4. Juni 2009
Liebe Freunde vom Stern der Hoffnung
und Gaaver,
Der Winter hält
Einzug in
Graça sitzt in dicker Jacke an der Maschine und näht.” Hier ist es zwar kühl”,
sagt sie “aber noch besser
als in der
Favela”. Sie hat den Anfänger- und Fortgeschrittenenkursus
besucht und kommt nun fast jeden Tag für drei
bis vier Stunden um zu nähen.
Die 20% Kommison
vom Verkauf der Produkte sind nicht viel und reichen nicht aus um die Familie zu ernähren,
aber es ist
ein Zuverdienst zur kleinen Rente.
Es macht ihr Spass, sagt sie,
zersträut die negativen Gedanken und ist
wie eine Therapie. Hier wird viel gelacht,
bsonders an den zwei Tagen wo
die ehrenamtlichen Helfer hier sind. Sie lacht,
“Ich fühle
Die Maschine rattert und ich erinnere
Jardim Elisa
Maria (Garten Elisa Maria). Von einem Garten kann man nicht gerade sprechen. Die Favela
ist sehr
gross und erstreckt sich über einen langen
Hügel. Enge Gassen, mit vielen
Stufen in schlechtem Zustand führen zu den Häusern an
denen die Hausnummern alle durcheinander gewürfelt sind. Es scheint, als würde
jeder die Nummer an sein Haus malen, die ihm am besten gefällt.
Vor fünf Jahren
rief Graça verzweifelt bei uns an, die Telefonnummer hatte sie von Ihrer
älteren Schwester, die wir ein halbes
Jahr zuvor aufgenommen hatten. Nach langem Suchen
und Fragen fand ich ihre Hütte
in der sie mit den Eltern, zwei weiteren Schwestern
und der damals 10 jährigen Tochter, auf engstem Raum, in zwei Zimmern lebte.
Sie erzählt, das es nicht immer so war. Sie war verheiratet und hat als Helferin
bei einem Zahnarzt gearbeitet. Dann wurde die Tochter geboren, das Gehalt des Ehemannes reichte zum Leben und so blieb sie zu
Hause um sich um das Kind zu kümmern. Doch eines Tages,
die Tochter
war noch keine zwei Jahre, machte sich der Gemahl
auf und davon, die Miete konnte nicht mehr
bezahlt werden und Graça ging mit
dem Kind ins Elternhaus zurück. Nach einer
langen Zeit des Kampfes hat sie wenigstens per Gerichtsbeschluss
die Unterhaltszahlung für
das Kind erreicht. Die Eltern
waren über die Rückkehr der Tochter
nicht glücklich und liessen sie dieses auch häufig spüren.
Mit kleinen Jobs und dem Unterhalt für das Kind konnte sie zum
Lebensunterhalt der Familie beitragen. Die Wellen legten sich
bald und die Harmonie kehrte
in die Familie zurück, Graça suchte ständig
nach Arbeitsmöglichkeiten
um nicht von der Familie abhängig zu sein. Als
ich sie fragte,
wie lange sie schon weiss
das sie HIV positiv ist, antwortete sie;, ” Eine
Woche”, und fing an zu weinen, auch
der Test der Tochter war positiv.
Langsam erzählte sie, das ihre Schwiegereltern
sie ca. ein halbes Jahr zuvor
über den Tod des geschiedenen Mannes informierten
und sie baten einen HIV-Test durchzuführen, da er AIDS hatte. Da sass sie nun fassungslos vor mir, und erhoffte
ein Wunder. Es war ein langes
und intensives Gespräch in dem
ich Graça über alle Ressourcen
die es gab informierte und ihr erklärte, das wir sie neben
den formellen und medizinischen
Hilfen auch mit einem Grundnahrungsmittelpaket
unterstützen können. Am Anfang begleiteten wir sie zu den Arztterminen
und halfen ihr bei den Formalitäten zum Erhalt der
Rente. Die psychologische Begleitung half ihr, mit der Zeit
die Krankheit anzunehmen.
Heute redet Graça, 54 Jahre, nicht mehr
vom Sterben. Sie kämpft wie
alle Mütter mit der pubertierenden,
aufsässigen und uneinsichtigen
Tochter, die sich weigert ihre Medikamente
einzunehmen. In dieser für sie schwierigen
Fase benötigt sie aufs Neue eine intensivere
Begleitung. Die Tage in der Nähwerkstatt tragen dazu bei,
das sie sich mehr öffnen und das Gespräch mit mir
oder einer
anderen Frau suchen kann.
In der Gruppe der Ehrenamtlichen
begegnen ihr: Freude, Verständnis, Humor und Liebe zum Nächsten.
Frauen die Patchwork
in seiner Schönheit und Vielfalt
adoptiert haben, den Therapiewert des Kunstgewerbes erkennen und weiter vermitteln.
Ich hoffe sehr,
das es uns gelingt für Graça
und andere Frauen einen Weg zu einem
neuen Beruf zu öffnen, einer Arbeit nachzugehen die Freude macht und auch einen Verdienst
mit sich bringt.
Graça lächelt und verabschiedet sich mit einer
festen Umarmung. “Danke”, sagt sie
“ Bis Montag,
se Deus quizer”. (so Gott will)
Auch ich möchte
Ingrid Köly-Hell
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 09.06.09