam feiern und gemeinsam die Zukunft gestalten.
In São Paulo sind viele Sterne auf die Erde gefallen. Manche schienen erloschen. Heute leuchten viele von ihnen hell auf – Guilherme ist ein solcher Stern: Vor 13 Jahren kam eine schwer erkrankte Frau mit ihrem sterbenden Sohn, dem an AIDS erkrankten Guilherme, in unser Hospiz und bat um Aufnahme. Die beiden gehörten zur bescheidenen Mittelschicht, waren nach dem Weggang des Vaters jedoch hoffnungslos verarmt. Guilherme hatte eine gute Schulbildung genossen und liebte seine Mama über alles. Die Mutter hatte die Trennung ihres Mannes von der kleinen Familie nicht verkraftet und war psychisch krank geworden. Guilherme sorgte sich nun umso eifriger um die Mutter und versuchte, ihren Lebensstandard zu halten. Als er aber an Toxoplasmose erkrankte, blieb er in der Folge halbseitig gelähmt. Der Abstieg in die Armut und in die Misere war vorprogrammiert.
Wir nahmen Guilherme auf. Er war völlig bettlägerig. Alles in ihm war ins Rutschen geraten und sein Blick zeugte von einer großen inneren Angst. Wie betäubt von den ständigen Forderungen der Mutter, die nach jeder nur denkbaren Hilfe Ausschau hielt, begann er sonderbare und unzusammenhängende Sätze vor sich hin zu sprechen – so als müsste doch endlich jemand die Unerträglichkeit seiner Situation verstehen. Durch die gute Pflege besserte sich sein Zustand etwas. Dann kamen die antiviralen Medikamente, welche die entscheidenden Fortschritte mit ermöglichten. Heute stolziert Guilherme trotz halbseitiger Lähmung selbstbewusst durch die Casa da paz. Mit Hilfe einer Ergotherapeutin und einer Kunstlehrerin konnte er seine linke Hand so trainieren, dass er inzwischen selbständig malen kann. Er freut sich enorm, wenn jemand eines seiner Bilder kauft.
Guilherme wird im Hospiz immer selbständiger. Auch die
brasilianischen Mitarbeitenden danken uns die Mithilfe dadurch, dass sie
ebenfalls immer selbständiger arbeiten. Was dadurch alles möglich wird, werden
wir bei der Jubiläumsfeier verraten … Mitten in all der Not haben wir sehr
viele gute Gründe, das 20. Jubiläum zu feiern. Ich freue mich, dass uns
die
Evangelische Kirchengemeinde in Bad Lippspringe bei Paderborn, in der Jürgen
Peters vom Vorstand lebt, ihre schönen Räume für das Zusammensein, die
Mitgliederversammlung und die Feier zur Verfügung stellt.
Mit einem großen Blumenstrauß voller Dank und mit der Vorfreude auf das baldige Wiedersehen im Herzen
bleibe ich mit allen guten Wünschen
Ihre

Stern der Hoffnung e. V. Aidshilfe International
Färberstraße 17, 86157 Augsburg, Tel. (0821) 54 28 510
www.sternderhoffnung.de sternderhoffnung@gmx.com
Lisette und Peter Eicher, CP 25, CH 1978 Lens (VS) Schweiz
lisette.eicher@gmx.de und prof.eicher@gmx.de, Infos auch: www.petereicher.de
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