
Kirchen-Interview öffnet Türen
Evangelische Gemeinde Bad Lippspringe befragte Mitglieder

Von Haustür zu Haustür: Meike Recknagel wurden von den Neuenbekener
Protestantinnen und Protestanten herzlich empfangen. FOTO: EKP /
CHRISTINE HARTLIEB
NEUENBEKEN
/ BAD LIPPSPRINGE (ekp) – „Wenn ich gesagt habe, dass ich von der Evangelischen
Kirche in Bad Lippspringe komme, hat mir das sofort die Türen geöffnet“,
berichtet Meike Recknagel. Die 41-jährige Neuenbekerin hat im Rahmen der Aktion
„Kirche fragt nach“ Interviews mit zufällig ausgewählten Mitgliedern ihrer
Kirchengemeinde geführt. Ziel war es, die Anliegen und Wünsche, Kritik, Lob und
Anregungen aus den Reihen kirchennaher und kirchenferner Protestanten zu sammeln
und auszuwerten. Insgesamt 46 Gemeinden aus ganz Westfalen beteiligten sich an
der landeskirchenweiten Aktion.
„Die meisten Gespräche waren hoch emotional“, sagt Meike Recknagel. Sie hat die
Fragebögen zunächst persönlich in den Haushalten abgegeben und dann einen
Besuchstermin zum gemeinsamen Ausfüllen vereinbart. „Oft waren die Interviews
nur ein Aufhänger, um miteinander ins Gespräch zu kommen“, erzählt sie. Sogar
Spargelsuppe hat sie bei einem Besuch serviert bekommen. Die Mutter von zwei
Söhnen, die als Röntgenassistentin im Evangelischen St. Johannisstift arbeitet,
engagiert sich u. a. in der Kantorei, in der Frauengruppe „Der letzte
Donnerstag“ und im Trägerkreis des Konfirmandenunterrichtes und konnte so über
viele Aktivitäten der Gemeinde aus erster Hand Auskunft geben.
Insgesamt 30 Jugendliche, Frauen und Männer aller Altersstufen aus Neuenbeken
sollten befragt werden, immerhin 15 ausgefüllte Fragebögen liegen jetzt vor. Für
die gesamte Gemeinde Bad Lippspringe, zu der Neuenbeken als ein Pfarrbezirk
gehört, kamen über 100 von 280 verteilten Fragebögen zurück. „Mit der
Rücklaufquote von 37 Prozent können wir sehr zufrieden sein", resümiert
Presbyter Wolfgang Dzieran. „Ganz unabhängig von den Fragebögen waren viele
Besuche eine wertvolle Seelsorge für unsere Mitglieder. Und selbst dort, wo es
nicht zur persönlichen Begegnung kam, hat manches Telefongespräch eine positive
Wirkung hinterlassen."
Auch 36 Lippspringer Kirchenbesucher beantworteten im Anschluss an den
Gottesdienst die insgesamt 62 Fragen. Gemeinsam war beiden Gruppen von Befragten
der Wunsch, dass sich die Kirche intensiv für Menschen in Not einsetzen und
damit ihrem diakonischen Auftrag nachkommen solle. „Viele von ihnen wollen sich
hierbei auch selbst aktiv einbringen“, so Dzieran weiter. Groß seien auch das
Interesse an "Glaubensinformationen für Erwachsene" und der Wunsch nach mehr
Angeboten für Jugendliche. Derzeit prüft das Presbyterium, wie die Gemeinde auf
die Wünsche und Anregungen ihrer Mitglieder reagieren kann.
Gerade für die Ortschaft Neuenbeken offenbarten sich auch Probleme. „Obwohl wir
hier auch ein eigenes kleines Gemeindehaus haben, fühlen viele sich vom Zentrum
des Gemeindelebens in Bad Lippspringe abgeschnitten“, berichtet Meike Recknagel.
Gerade für ältere Menschen, die kein Auto zur Verfügung und oft auch mit dem
Laufen Schwierigkeiten haben, gebe es keine Möglichkeit, aus Neuenbeken
herauszukommen. Nur punktuell gebe es bis jetzt Fahrgemeinschaften.
„Mir ist auch deutlich geworden, dass das soziale Netz hier immer dünner wird“,
resümiert sie. Viele Menschen seien mit ihren Problemen, mit Krankheit und
Verlusterfahrungen sehr allein gelassen. Hier herrsche Handlungsbedarf. Sie
konnte aber auch Neugier wecken: „Ein befragter Mann wusste zum Beispiel noch
nicht, dass wir die Liturgie umgestellt haben und jetzt mehr moderne Elemente
einbeziehen“, sagt sie. „Er hat richtig Lust bekommen, einmal wieder den
Gottesdienst zu besuchen.“
Christiane Hartlieb / EKP
© Kirchenkreis Paderborn 20.03.06