Jesus Christus spricht:
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Johannes 14,1
Andacht zur Jahreslosung 2010
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

Abdruck der Grafik mit freundlicher Genehmigung von Daniel Münzenmeier, Augsburg, http://www.daniel-muenzenmayer.de/ *
Euer Herz erschrecke nicht? Ich hätte viel lieber in so einigen Situationen und Begebenheiten des letzten Jahres gerufen: Euer Herz erschrecke! Seid zutiefst erschüttert und beunruhigt!
Aber ich kenne nur einen wirklich schreckhaften Menschen. Ich wünschte mir manchmal, ich könnte so erschrecken, wie diese Frau aus unserer Gemeinde, obwohl ich natürlich weiß, dass das für sie kein Vergnügen ist. Ansonsten sind die Menschen in meiner Umgebung, so wie ich auch, wenig schreckhaft, ganz im Gegenteil, erschreckend verblüffungsresistent.
Was könnte Sie erschrecken? Was versetzt Ihnen nicht nur einen kleinen Schreck, sondern was erschreckt Sie bis ins Innerste?
Denn wenn es in der Jahreslosung aus dem Johannesevangelium heißt „euer Herz erschrecke nicht“ dann ist schon das Innerste gemeint, ein Schrecken, der tief in die Glieder fährt und viel weiter, wenn mein Herz erschrickt, dann ist mein ganzes Leben erschüttert.
Was also jagt Ihnen einen solchen Schrecken ein? Ich fürchte, da gibt es nicht so viel. Viel eher fallen mir, wie gesagt, Situationen und Begebenheiten ein, in denen Menschen eigentlich erschrecken sollten, dies aber nicht tun.
Ein älterer Mann wird tot in seiner Wohnung aufgefunden und niemand kann sagen, wie lange er schon verstorben ist. Er hatte manchmal wochenlang zu keinem Menschen Kontakt.
Ein Junge, der in die 5. Klasse geht, verstaucht sich im Schulunterricht seinen Finger. Den Besuch beim Arzt muss er alleine für sich regeln, wie alles andere in seinem Leben, angefangen vom Frühstück, denn seine Eltern kümmern sich um nichts. Heute hatte ich Glück, erzählt er eines Morgens in der Schule, da war noch ein Stück kalte Pizza von gestern Abend zum Frühstück.
Eigentlich müssten wir an so vielen Stellen bis ins Herz erschrecken!
Euer Herz erschrecke nicht! Im Johannesevangelium sagt Jesus diesen Satz zu seinen Jüngerinnen und Jüngern. Und mit dem Schrecken ist nicht das Erschrecken über den Zustand von Welt oder Gesellschaft gemeint, sondern die berechtigte Furcht vor einer ungewissen Zukunft. Mit der Abschiedsrede Jesu nimmt Johannes eine bekannte literarische Form auf. Jesus kündigt er seinen Weggang an und spricht über seinen nahen Tod und die Zeit danach.
Mit Jesus zusammen fühlten sich die Jüngerinnen und Jünger sicher. Was wird werden, wenn er nicht mehr bei ihnen ist? Zukunft ist ungewiss – das wird uns bei jedem Jahreswechsel bewusst.
Zukunft ist ungewiss – das ist sie immer, auch wenn wir es uns anders wünschen würden.
Das verbindet uns mit den Jüngerinnen und Jüngern und auch mit den Menschen der christlichen Gemeinden Ende des 1. Jahrhunderts, für die Johannes sein Evangelium aufschreibt.
Was brauchen Menschen angesichts einer unsicheren Zukunft? Patentrezepte gibt es nicht, starre, dogmatische Regeln machen keinen Sinn, Pläne können schon im nächsten Augenblick von der Wirklichkeit eingeholt sein.
Erstarrung wie das Kaninchen vor der Schlange erschreckt verharrt, bringt nichts, ebenso wenig die Resignation des „ich kann ja doch nichts ändern“. Was also hilft, in eine Zukunft hinein zu leben?
In zwei kurzen Sätzen nimmt Jesus im Johannesevangelium die Wirklichkeit und Stimmung der Menschen ernst. Sein „Seid nicht aufgewühlt und erschrocken!“ stellt sie in eine Geschichte hinein und gibt ihnen Perspektive.
Glaubt an Gott und glaubt an Jesus. Wer Jesus Christus vor Augen hat, schaut in Gottes menschliches Antlitz, so heißt es in einer Auslegung zur Textstelle.
Wer Gott vor Augen hat, wie ihn die biblischen Geschichten beschreiben, wer ihm glaubt, also ihm vertraut, der weiß:
Gott hat sich in der Vergangenheit finden lassen, ja Gott hat seine Menschen gesucht und begleitet.
Das Vertrauen auf diesen Gott heißt an der Stelle auch: Zukunft ist ungewiss, aber Gott wird sich in ihr finden lassen, Gott wird uns, seine Menschenkinder, finden und begleiten.
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Die Jahreslosung 2010 ist die Einladung Gottes, Zukunft mutig zu er-leben, weil sie sein Versprechen ist, unser Leben auch zukünftig zu begleiten.

Der Kanon zur Jahreslosung wurde
komponiert von Bezirkskantor KMD Peter Ammer, Nagold. Die Abbildung
ist ein Ausschnitt aus der Jahreslosungskarte, gezeichnet von der
Nagolder Künstlerin Judith Bruckner. Die "Jahreslosungskarten" sind
eine Nagolder Besonderheit und werden immer ab dem 1. Advent in der
Nagolder Gemeinde angeboten. Die Jahreslosungskarten sind zu
beziehen über das Ev.
Bezirkskantorat Nagold.
* Die Jahreslosung von Daniel Münzenmeier ist im Shop als Minikalender im praktischen Scheckkarten-Format erhältlich und als kostenloser Bonus außerdem als Desktop-Hintergrund downloadbar. Außerdem haben Sie die Möglichkeit die Karte kostenlos als E-Card zu verschicken:
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© Ev. Kirche Bad Lippspringe 30.11.11