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Gedanken zur Jahreslosung 2004

Anne Biesterfeldt, Vikarin in Bad Lippspringe

„Jesus Christus spricht:
Himmel und Erde werden vergehen;
meine Worte aber werden nicht vergehen.“

Markus 13,31


Die Jahreslosung 2004, ein Leitwort für das ganze vor uns liegende Jahr, spricht von der Vergänglichkeit und von dem, was unvergänglich ist.

Das Phänomen der Vergänglichkeit ist uns nicht fremd. So können wir bei gesellschaftlichen Trends und Moden beobachten: was heute noch „in“ ist, ist morgen schon „out“ und „vergangen“. Wir erleben, dass Freundschaften und Beziehungen sich nicht nur wandeln, sondern auch in die Brüche gehen, „vergehen“ können. Wir wissen um die befristete Lebenszeit von Pflanzen und Tieren, und auch unsere eigene Endlichkeit ist uns durchaus bewusst.

Oft erleben wir Vergänglichkeit als bedrohlich. Manchmal sind wir jedoch auch dankbar für und erleichtert über Vergänglichkeit: Gut, dass man unter vielen Krankheiten nur eine begrenzte Zeit zu leiden hat, gut, dass Ängste uns in den wenigsten Fällen unser Leben lang begleiten, gut, dass Streit und Unfrieden auch mal ein Ende haben.

Nicht alles, was wir erleben und erfahren, wollen wir also bewahrt und erhalten wissen, einiges geben wir getrost der Vergänglichkeit anheim. In dem Jesus-Wort heißt es jedoch nicht: „einiges“ wird vergehen, sondern „Himmel und Erde“ werden vergehen. Das heißt, alles Geschaffene, die Grundfesten dieser Welt, der Himmel, der sich über uns wölbt, und die Erde, auf der wir stehen, werden aufhören zu existieren.
Diese Aussage ist in der Tat bedrohlich und beängstigend. „Himmel und Erde“, das ist doch unser Bezugssystem, in dem wir unseren Platz haben, das sind doch unsere Koordinaten, ohne die sich unser Leben kaum vorstellen lässt.

Die Jahreslosung spricht jedoch nicht nur von der Vergänglichkeit von Himmel und Erde, ihr Ziel ist es nicht, zu drohen und zu ängstigen, sondern sie will Zuspruch leisten und ermutigen. Angesichts aller Endlichkeit und Vergänglichkeit wird eines Bestand haben: Jesus Christus spricht (auch): „Meine Worte aber werden nicht vergehen“. Jesu Worte werden uns durch alle Vergänglichkeit, die uns umgibt und die eines Tages auch Himmel und Erde betreffen kann, hindurchtragen und uns nicht verlassen.

Wovon spricht Jesus, wenn er von seinen Worten spricht? Wo begegnen uns Jesu Worte?

Jesu Worte können uns auf vielfältige Weise und in verschiedensten Kontexten begegnen.

In den letzten acht Wochen (meinen ersten acht Wochen als Vikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe) hatte ich Gelegenheit, viele „Weisen“ und Kontexte, in denen Jesu Worte in unserer Gemeinde vorkommen, kennenzulernen.

So beispielsweise bei den Proben für das Weihnachts-Musical, das Heiligabend im Gottesdienst aufgeführt wurde. Oder bei einem Adventsgottesdienst im Kindergarten. Bei Besuchen im Altenheim, beim Treffen „ökumenischer Frauen“ zur Vorbereitung eines Gottesdienstes, bei den Sonntagsgottesdiensten. Oder aber auch bei Begegnungen und Gesprächen, die sich zwischen Tür und Angel ergaben. Beim Singen in der Kantorei, beim Konfirmandenunterricht, und, und, und – die Liste ist noch lange nicht vollständig.

Jesu Worte sind lebendig. Sie kommen nicht nur im Gottesdienst vor, sie begleiten uns auch im Alltag.

Jesu Wort, das in diesem Jahr unsere Jahreslosung ist, will zum Nachdenken anregen. Was hat Bestand auf dieser Welt? Worauf lohnt es sich, sein Leben zu bauen? Wem können wir vertrauen? Jesus will uns daran erinnern, dass es neben und über den Koordinaten Himmel und Erde seine Worte gibt, die uns Orientierung, Halt und Trost sein können, und dass diese Worte nicht vergehen.


 

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