|
Predigt zu
Matthäus 25, 14-30 (I. Reihe)
Wer da hat, liebe Gemeinde, dem wird gegeben werden. Ein oft zitierter
Satz, besonders, wenn es um Steuerreformen oder Finanzausgleichsnovellen
geht. Und so scheint es doch auch zu sein, die Reichen werden reicher und
die Armen müssen dafür bluten. So sieht es aus bei uns, aber noch viel
deutlicher, wenn wir die Daten der Weltwirtschaft und
Entwicklungszusammenhänge betrachten.
Wo bleibt da die Gerechtigkeit. Was ist mit dem Reich Gottes, um das es
doch hier in den Kapiteln 24 und 25 des Matthäusevangeliums geht?
Geht es im Reich Gottes etwa genauso zu, wie im Wirtschaftssystem
westlicher Prägung: belohnt wird, wer soviel Geld wie möglich macht, mit
allen Mitteln, nur Leistung zählt, alle die, die keine Leistung bringen,
sind unnütz, bleiben auf der Strecke.
Es geht wirklich zunächst einmal um das Kapital, um Geld, in dieser Rede
Jesu. Und zwar um Bereiche der Hochfinanz, denn ein Talent entsprach etwa
30 durchschnittlichen Jahresarbeitslöhnen.
Handel, Zinsgeschäfte und Geldvermehrung sind nichts verwerfliches.
Derjenige, der mit Geld arbeitet, ist nicht von vornherein verdächtig.
Aber auch Geld ist anvertrautes Gut, mit dem wir nur beauftragt sind.
Dreh- und Angelpunkt all dessen ist das Reich Gottes, seine Herrschaft.
Dient unser Geld dem Reich Gottes? Ich denke, dazu dient es immer dann,
wenn Geld eingesetzt wird, um Menschen zum Leben zu verhelfen. Sei es die
Spende, die ich für Menschen in Not gebe. Sei es einfach eine Freude zu
verschenken. Und auch ab und an mir selber etwas Gutes zu tun.
Verurteilt wird in Jesu Rede, das Geld ängstlich zu verbergen, es zu
horten, nichts hergeben zu wollen.
Aber natürlich, und das ist wohl allen klar, geht es in Jesu Gleichnisrede
nicht allein um unseren Umgang mit Geld. Es geht nicht nur um die Zentner
Silber, sondern auch um die Talente. Die antike Maßeinheit ist durch den
biblischen Sprachgebrauch in unsere Alltagssprache gekommen. Talente -
Begabungen Fähigkeiten, Stärken, Qualitäten.
Das Wort kommt uns leicht von den Lippen. Anderen Menschen können wir eine
Menge an Talenten zubilligen. Aber uns selbst?
Stellen Sie sich vor, Sie müßten Ihre ganz persönlichen Talente,
Begabungen, Qualitäten aufschreiben. Was wäre das.
Nehmen Sie sich doch einmal 1 Minute Zeit um darüber nachzudenken. Was ist
mein Talent? Was kann ich ganz besonders gut. Was ist meine Stärke?
Mit dem Geld haushalten? Geschichten erzählen? Kochen? Zuhören?
Organisieren? Putzen? Auf andere Menschen zugehen? Fröhlich sein? Trauer
aushalten? Ein Instrument spielen? Phantasie? Realitätssinn? Begeisterung?
Das wunderbare an Gottes Reich ist, das die Verhältnisse hier auf den Kopf
gestellt werden: nicht wer etwas leistet, gilt etwas. Sondern: weil wir
bei Gott etwas gelten, weil er uns viel zutraut, können wir etwas leisten.
Ich werde geliebt und danach erst geht es darum, wie ich mit meinen Gaben
und Begabungen umgehe.
Gott hat uns eine Fülle von Gaben mit auf den Weg gegeben: unser Problem
ist, das wir sie oft zu gering achten. Das wir ihnen und uns selbst nichts
zutrauen und sie vergraben oder verschütten lassen.
Jesus will den Mut stärken zum Risiko, zum Mitdenken, zur Zivilcourage,
zur Unternehmungslust. Es ist nie zu spät, sich selbst zu fragen, welche
Talente schlummern bisher bei mir ungenutzt? Was hat Gott mir zugetraut,
manchmal auch zugemutet, zugegeben, und ich könnte es einsetzen, zur
Arbeit an Gottes Reich, zu seiner Ehre, zu seinem Lob. Leben kann niemand
nachholen, wir alle können es nur hier und jetzt leben.
Schlimm wird es werden, irgendwann zu entdecken: ich hätte das alles tun
können und sollen, und habe nichts getan. Dann wird Finsternis sein,
Heulen und Zähneklappern.
Gott traut uns viel zu. Er hat jeder / jedem von uns eine Menge
anvertraut. Nutzen wir es zu Gottes Reich, zum Leben, wie Gott es gemeint
hat. Amen
|
Von den anvertrauten Zentnern
14Denn es ist wie mit einem
Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und
vertraute ihnen sein Vermögen an;
15dem einen gab er fünf Zentner
Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, ajedem
nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
16Sogleich ging der hin, der
fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann
weitere fünf dazu.
17Ebenso gewann der, der zwei
Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.
18Der aber einen empfangen
hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld
seines Herrn.
19Nach langer Zeit kam der Herr
dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.
20Da trat herzu, der fünf
Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und
sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich
habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.
21Da sprach sein Herr zu ihm:
Recht so, du tüchtiger und btreuer Knecht, du
bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen;
geh hinein zu deines Herrn Freude!
22Da trat auch herzu, der zwei
Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei
Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere
gewonnen.
23Sein Herr sprach zu ihm: Recht
so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu
gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines
Herrn Freude!
24Da trat auch herzu, der einen
Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß du ein
harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und
sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;
25und ich fürchtete mich, ging
hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du
das Deine.
26Sein Herr aber antwortete und
sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wußtest du, daß ich
ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht
ausgestreut habe?
27Dann hättest du mein Geld zu
den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte
ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.
28Darum nehmt ihm den Zentner ab
und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat.
29Denn wer da hat, dem wird
gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat,
dem wird auch, was er hat, genommen werden. c
30Und den unnützen Knecht werft
in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Predigttext bei
bibel-online.net |
|
|