Der verlorene Groschen -

Puzzle nach einem Bild aus dem 19. Jh.

Aus der Sammlung des
Hampshire County Council Museums Service.
 

gefunden mit Google bei home.pacbell.net/misja/ pgroup_020509.html

gefunden bei www.people.virginia.edu/~pm9k/ jem/words/prodigal.html

 

Verloren - Gefunden

Predigt zum 3. Sonntag nach Trinitatis 2003
(6. Juli)

Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

I. Reihe: Lukas 15, 1-32

Verlorenes Schaf. Verlorener Groschen

s nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten.

2   Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.

3   Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4   Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er's finde?

5   Und wenn er's gefunden hat, so legt er's auf seine Achseln mit Freuden.

6   Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7   Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen.

8   Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde?

9   Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte.

10   Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

 

Der verlorene Sohn

11   Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.

12   Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut.

13   Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.

14   Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben.

15   Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.

16   Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.

17   Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger!

18   Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir

19   und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

20   Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn.

21   Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.

22   Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße,

23   und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein!

24   denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.

25   Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen;

26   und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre.

27   Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat.

28   Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.

29   Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre.

30   Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet.

31   Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.

32   Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden.

(Bibeltext bei Elbikon Online)


 

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der war, ist und kommen wird. Amen

Verloren - Gefunden - das ist das Motiv dieses Sonntags, liebe Gemeinde. Ein alltägliches Thema für uns alle, vermute ich. Wenn Sie sich noch an die Spiele Ihrer Kindheit erinnern: Beim Versteckspielen war es nicht nur wichtig, ein gutes Versteck auszusuchen, wichtiger noch war es auch, gefunden zu werden. Nichts war enttäuschender, als nicht gefunden zu werden und zu bemerken, wie die anderen sogar die Suche aufgaben.

Oder anders herum: kaum etwas bringt meinen Alltag so durcheinander wie verlorene Gegenstände: besonders bei Schlüssel oder Portemonnaie gebe ich die Suche nicht eher auf, als bis ich das Verlorene wieder gefunden habe.
Und ich stelle mir die um so größere Aufregung und Panik vor, wenn im Gewühl einer Menschenmenge ein Kind verloren geht.

Verloren - Gefunden, das ist vordergründig das Thema. Allerdings ist das viel größere Thema die Sehnsucht Gottes nach uns Menschen und Gottes Freude.

Eine Freude darüber, daß die Gemeinschaft nun wieder ganz ist, eine Freude darüber, daß die, die zusammengehören, zusammen sind. Das war ja von Anfang an der Wille Gottes, wo Gott seine Freude an dem hatte, was er geschaffen hatte und Menschen gerne teilhaben lassen wollte an seiner Freude über die Welt, die er liebte.

Aber wer gehört dazu, zu dieser Gemeinschaft Gottes? Wir haben da wahrscheinlich unsere Vorstellungen. Die gläubigen Menschen zur Zeit Jesu, die Pharisäer und Schriftgelehrten, hatten da sicherlich ihre Vorstellungen und ihrer Ansicht nach war Jesus nicht besonders klug in der Auswahl der Menschen, mit denen er sich umgab. Er wählte die falschen Leute. Und er mutete es den Pharisäern und Schriftgelehrten, die mit ihm aßen, zu, auch eben diese Zöllner und Sünder an ihrem Tisch zu finden. Für Jesus ging es nicht darum, eine der anderen Gruppe vorzuziehen, aber er brachte die Frommen schon in eine peinliche Situation durch die Schlechte Gesellschaft.

So erzählt Jesus allen Anwesenden drei Geschichten: von dem Schaf, der Münze, den beiden Söhnen.

Schade, dass Lukas die Geschichten in „die Moral von der Geschicht“ münden läßt, und dass unsere Lutherbibel eben diese Moral der bekehrten Sünder auch noch fett druckt.

Die Gleichnisse sagen nichts darüber, daß sich das Schaf und die Münze bekehren. Das Schaf könnte ja zur Not zur Herde zurückfinden, aber die Münze kann nun wirklich nicht in den Geldbeutel zurückfinden. Selbst der Vater des sprichwörtlichen verlorenen Sohnes wartet nicht auf die Worte der Reue, sondern fällt dem Sohn schon lange davor um den Hals.

Es geht um den Augenblick der Freude über das Wiedergefundene.

„Das, worum es Jesus geht, ist denn auch vielmehr dies: Es gibt Dinge in deinem Leben, die du nicht selbst erlangen kannst, wie sehr du dich auch anstrengst: Gefunden werden, an einem Ort zu Hause zu sein, geliebt zu sein und geschätzt, daß dich jemand vermißt und sich um dich bemüht. Es gibt grundlegende Dinge im Dasein, die uns umschließen und die uns gegeben werden ohne Bedingungen und Vorbehalte.“

Und so möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren, ob es dumm ist von dem Schafbesitzer, 99 Schafe in der Wüste zu lassen, um eines zu suchen. Oder ob die Hausfrau eigentlich darüber nachgedacht hat, dass die Bewirtung aller Nachbarn wahrscheinlich den Wert der wiedergefundenen Münze übersteigt. Und ich möchte auch an dieser Stelle nicht näher eingehen auf die Befindlichkeiten des verlorenen Sohns.

Ich höre: das wiedergefundene Schaf bekommt nicht erst einmal die gerechte Strafe für seine Abwesenheit. Sondern: es wird voll Freude auf die Schultern genommen.

Und ich höre die Einladung an die Freundinnen und Nachbarinnen: Freut euch mit mir über die wiedergefundene Münze.

Und ich lese voll Staunen die Festvorbereitungen und höre die Einladung: feiere mit, sei fröhlich und guten Mutes.

Jesus erzählt dreimal von der großen Sehnsucht Gottes mit uns zu leben und von Gottes Freude und von seiner Einladung, das Fest des Lebens mitzufeiern.

Es ist Gottes Wille, dass wir uns finden lassen oder dass wir nicht aufstehen von der gemeinsamen Festtafel, je nach dem. Amen.

Und der Geist Gottes, der größer ist als unsere Vorstellungskraft, sei uns Stärke und Hilfe zu allem Guten und bewahre uns in Gottes Liebe. Amen.

 

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04. Juli 2003

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