Herzliebster Jesu,
was hast du verbrochen


Melodie - Johann Crüger, 1640

Worte: Johann Heermann

 

H

erzliebster Jesu, was hast du verbrochen,
Daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?
Was ist die Schuld? In was für Missetaten
Bist du geraten?

D

u wirst verspeit, geschlagen und verhöhnet,
Gegeißelt und mit Dornen scharf gekrönet,
Mit Essig, als man dich ans Kreuz gehenket,
Wirst du getränket.

W

as ist die Ursach aller solcher Plagen?
Ach, meine Sünden haben dich geschlagen!
Ich, ach Herr Jesu, habe dies verschuldet,
Was du erduldet.

W

ie wunderbarlich ist doch diese Strafe!
Der gute Hirte leidet für die Schafe,
Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte,
Für seine Knechte.

D

er Fromme stirbt, so recht und richtig wandelt;
Der Böse lebt, so wider Gott misshandelt;
Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen,
Gott wird gefangen.

I

ch war von Fuß auf voller Schand und Sünden,
Bis zu dem Scheitel war nichts Guts zu finden;
Dafür hätt
ich dort in der Hölle müßen
Ewiglich büßen.

O

 große Lieb, o Lieb ohn alle Masse,
Die dich gebracht auf diese Marterstraße!
Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden,
Und du mußt leiden.

A

ch, großer König, groß zu allen Zeiten,
Wie kann ich gnugsam solche Treu
ausbreiten!
Kein menschlich Herze mag sich dies ausdenken,
Was dir zu schenken.

I

ch kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen,
Mit was doch dein Erbarmen zu vergleichen;
Wie kann ich dir denn deine Liebestaten
Im Werk erstatten?

D

och ist noch etwas, das dir angenehme:
Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf
und zähme,
Daß sie aufs neu
mein Herze nicht entzünden
Mit alten Sünden.

W

eil aber dies nicht steht in eignen Kräften,
Dem Kreuze die Begierden anzuheften,
So gib mir deinen Geist, der mich regiere,
Zum Guten führe!

A

lsdann so wird ich deine Huld betrachten,
Aus Lieb
zu dir die Welt für nichts erachten.
Ich werde mich bemühen, deinen Willen
Stets zu erfüllen.

I

ch werde dir zu Ehren alles wagen,
Kein Kreuz nicht achten, keine Schmach noch Plagen,
Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen
Nehmen zu Herzen.

D

ies alles, obs für schlecht zwar ist zu schätzen,
Wirst du es doch nicht gar beiseitesetzen.
In Gnaden wirst du dies von mir annehmen,
Mich nicht beschämen.

W

enn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne
Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone,
Da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen,
Lob und Dank singen.