
MARIA Madonna, Muttergöttin, Mensch
Die Mutter Jesu aus protestantischer Sicht
Der Vorstand der Evangelischen Frauenhilfe im Bezirksverband Paderborn: (v.
links n. rechts) Suse Anthony, Theodora Pißowotzki, Gerda Hayn. Helga Becker,
Barbara Masurek, Ulrike Spitzer, Elfried Dittmann, Elisabeth Hornberger, Ingrid
Neumann, die Referentin Pfarrerin Antje Lütkemeier und Pfarrerin Christel
Schuchardt.
Konzentriertes Zuhören: Die 90 Frauen, die zum Bezirksverbandstag Paderborn der
Evangelischen Frauenhilfe kamen, interessierten sich für die biblische
Frauengestalt Maria.
FOTOS: HEIDE WELSLAU
VON HEIDE WELSLAU
PADERBORN – „Glaubst du etwa an Maria – die Mutter Jesu aus protestantischer
Sicht“, mit diesem Thema beschäftigten sich Ende September 90 Frauen im
Paderborner Martin-Luther-Zentrum. Der gleichnamige Vortrag von Pfarrerin Antje
Lütkemeier (Bad Lippspringe) stand im Mittelpunkt des Bezirksverbandstages
Paderborn der Evangelischen Frauenhilfe. Die aus den Kreisen Paderborn und dem
Altkreis Warburg angereisten Mitglieder bewiesen mit ihrem Kommen, dass Maria
sehr wohl ein Thema für die evangelische Kirche sein kann. Im abschließenden
Gottesdienst machten das auch Pfarrerin Christel Schuchardt und Pfarrerin
Lütkemeier in ihrer Dialogpredigt deutlich. Sie beschrieben das Leben Maria als
eines, in dem vieles erkennbar ist, das Frauen auch heute noch bewegt: Sorgen um
und Ärger mit den Kindern, Verlust, Tod, Trauer, Wendepunkte.
In ihrem Vortrag untersuchte Antje Lütkemeier zunächst, was die Evangelien zu
„Miryam, der jungen jüdischen Frau Maria aus Nazareth, sagen: Die historische
Maria war nach biblischen Aussagen verlobt, später wahrscheinlich verheiratet
mit Josef. Sie hatte mehrere Söhne und mindestens zwei Töchter. Nach
anfänglichem Zögern wird sie später Anhängerin der Jesusbewegung. „Die
frühchristlichen Gemeinden haben offenbar Maria, als Mutter Jesu keine
Vorrangstellung eingeräumt“, schlussfolgert die Theologin.
Je stärker in der dogmatischen Theologie die göttliche Natur Christi in den
Vordergrund getreten sei, so Lütkemeier, desto mehr trete Maria in das Interesse
der Theologen. Kirchengeschichtlich sei die Lateransynode im Jahr 649 von
Bedeutung: Sie erklärte zum ersten Mal eine explizite Marienlehre und definierte
die immer währende Jungfräulichkeit und Unbeflecktheit Mariens. „Aus der
thronenden Himmelsgöttin der Ostkirchen - mit Spuren der vorderasiatischen
Muttergottheiten -wurde in der Westkirche die menschliche Fürbittende, mit
germanischen und keltischen Zügen“, beschrieb Lütkemeier Marias Rolle im
Mittelalter. In dieser Zeit habe sich auch die Lehre von der unbefleckten
Empfängnis entwickelt. „Die Reformation verwarf die kultische Verehrung Marias.
Martin Luther sah in Maria ein Vorbild in Glauben und Demut“, so die Referentin.
Die feministische Theologie habe dies ebenso wie die protestantische
Marienvergessenheit und die katholische Marienverehrung kritisiert.
„Kein einziger biblischer Text kann als Grundlage für den alten und neuen
Marienkult herhalten. Die Maria, auf die wir uns heute noch besinnen, ist nicht
die Madonna der kirchlichen Tradition und nicht die Wiederkehr der heidnischen
Muttergöttin“, stellt Lütkemeier abschließend fest. Das Befreiende an der Mutter
des Menschensohns sei ihre Menschlichkeit. Sie könne weibliches Vorbild im
Glauben sein und Menschen unterschiedlicher Traditionen miteinander ins Gespräch
bringen: evangelische, katholische und orthodoxe Christen, aber auch Menschen
muslimischen Glaubens. Denn auch der Islam kenne und verehre Maryam als Mutter
des Propheten Isa (Jesu). Und er kenne die Berichte der jungfräulichen Geburt
als Zeichen göttlicher Allmacht (Sure 19 Maryam), informierte die
Islambeauftragte des Kirchenkreises Paderborn.
© Ev. Kirchenkreis Paderborn
Ev. Kirche Bad Lippspringe 29.09.05