Bericht der Neuen Westfälischen, Paderborn, am 7. 1. 2003:


Witzig-spritzige Version von Vivaldis "Gloria"

Westfälische Saxophoniker in der Lippspringer Marienkirche

Bad Lippspringe (ck). Der barocke Vielschreiber Antonio Vivaldi betätigte sich vornehmlich im kammermusikalischen Bereich. Von seinen geistlichen Werken ist wohl das bekannteste sein "Gloria" für Soli, Chor und Orchester. Das reizte die Westfälischen Saxophoniker - drei Damen und fünf Herren - ein lebendiges und nicht immer ohrwurmgerechtes Arrangement zu schaffen, vortrefflich geeignet für den verführerischen und einschmeichelnden Sound dieser sonst eher in dem Jazz- oder Bigbandbereich beheimateten Instrumente.

 

Die Marienkirche in Bad Lippspringe war in spärlich warmes Licht getaucht, denn so ein Event braucht auch eine stimmige Inszenierung. Die Akteure, in schwarze Kapuzen‑Kutten gehüllt in einer Mischung aus Mönchstum und Ku‑Klux‑Klan‑Gewändern, kamen zögerlich aus den Ecken auf leisen Sohlen, begannen mit einem zarten Bicinium der hohen Saxophone und vereinten sich im Altarraum zum achtstimmigen Sound. Die technisch versierten Bläser beließen es natürlich nicht bei der Originalvorlage, sondern erweiterten diese durch reizvolle Kontraste aus dem Jazz‑, Salsa‑ oder Bluesgenre und strapazierten das Ohr des geneigten Klassik‑Hörers so gerade bis an die Grenzen des Machbaren mit sicherem Gespür dafür, wann es denn genug war mit den verschrägten, sich reibenden Klängen, und jeder "seinen" alten Vivaldi in den pulsierenden Rhythmen wiedererkannte ‑ eine gelungene Mischung aus alt und neu ‑, meisterlich interpretiert als Crossover zwischen E‑und U‑Musik

 

Die Truppe, die sich ihrer Kutten längst entledigt hat, ist fast immer in Bewegung, nutzt den Raumklang der vortrefflichen Akustik geschickt aus, mal als Echowirkung, dann wieder als Fernchor aus dem Hintergrund, auch mal ganz schlicht als Trio, wobei man glaubt, zwei Klarinetten und ein Fagott zu hören anstelle von drei Saxophonen. Erfreulich viel junges Publikum zog naturgemäß diese witzige und spritzige Version eines großen Werkes der barocken Klassik an.

Das Konzert, als Abschluss der anspruchsvollen Kirchenmusikreihe der Evangelischen Kirchengemeinde gedacht und bereits im November geplant, machte wieder einmal deutlich, dass herausragenden kirchenmusikalischen Aktivitäten der Badestadt vom überaus aktiven Kantor Ulrich Schneider ausgehen, wogegen man von der "katholischen Konkurrenz" in dieser Richtung bisher wenig  zu erwarten hatte. Umso mehr ist man den katholischen Kirchengemeinden zu Dank verpflichtet, dass sie jeweils ihre größeren Kirchen gerne zur Verfügung stellen für musikalische Großprojekte, die in der kleinen evangelischen Kirche an der Detmolder Straße so nicht möglich wären ‑ auch hier kann Ökumene praktisch ihren Ausdruck finden.

Wir danken der Neuen Westfälischen, Ausgabe Paderborn, für die Genehmigung zur Wiedergabe dieses Artikels auf unseren Webseiten. "Einscanfehler" bitten wir zu entschuldigen!

Online finden Sie die Neue Westfälische unter http://www.nw-news.de und die News aus dem Hochstift Paderborn unter http://www.nw-news.de/news/lokal/pb/

Nachbemerkung zum (von uns) hellblau und kursiv gesetzten letzten Abschnitt des Artikels:

Normalerweise würde man sich über so ein Lob freuen, aber leider trifft es nicht den wahren Sachverhalt und muss deshalb auch korrigiert werden: Das "Gloriasax-Konzert" gehört zum Bad Lippspringer kirchenmusikalischen Programm, das von allen drei Kirchengemeinden, den beiden katholischen und der evangelischen, geplant, durchgeführt, verantwortet und finanziert wird (mit dankenswerter Unterstützung der Stadt Bad Lippspringe und des - ebenfalls "ökumenischen" -  Fördervereins PRO MUSICA).  Von daher ist es auch selbstverständlich, dass für jedes Konzert immer die am besten geeignete Kirche ausgewählt wird - ohne irgendeine konfessionelle Präferenz.

Ebenso ist die Kantorei Bad Lippspringe von Anfang an eine ökumenische Einrichtung.

 

 

 

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08. Januar 2003

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