Reiner Kunze über Johann Sebastian Bach
Telemann über die Musik (1722)
Trapattoni über die Musik (2008)
Ein Gedicht zur Uraufführung von
Haydns »Schöpfung«
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Bisweilen braucht man ein wenig Trost, wenn man sich für Kirchenmusik einsetzt. Man sollte dann zu dem Lyrik-Bändchen »auf eigene hoffnung« von Reiner Kunze (Verlag S. Fischer) greifen:
ERMUTIGUNG NACH 200 JAHREN
(auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
Bach,
nicht
der magistrat von Leipzig.
Im Booklet einer wunderschönen CD (deutsche harmonia mundi) mit Gambenmusik
von Georg Philipp Telemann, hinreissend gespielt von Hille Perl und dem
Freiburger Barockorchester unter Petra Müllejans,
fand ich das folgende Gedicht von Telemann, dem das Reimen
wohl ebenso leicht von der Hand ging wie das Komponieren:
Den schönsten Zeitvertreib in unserm ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen:
es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd, und was noch mehr von solcher Art,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.
Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG brachte in ihrer Ausgabe vom 8.6.2008 ein lesenswertes Interview mit dem Fußballtrainer Giovanni Trapattoni, einem Opernfreund und Klassik-Fan, das folgendermaßen endete:
Sie meinen, deutscher Fußball ist wie Wagner?
Ich mag Wagner nicht gern, vielleicht spielt man in Deutschland eher wie
Beethoven wie seine fünfte Sinfonie: Da-da-da-daaa!
Und welche Musik bevorzugen Sie persönlich?
Ich selbst mag das 18. Jahrhundert. Da kann ich entspannen Mozart war
ein Gott, und ich liebe Vivaldis »Jahreszeiten«, aber auch die
siebte Sinfonie von Schubert, Beethovens Neunte, und natürlich Bach,
an dem ich mich nicht satt hören kann. Bei ihm merkt man, dass das
eigene Gehirn immer größer wird.
Am 7. September 2008 sang die Kantorei Bad Lippspringe, zusammen mit der Singgemeinschaft Salzkotten in der Martinskirche in Bad Lippspringe das Oratorium »Die Schöpfung« von Joseph Haydn. Zur Zeit der Uraufführung dieses Werks war es üblich, große Ereignisse durch Gedichte zu feiern. Eines der vielen Lobgedichte auf Haydns »Schöpfung« ist das folgende, das bei der ersten öffentlichen Aufführung der »Schöpfung« an die Besucher verteilt wurde:
An den großen unsterblichen Hayden
Erquickend – sanft – wie alles Schöne
Jüngst schuf Dein schöpferisches Werde!
Gefühlvoll – staunend – wonnetrunken!
So huldigen wir im Aug die Thräne
Von Gabriela von Baumberg
Und feurig – wie gerechter Wein,
Strömt oft der Zauber Deiner Töne
Durch's Ohr, in unser Herz hinein.
Den Donner durch den Paukenschall;
Und Himmel – Sonne – Mond – und Erde,
Die Schöpfung ganz – zum Zweitenmal.
Wie Adam einst im Paradies,
Am Arm der Eva hingesunken
Zwar sprachlos den Erschaffer pries:
Dem Kunstwerk deiner Phantasie -
Der Allmacht deiner Zaubertöne
Und Dir, dem Gott der Harmonie!
bei Gelegenheit als die Schöpfung, dies Meisterstück der Tonkunst,
im k.k. Nationaltheater aufgeführt wurde. Am 19. März 1799.
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Eingerichtet am 24.1.2004, aktualisiert am 8.6.2009
von Friedrich Schwarz
Photo: Kantorei Bad Lippspringe