Ihr Name ist Tereza, aber alle Welt nennt sie liebevoll Terezinha. Gut
erinnere ich mich an ihr Lachen, das laut und herzhaft über die Terra klang.
Das erste mal begegnete ich ihr 1995 bei meinem ersten Aufenthalt in
Brasilien. Ich verbrachte meinen Jahresurlaub in dem von Frau Eicher
gegründeten Werk, Aliança pela Vida – Vereinigung für das Leben -, eins der
vom Stern der Hoffnung unterstützten Werke, um dort für 6 Wochen Aidskranke
mit zu pflegen und zu betreuen.
Terezinha war eine der ersten Patienten auf der Terra da Promessa – Land der
Verheissung – dem Werk für Aidskranke Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben war
die Strasse, ihre Wohnung die Brücken von São Paulo. Durch Prostitution,
Drogen und der Krankheit gekennzeichnet, kam sie 1990 total abgemagert und
schwach, mit ihrer damals 5 Monate alten, völlig unterernährten und für ihr
Alter viel zu kleinen Tochter, Vanessa, auf der Terra an. Sie wollte aus ihrem
bisherigen Leben heraus, ein Neues beginnen um ihrem kleinen Mädchen eine
andere Zukunft geben zu können.
1995 arbeitete sie als Köchin in der Casa da Paz – Haus des Friedens – dem
Pflegehaus vom Stern der Hoffnung. Hier werden pflegebedürftige Aidskranke von
ausgebildetem Personal liebevoll gepflegt und betreut.
Ich begegnete einer kräftigen Frau die den Samba Rythmus im Blut hatte.
Singend und tanzend schwang sie den Kochlöffel und war stets guter Laune. Mit
ihrer fröhlichen Art und ihrem ständigen Lachen schaffte sie es auch die
Schwerstkranken zu animieren und ihre traurige Situation für Augenblicke zu
vergessen. 1996 hatte sie erneut eine Lymphdrüsentuberkulose und musste ihre
Arbeit für einige Zeit aufgeben, aber bald erholte sie sich und übernahm die
Mitbetreung der Kinder im damaligen Kinderhaus auf der Terra. Dieses Jahr war
für Tereza ein ganz besonderes, da sie sich ihren Jugendtraum, in einer
Sambaschule im Karnevalsumzug mitzutanzen, erfüllte. Ihr erstes
Karnevalskostüm, vom eigenen Geld bezahlt, die Freude war unbeschreiblich.
Stolz präsentierte sie sich, schaltete das Radio an und tanzte Samba, lachend
und weinend zugleich. Jedes Wochenende ging sie zum Training in die
Sambaschule und der Umzug in der Karnevalsnacht war einer der glücklichsten
Tage ihres Lebens,
10 Jahre lebte Tereza auf der Terra da Promessa. Trotz der vielen Höhen und
Tiefen wie Krankheit und Rückfall zum Alkohol, hat sie es geschafft, von dem
Geld was sie für ihre Arbeit erhielt, etwas zu sparen und sich eine kleine
Hütte zu kaufen um wieder in ein selbstverantwortliches Leben zurückzukehren.
Im Jahr 2000 verliess sie das behütete Leben auf der Terra da Promessa und zog
mit Vanessa in das eigene kleine Häuschen. Seit dieser Zeit ist sie Patientin
von GAAVER. Schnell fand sie eine Arbeit um ihren Lebensunterhalt zu
finanzieren. Während eines erneuten langen Krankenhausaufenthalts blieb
Vanessa im Kinderhaus. Tereza entschied sich ihre Tochter dort zu lassen, da
sie erkannte das es ihr unmöglich sein wird dem Kind ein Leben mit Zukunft zu
geben. Hier im Kinderhaus Pequeno Principe Tim – Der kleine Prinz Tim - hat
ihr Mädchen alles was sie sich immer erträumte. Eine gute Schulausbildung,
Balletuntericht u.s.w.
Heute arbeitet Tereza im Kinderhaus Tim, sie kann ihre Tochter heranwachsen
sehen und sie auch ab und zu am Wochenende zu sich nehmen. Dem Alkoholproblem
ist sie entwachsen, geht ihrer Arbeit nach pflegt ihr Haus und ihren Garten.
In all den Jahren habe ich Terezinha begleitet, ihre Höhen und Tiefen
miterlebt und ich bin glücklich zu sehen, das sie es geschafft hat wieder ein
eigenes Leben zu führen.
Der Stern der Hoffnung ist wahrhaftig ein Stern der Hoffnung der es möglich
macht, mit all seinen Mitglieder und Helfern, kleine Wunder zu vollbringen.
Wir danken all denen die dazu beitragen, den am Rande des Existenzminimums
lebenden Familien, eine Hilfe zu geben.
Und so verbleibe ich mit den allerherzlichsten Grüssen aus SãoPaulo
Ihre Ingrid Köly-Hell