Von guten Mächten ...

Predigt zu Invokavit - 9.3.2003 Neuenbeken, Bad Lippspringe (No 520)
I.Reihe: Matthaeus 4,1-11

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Rembradnt van Rijm: Die Versuchung Christi, die Herrschaft der Welt zu gewinnen. Glauben Sie, dass es einen Teufel gibt? Im Glaubensbekenntnis, so wie wir es im Zusammenhang mit der Taufe gesprochen haben, steht nichts davon. Auf der anderen Seite gibt es sicher auch etwas, was Gottes gutem Geist entgegensteht. Unser Text gibt diesem Bösen eine Gestalt, eine Stimme, eine Person. Es ist aber kein pferdefüßiger und hörnertragender Bösewicht, sondern ein bibelkundiger, freundlicher Bürger, der sich modern, gebildet und fromm gibt. Merke: Das Böse kommt 1. anders und 2. als man denkt. In der Bibel ist der Teufel ja auch ursprünglich ein Engel, der aus dem Himmel gefallen ist und künstlerisch deshalb auch sehr oft mit Flügeln abgebildet wird.

Sie kennen vielleicht das Franz von Assisi zugeschriebene Gebet:
„Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um sein Werk zu vollbringen.“
In Abwandlung dieses Gebets können wir genauso sagen:
„Der Teufel hat keine Hände, nur unsere Hände, um sein Werk zu vollbringen. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Abweg zu führen; er hat keine Lippen nur unsere Lippen, um Menschen in die Irre zu führen.“

Der Teufel, das Böse, ist eigentlich ein für allemal besiegt. Durch Jesus Christus und seinen Tod am Kreuz. Doch dort, wo wir Menschen in unserem Denken und Handeln so tun, als hätte es diesen Sieg nicht gegeben, machen wir das Böse erst stark und geben ihm Raum. Deswegen ist es biblisch gesehen auch abwegig, von einer „Achse des Bösen“ zu reden, die nur ein Krieg durchbrechen könne. Denn Gewalt und Krieg sind keine geeigneten Methoden, mit der Macht des Bösen wirklich fertig zu werden. Das konnte nur Christus allein

Unsere Predigttext, die Geschichte von der Versuchung Jesu durch den Teufel, zeigt, mit welchen Methoden der Teufel arbeitet. Er zeigt uns aber auch, wie wir ihn überwinden können.

1.Versuchung:

Der Teufel will, dass Jesus aus Steinen Brot macht, um sich selbst zu sättigen. Doch Jesus antwortet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht.“ Jesus geht es also nicht in erster Linie darum, den eigenen Hunger zu stillen, sondern darum, dass andere satt werden - und zwar mit leiblichem Brot und mit Nahrung für die Seele.

Christus ist nicht in die Welt gekommen, um die egoistischen Bedürfnisse einzelner Menschen zu stillen. Er will vielmehr, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

Wir Menschen sehen in Gott oft einen Erfüllungsautomaten: Gott, mach das und das - und ich will an dich glauben. Jesus aber lehrt zu beten: „Herr, dein Wille geschehe.“ Der Teufel macht das faule Angebot: bring allein dein eigenes Schäfchen ins Trockne und bist gerettet - Jesus überwindet die Versuchung, weil er weiss, Egoismus führt zum Untergang, Liebe zu Gott und Liebe zu Nächsten aber ist die einzige Möglichkeit, das eigene Leben und das der anderen Menschen zu retten.

2.Versuchung:

Szenenwechsel - Auf der obersten Zinne des Tempels von Jerusalem drängt der Teufel Jesus, die Macht Gottes auf die Probe zu stellen und herabzuspringen. Die Schutzengel werden ihn schließlich auffangen ...

Aber Jesus reagiert wie beim ersten Mal: Es kommt gar nicht darauf an, dass die Schutzengel mich beschützen. Schutzengel werden woanders gebraucht: Wo Kranke gesund werden sollen, Traurige getröstet, Verlorene geheilt.

Statt sich durch einen spektakulären Sprung aus den Wolken selbst in Szene zu setzen, geht er zu denen, die wirklich Hilfe brauchen.

Auch wir erliegen oft der Versuchung, als Christen die eigenen besonderen und mutigen Taten zu bestaunen. Was sind wir fromm und die anderen Menschen so schlecht. Doch darin liegt eine Versuchung des Teufels.

In Jesus wird die Liebe Gottes gerade darin deutlich, dass sie immer eine Liebe für andere ist.

