São Paulo, den 26.10.2009
Liebe Freunde vom Stern der Hoffnung und GAAVER,
In einem meiner Briefe habe ich Ihnen von der Stadtsanierung , dem Abriss der Favelas, der Umsiedlung der Bewohner in Hochhausgettos und dem Bau einer grossen Verbindungsstrasse berichtet. Doch immer wieder wachsen neue Favelas, werden neue Hütten gebaut, auf dem Schutt der vorherigen, an Abhängen von Waldstücken - wo eben Platz ist. Und bei all unseren Besuchen bietet sich das gleiche Bild, viele Menschen auf engem Raum, in, für uns unerträglichen, Wohnsituationen.
Auch Maria José, eine unserer Betreuten lebt mit ihrer Tochter und den Enkeln in einer dieser Baracken. So wie die Bilder sich wiederholen, ähneln sich auch die Geschichten der einzelnen Familien.
Maria Josè, 52 Jahre, ist die älteste von 15 Kindern und musste schon sehr früh, wie es im Nordosten auf dem Land üblich ist, helfen, die Familie zu ernähren. Verheiratet kam sie mit ihrem Mann nach São Paulo und hat vier Kinder geboren. Ihr Jüngster geriet auf die schiefe Bahn und ist, mit 18 Jahren, im Gefängnis. Vor einem Jahr wurde sie von der Sozialarbeiterin des Gesundheitspostens an uns vermittelt. Nach einer schweren Tuberkulose, mit diesem Befund hat sie auch erfahren, dass sie AIDS hat, war sie völlig abgemagert, konnte nicht mehr arbeiten, und die kleine Rente des verstorbenen Mannes reichte nicht aus. Die Töchter helfen so gut sie können, aber der Verdienst der eigenen Familie ist gering.
Die Hütte von Maria José ist sehr baufällig und die schweren Regenfälle dieses Jahres haben schon dreimal eine Wand mit sich gerissen.
Als sie zu uns kam, war sie ohne Lebensmut, zuviel war geschehen, sie suchte nur den Frieden, und sei es im Tod.
Das Angebot, in unserem Projekt den Patchworkursus zu machen, lehnte sie ab. Auch die Hilfe zum Lebensunterhalt, die alle Kursteilnehmer während des Kurses erhalten, konnte sie nicht umstimmen. Sie befand sich in einer tiefen Depressionsphase, wollte nichts Neues mehr beginnen und weigerte sich auch, einen Psychologen aufzusuchen.
Nach meiner Rückkehr aus Deutschland im August, begann der neue Patchworkkurs und wieder luden wir Maria José zur Teilnahme ein. Erfolglos! An ihrer Stelle sollten wir Beatriz, ihre Bekannte, einschreiben.
Der Kursus begann, auch Beatriz erschien und mit ihr Maria José. “Ich mache den Kursus nur, wenn du auch bleibst, “ sagte sie energisch.
Und beide blieben.
Drei Monate sind seit diesem Tag vergangen und Maria José fehlt nur, wenn sie einen Arzttermin hat. Die Depressionen sind verflogen, ihre einzige Sorge im Moment ist die Renovierung der Hütte, die immer noch keine feste Steinwand hat. Das Baumaterial konnte sie inzwischen besorgen, jetzt fehlt nur noch das Geld für den Maurer.
Jeden Morgen vor Kursbeginn lesen wir einen Besinnungstext, der gestrige handelte von Hoffnung und Vertrauen.
Maria José fühlte sich sehr angeprochen. Sie hatte die Hoffnung auf ein Weiterleben aufgegeben, ihr Selbstvertrauen verloren, sich von Gott verlassen gefühlt.
Tania, unsere Lehrerin, hat mit ihrer Aussage, ’’ Hier sehen wir das Ergebnis der Therapie der Kunst, das Ergebnis der Therapie des Kunstgewerbes, der Handarbeiten,” recht.
