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Etwas WesentlichesAnsprache im Gottesdienst zur Christnacht 2002 Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad LippspringeSchlagzeug: Uli Lappe
Etwas Wesentliches soll ich sagen. Und das Wesentliche muss ja eigentlich kurz sein, oder? Wer viele Worte macht, hat nicht viel zu sagen. Aber das Wesentliche muss doch immer kurz sein! Sagt man so. Auch die beiden Musiker haben mir in der Probe gesagt: Je kürzer ich mich fassen kann, desto länger haben sie Zeit zum Spielen. Und das ist ein echter Grund.
Besondere Töne haben wir gehört. Nicht jedermanns Sache. Ungewöhnliche, aufschreckende Klänge. Gerade an Weihnachten! Ich meine: Gerade Weihnachten braucht diese Klänge.
In dem Klang eines Beckens sind alle Klänge hörbar. Lieber Uli Lappe – schlagen Sie uns doch bitte einmal ein Becken an – das, was ihnen das liebste ist: Hören Sie? Wie eine Symphonie von vielen, vielen Tönen breitet sich der Klang in der Kirche aus. Obertöne, Untertöne, Zwischentöne. Wie ein Regenbogen voller Klänge. Erfüllt den Raum. Geht fort, kommt wieder zurück. Bewegt etwas. Verbindet uns. Hinterlässt Spuren. Bekannt sind diese Klänge unseren Ohren. Und doch ganz neu. So anders.
Gerade an Weihnachten. Gerade Weihnachten braucht diese Klänge.
Nun aber zum Wesentlichen: Weihnachten. Jesus wird geboren. In Bethlehem. Der Messias, der Gesalbte, der Erlöser.
„Ich fasse keinen Gott als den, der in jenem Menschen ist, der vom Himmel kam. Ich fange bei der Krippe an.“ Martin Luther.
„Das Fest der Geburt Christi übertrifft alle anderen christlichen Feste an Resonanz in den künstlerischen Medien. Vor allem in den Klängen, den Worten und Bildern früherer Zeiten verbergen sich dabei verschlüsselte Aussagen, Symbole, …“ Edith Neubauer.
„Mag die geistige Kultur nun immer fortschreiten, mögen die Naturwissenschaften in immer breiterer Ausdehnung und Tiefe wachsen, und der menschliche Geist sich erweitern, wie er will, über die Hoheit und sittliche Kultur des Christentums, wie sie in den Evangelien schimmert und leuchtet, wird er nicht hinauskommen.“ Johann Wolfgang von Goethe, Gespräche mit Eckermann, 11.3.1832.
Ach Goethe, hättest du doch die jüngste Umfrage des Münchner Jugendforschungsinstituts „iconkids&youth“ gelesen:
39% aller 6-12 Jährigen haben keine Ahnung mehr, warum Weihnachten überhaupt gefeiert wird.
39%. In den neuen Bundesländern sogar 54 Prozent.
Sie vermuten: Weihnachten wird gefeiert, „weil da Winter ist“, „damit die Geschäfte mehr verkaufen“ und „weil da der Weihnachtsmann gestorben ist.“
18% der Kinder drehen Ursache und Wirkung einfach um: Weihnachten wird gefeiert: „weil da Ferien sind und die Oma kommt.“
So sieht es aus, Leute. Erzählt Ihr denn nichts mehr vom eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes? Dass es der Geburtstag des Menschen Jesus von Nazareth ist? Dass Gott in der Verletzlichkeit eines kleinen Kindes kommt, Damit wir endlich wieder begreifen, was MENSCHLICHKEIT bedeutet?
Der Stern von Bethlehem – wie Krippe, Engelchen, Ochs und Esel, Hirt und Lamm – alles nur Beigaben. In der Mitte das Wesentliche: das KIND. Nicht iconkids&youth. Sondern das Kind in den Kindern. Das Kind in uns.
Das Kind, das noch staunen kann. Das noch Töne hört, die wir längst vergessen haben. Klänge, Harmonien. Himmlische Harmonien. Versöhnung. Freude. Verzauberungen. Entspannung. Frieden. Aufatmen. Man selbst sein dürfen. Ich selbst sein dürfen. Hineinfallen und aufgefangen werden.
Einander in den Arm nehmen und gemeinsam Mensch sein dürfen. Alles überwinden, was trennt.
Was wirklich wichtig ist: Mensch sein ist wirklich wichtig.
Das wollte ich so zwischendurch mal sagen. Etwas Wesentliches. Zumindest für mich.
Soweit Worte überhaupt etwas Wesentliches sagen können. Manchmal ist schweigen können wesentlicher.
Weil Worte stören, wenn Klänge mehr sagen können.
Danke.
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| 30. Dezember 2002 |
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