Deshalb ist der Spruch von den Engeln, die dich behüten vor allem Schaden, vor aller Gefahr, ein so schöner Taufspruch gerade für die Kleinen. Denn Gott ist auf der Seite der Kleinen, denen, die Schutz brauchen, Fürsorge, Zuwendung - und nicht in erster Linie auf der Seite der Starken und Erfolgreichen.

Dietrich Bonhoeffer sagt ganz richtig: Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Christen, die nur an sich selber und ihre eigene Rettung denken, haben die Weite der Liebe Gottes noch gar nicht verstanden.

3. und letzte Versuchung:

Erneuter Szenenwechsel - diesmal ist es ein hoher Berg, von dem herab der Teufel dem Sohn Gottes alle Reiche und Reichtümer dieser Welt zu Füßen legt. Jesus hätte nur ein bißchen in die Knie gehen müssen vor dem Teufel - und alles wäre sein gewesen.

Doch Jesus geht auf diesen zutiefst faulen Kompromiß nicht ein. Er weiß: Niemand kann zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon, dem Gott des Geldes. Christus hat den Pferdefuß erkannt. Der Zweck heiligt eben doch nicht immer die Mittel. Wer Kompromisse mit dem Bösen, dem Zerstörerischen eingeht, der gibt dem Teufel Raum.

An Jesus hat sich der Teufel die Zähne ausgebissen. Er konnte ihn nicht zu falschen Kompromissen, zu Egoismus um jeden Preis, überreden. Da mußte er zum Schluß ganz kläglich abziehen. Er hat eben keine Macht dort, wo ihm Menschen keine Macht geben.

Doch die Versuchung ist damit nicht ein für allemal vom Tisch. Auch wir stehen in der Gefahr, dem Bösen Raum zu geben. Eben dann, wenn wir seinen Schmeicheleien, seinen flott klingenden Sprüchen mehr trauen als Gottes Liebe.

Es gilt, Partei zu ergreifen. Für die Liebe, die sich in der Nächstenliebe zeigt. Wir sind es auf die es ankommt.

„Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen auf seine Seite zu bringen.“

Deshalb tun wir gut daran, dem guten Gott mehr zu trauen als der Macht des Bösen. Deshalb ist es im guten Sinne, von Engeln zu erzählen ihrem segnenden Schutz. Den Teufel hat Christus längst besiegt. Helfen wir den Menschen, die sich noch vor ihm fürchten, mit dem Verweis auf Gott und seine „guten Mächten“ von denen wir „wunderbar geborgen“ sind.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.




Fürbittgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, du bist in deinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen.
Du lehrst und tröstest uns durch die Kraft des heiligen Geistes.
Herr, wir danken dir, dass du uns in den kommenden Wochen auf den Weg in die Stille mitnehmen willst.
Wir bedenken, dass du selbst in die Wüste zum fasten geführt wurdest.
 Es ist aber auch die Zeit, in der uns die Versuchungen gezeigt werden,
 denen wir und deine Kirche erliegen können.
Wir leben nicht allein vom Brot dieses Lebens;
nicht von der Macht der Technik, die alles in den Griff bekommen will;
 auch nicht von den vielen,
die sich als Götter unserer Zeit anbieten.
Herr, wir bitten dich,
führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von unseren bösen und eigensüchtigen Wünschen.
 Lass uns erkennen,
dass wir in deiner Nachfolge frei werden von den maßlosen Erwartungen für unser eigenes Leben.
Herr, bewahre deine Kirche davor,
dass sie sich durch Macht und Einfluß am Leben erhalten will.
Bewahre sie vor dem Kniefall vor den Mächtigen der Zeit;
vor der Sünde, sich mit dem Reichtum dieser Welt gleich zu stellen.
Herr, wir sollen das Salz der Erde und das Licht der Welt sein.
Halte unser Herz frei von den Göttern unserer Zeit,
an die wir uns so gerne hängen.
Führe uns den Weg in die Stille,
wo wir dich und uns selbst finden.
In dieser Stille möge jeder einzelne von uns das vor Gott bringen,
was ihn belastet und bedrückt:
-- S T I L L E ---
Wir beten weiter: Vater unser, ...


Predigttext Matthäus 4,1-11

(Mark. 1,12.13; Luk 4,1-13)

a ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde.
Hebr 4,15

2   Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
2.Mose 34,28; 1.Kön 19,8

3   Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden.
1.Mose 3,1-7

4   Und er antwortete und sprach: Es steht geschrieben: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht."
5   Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
6   und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
7   Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: "Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen."
8   Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
9   und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.
Kap 16,26

10   Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan! denn es steht geschrieben: "Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen."
11   Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm.
Joh 1,51; Hebr 1,6.14

(Predigttext bei Elbikon-Online)

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09. März 2003

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