Heute steht eine andere Maria José vor mir, eine Frau die das Lachen wiedergefunden hat , eine Frau die Pläne schmiedet und sich ihre Zukunft wieder positiv vorstellen kann. Nach Beendigung des Kurses will sie auf jeden Fall weiter nähen und vielleicht ist es ja bis dahin möglich, dass wir ausser der 20%igen Kommission auch schon ein kleines Gehalt zahlen können.
Im Janur 2010 ist das Projekt endgültig beendet, das heisst, die bis jetzt vorhandenen Gelder müssen aufgebraucht und die Abschlussrechnung bei der Gesundheitsbehörde eingereicht sein.
Wie soll es weitergehen ?
Die Einnahmen des kleinen Kiosks reichen aus, um die Miete, die Verkaufskraft am Wochenende, Arbeitsmaterial und die 20%ige Kommission der Näherinnen zu bezahlen. Diese wiederum können nur stundenweise arbeiten, da sie fast alle eine Putzstelle haben, um den Lebensunterhalt der Familie zu gewährleisten. Die 20%ige Komission reicht nicht aus und die finanziell geleistete Hilfe zum Lebensunterhalt fällt mit Beendigung des Projektes weg.
Es ist ein Teufelskreis!
Die Umsatzsteigerung ist schwierig, da die Produktion auf Grund fehlender Kräfte nur langsam vorangeht und die Ganztagsbeschäftigung von ein oder zwei Näherinnen wegen fehlender Gelder nicht durchführbar ist.
Wie können Sie helfen, werden Sie fragen.
„Adoptieren Sie eine Näherin“ ist unsere Antwort!
Tragen Sie dazu bei, dass brasilianische, an Aids
erkrankte Frauen einen Arbeitsplsatz erhalten, an dem sie nicht
diskriminiert und ausgenutzt werden.
Zum Schluss möchte ich einen Text wiedergeben, den ich bei einer Veranstaltung an einer Schweizer Schule während der Adventszeit erhalten habe.
Licht ist die Quelle des Lebens und der Liebe
Was wäre eine Welt ohne Farben?
Farben sind schön und erregend, zart oder grell,
lebendig oder langweilig. Farben sind ein Teil unserer Welt, der uns meist
so selbstverständlich erscheint, dass wir gar nicht lange darüber nachdenken
oder bewusst in sie und ihre Kraft hineinspüren. Farben gehören zum Leben.
Jede Farbnuance besitzt ihre eigene Schwingung und
wirkt unterschiedlich auf den Menschen, wirkt auf allen Ebenen: körperlich,
geistig und seelisch.
Die Stoffe, in ihren viefältigen Mustern und Farben, sind die Begleiter unserer Frauen während der Kurse. Patchwork ist eine Arbeit, bei der die Auswahl der richtigen Farben von grosser Bedeutung ist. Nur durch die Harmonie der Farben gewinnt die Arbeit ihre Schönheit.
Im Namen aller Patienten und ganz besonders unserer Frauen möchte ich mich für das Licht, das sie durch Ihre jahrelange Treue und Hilfe in das Leben jedes einzelnen bringen, bedanken.
Wir wünschen Ihnen eine ruhige und gesegnete Adventszeit und ein friedliches Weihnachtsfest!
Ihre
Ingrid Köly-Hell
Spenden Sie für das Projekt von Ingrid Köly-Hell:
Stern der Hoffnung, Kennwort „GAAVER“,
Volksbank Paderborn
Konto Nr. 882 9797 900 (BLZ 472 601 21)
Adoptieren Sie eine Näherin!
Wenn auch Sie eine Patenschaft für eine Näherin („Adoption einer Näherin“) übernehmen möchten, wenden Sie sich bitte an Stern der Hoffnung e. V. Aidshilfe International, Färberstraße 17, 86157 Augsburg, Tel. (0821) 54 28 510. Sie können sich auch eine Patenschaft mit einem anderen Menschen teilen und tragen dann nur die Hälfte der Kosten einer Patenschaft.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 10.12.09