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ANDACHT

Liebe Leserinnen und Leser,

ist er Ihnen dieses Jahr auch lang geworden, der Winter? Oder nehmen Sie unseren Gemeindebrief im warmen Sommer zur Hand und haben den Winter schon fast wieder vergessen?
Der Wechsel der Jahreszeiten, der Rhythmus von Frühling und Sommer, Herbst und Winter, prägt unseren Alltag, auch wenn wir nicht mehr wie frühere Generationen mit und in der Natur leben.
Das Erwachen der Natur, die Wärme des Sommers, das Fallen der Blätter und die frühe Dunkelheit des Winters- all das bestimmt auch heute noch einen guten Teil unseres Erlebens, unser Wohlergehen und unser Lebensgefühl. „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“, das singen wir mit Freude, wenn die Sonne am Himmel lacht, nicht wenn im Herbst die Blätter fallen.
Neben den Jahreszeiten bestimmen noch andere Rhythmen unser Leben : der Wechsel von Arbeitstag und Ruhetag, von Alltag und Sonntag. Dass schon Kinder diesen Tag als heilsamen Schlusspunkt der Woche empfinden, konnten wir am Kinderbibeltag erleben. Dort ging es um Gottes Schöpfung, seine wunderbare Welt, in all ihren bunten Farben. Und es ging eben auch um den Sonntag als besonderen Tag, um sie zu genießen. Die Kinder wünschen sich an diesem Tag Zeit für Unternehmungen, für die Familie, sie wünschen sich Zeit für sich, zum Schlafen, Spielen und Lesen. So sollten wir den siebten Tag als kreativen Pausentag nicht mehr als unbedingt nötig preisgeben für Arbeit und Einkaufen.
Noch einem anderen Rhythmus folgen wir: dem Tagesablauf mit seinen Morgen- und Abendstunden. Jeder und jede von uns hat bestimmte Rituale, mit denen er oder sie den Tag beginnt, ihn angeht und anpackt: Frühstück oder nur Kaffee, Kinderversorgen oder Zeitunglesen. Und entsprechend der Abend: Abendbrot und Abspannen, den Tag verarbeiten und ausklingen lassen, die festen Abläufe auf dem Weg in die Nacht.
Vielen, wenn nicht den meisten Menschen, tun solche festen Zeiten und Rituale gut. Sie sorgen in ihrer Regelmäßigkeit für das notwendige Gleichgewicht- Menschen, die z.B. wegen Schicht- und Nachtarbeit diesen Rhythmen nicht mehr folgen können, geraten häufig „aus dem Takt“.
Deshalb lade ich sie ein, liebe Leserinnen und Leser, sich Ihren Tagesrhythmus anzuschauen, sich zu überlegen: Was bringt mich gut in den Tag, was führt mich gut in die Nacht?
Und ich möchte sie noch zu etwas anderem einladen, vielleicht gerade jetzt in der Frühlings- und Sommerzeit, wo der Morgen heller und der Abend länger ist: Ich lade Sie ein, Gott in Ihren Tagesrhythmus einzubeziehen. Dietrich Bonhoeffer hat das für den Morgen so beschrieben: „Bevor das Herz sich der Welt aufschließt, will Gott es sich erschließen; bevor das Ohr die unzähligen Stimmen des Tages vernimmt, soll es in der Frühe die Stimme des Schöpfers und Erlösers hören. Die Stille des ersten Morgens hat Gott für sich selbst bereitet. Ihm soll sie gehören.“
Am Morgen das Herz aufschließen für Gott: das kann man auf verschiedene Weise tun: Mit einem kurzen Gedanken morgens im Bett, mit dem Hören der Morgenandacht im Radio, mit einem Gebet oder mit einem „Danke, Gott“ an einer festen Stelle in Ihrem Morgenrhythmus.
Und das gleiche gilt am Abend. Jeder Abend kann das Ja Gottes zur Stille sein, kann uns Gottes Ja zu uns wieder ins Gedächtnis rufen. Dann können wir es an unseren Abenden fühlen:

Ruhe
die handflächen
nach innen wenden

dir zuhören
dich sehen
den hass
für eine Weile
vergessen

die spur
der trauer
verlieren

den himmel
über uns spüren
(P. Wiplinger)

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sommer

Ihre Kerstin Heibrock




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