
São Paulo, den 24.02.04
Liebe Gemeinde, liebe Freunde vom Stern der Hoffnung,
Nun bin ich schon seit 8 Jahren in São Paulo. Die ersten 2 Jahre habe ich in den schon bestehenden Werken vom Stern der Hoffnung mitgearbeitet und in diesem Jahr werden es 6 Jahre, das mein Werk, GAAVER, die häusliche Krankenpflege in den Favelas, besteht. Eine lange Zeit mit vielen Höhen und Tiefen. Die finanzielle Unterstützung vom Stern der Hoffnung, von dem auch Sie durch ihre Spenden und Solidarität ein Teil sind, ist für unsere Arbeit von grösster Bedeutung. Wie jedes Jahr durfte ich auch bei meinem diesjährigen Aufenthalt in Deutschland wieder Gast in Ihrer Gemeinde sein und wie immer habe ich mich sehr wohl und von Herzen aufgenommen gefühlt. Der Alltag ist nun wieder eingekehrt und ich besuche alle unsere Familien die schon auf mich gewartet haben. Und wie immer treffe ich freudige Gesichter an, wenn ich von den Gemeinden in Deutschland und der Schweiz erzähle, die sich für die Schicksale hier interessieren und helfen wollen. Sicher befinden sich diese Menschen in einem Teufelskreis. Armut, viele Kinder, Arbeitslosigkeit ohne Aussicht auf eine Beschäftigung, das Leben in den Favelas mit den täglichen Gefahren und dazu noch die Diskriminierung durch Aids, bieten keine Hoffnung auf ein besseres Leben. Für alle, die diese Situationen nur aus den Berichten und Erzählungen kennen mag unsere Arbeit ein Fass ohne Boden sein, ein Teufelskreis aus dem es keinen Ausweg gibt. Natürlich können wir diesen Familien kein neues Zuhause, kein neues Leben erschaffen, aber es ist uns immerhin möglich, die schlechte Stuation zu verbessern, dafür zu sorgen, daß niemand Hunger leidet, ohne Medikamente und ohne Garderobe bleibt, nicht von einer einstürzenden Baracke erschlagen wird, wegen fehlender Bustickets oder einer körperlichen Behinderung nicht zum Arzt gehen kann und in dem sehr kühlen Winter, auch hier in Brasilien, nicht friert. Durch die Verteilung von Produkten wie: monatliche Lebensmittelpakete, Hygieneprodukte, gebrauchte Garderobe, Wolldecken, Schulmaterial ect., und den Kauf von: Medikamenten die es nicht vom Staat nicht gibt, Propangas zum Kochen, Baumaterial zur Renovierung der vom Einsturz gefährdeten Hütten, Bustickets ect, sowie der Hilfe und Unterstützung im pflergerischen und sozialrechtlichem Bereich, können wir immerhin diesen Teufelskreis unterbrechen und ein wenig Licht und Sonne in das Dunkel bringen. Patienten mit Behinderung oder körperlicher Schwäche werden mit dem Auto zu den Arzt- und Untersuchungsterminen, sowie zur Regelung aller notwendigen Dinge mit Behörden, Renten, oder anderer sozialer Hilfen gebracht und begleitet. Doch bei all diesen Leistungen dürfen wir nicht unterschätzen, wie wichtig die regelmässigen Besuche sind, die Gespräche und das Zuhören. Gemeinsam lachen und weinen, vermitteln wir sind für dich da, du bist nicht allein und verlassen, kurz gesagt die seelsorgerische Begleitung.
In den 6 Jahren haben wir schon sehr viel erreicht aber wie sie sich denken können, gibt es ständig etwas das fehlt. So komme ich zum Beispiel immer wieder in die Situation für Familen oder auch einzelne Personen einen Platz in einem Pflegehaus oder einer Hilfsorganistion suchen zu müssen, da die familiären Umstände es erforderlich machen. Leider ist das ein sehr schwieriges Unterfangen, da es viel zu wenige dieser Häuser gibt. Und so ist mein grösster Wunsch, ein Haus für die Kurzzeitpflege einzurichten und zur Unterbringung von Müttern und Kindern zu kaufen.
Mit dem mich täglich begleitenden Satz der Brasilianer „ Se Deus quizer – Wenn Gott will – wirst du auch das erreichen,“ möchte ich meinen Brief beenden. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Hilfe und Solidarität und wünsche Ihnen für das schon begonnene Jahr alles Gute und Gottes Segen Ihre Ingrid Köly-Hell
Spendenkonto: STERN DER HOFFNUNG: Volksbank Paderborn 882 9797 900 (BLZ 47260121), Stichwort „GAAVER“