
Liebe Leserin, lieber Leser,
hat für Sie schon mal jemand gebetet? Vielleicht bei Ihrer kirchlichen
Trauung oder der Taufe Ihres Kindes? Für Ihre Genesung von einer schweren
Krankheit, oder als Sie einen lieben Menschen verloren hatten? Hat da jemand
für Sie gebetet, so, dass Sie davon wussten?
Oder können Sie sich das nur schwer vorstellen, dass jemand gerade für Sie
betet, Ihre Sache vor Gott ausbreitet und für Sie um Beistand und Hilfe
bittet?
Oft kommt es mir so vor, als ob das heute fast schon etwas Anstößiges ist: die
Vorstellung, derjenige oder diejenige zu sein, für den oder die gebetet wird.
Das kommt für viele Menschen einem Eingeständnis von Schwäche, von
Mangelhaftigkeit gleich: So schwach, so hilflos, das jemand anders für mich
beten muss, bin ich doch nicht. Für mich muss niemand beten- ich finde selber
einen Ausweg. Für andere zu beten fällt uns wohl leichter, als für uns beten
zu lassen.

In der Jahreslosung für das kommende Jahr 2005 ist es Jesus, der für jemand
anders bittet: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“.
Jesus bittet für einen, der sich auch für stark hält, stark in der Nachfolge,
stark im Glauben. Doch gleich nach dem Jesuswort folgt im Lukasevangelium eine
Szene, die uns wohl vertrauter ist als die Jahreslosung. Petrus verspricht
Jesus, mit ihm ins Gefängnis, ja sogar bis in den Tod zu gehen. Und Jesus sagt
ihm die Wahrheit: dass Petrus dieses Versprechen nicht halten wird.

Gerade dieses Wissen Jesu um die Schwäche seines besten Freundes macht das
andere Wort Jesu so wichtig: Jesus weiß, wie bedroht der Glaube des Petrus
ist, immer wieder. Und doch steht er zu ihm und betet für ihn. Genau wie
Petrus sind wir alle immer wieder Fragen und Geschehnissen ausgesetzt, die
unseren Glauben bedrohen, genauso, wie es die Gefangennahme Jesu und die Angst
um das eigene Leben für Petrus taten. Während ich diese Worte schreibe, werden
die Zahlen der Flutopfer in Asien in die Nachrichten fast stündlich erhöht. Wo
werden sie endlich stoppen....?
Kann Glauben aufhören? Sich auflösen, sich zerreiben oder zerbrechen an den
unvorstellbaren Katastrophen der Welt? Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht
genau. Ich treffe Menschen, die mir das so sagen: An einen Gott, der das
zulässt, kann ich nicht mehr glauben. Und ich treffe Menschen, die sagen:
Gerade im Leiden habe ich Gott neu gefunden.

Und deshalb denke ich: Glauben ist zuallerst nichts Ewig-Gleiches, gleich
Starkes oder Schwaches. Er wandelt sich in unserem Leben und mit unserem
Leben, in dem und mit dem, was wir erleben an Schwerem und Schönen. Glaube
kann klein und schwach werden. Aber Vertrauen kann wieder wachsen und Glauben
kann neu beginnen.
Wie wunderbar, wenn Gott selbst um die Bedrohung unseres Glaubens weiß und
deshalb für uns betet, dass unser Glaube nicht aufhöre. Er nimmt sich unser
an, wie wir sind, aber er gibt uns nicht auf. Er hofft auf Veränderung und
Neubeginn, immer wieder.
Hat schon einmal jemand für SIE gebetet? JA!
Und so wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Jahr 2005
Ihre Kerstin Heibrock
Die ersten drei Bilder sind Verkleinerungen der Bildschirmschoner mit der Jahreslosung 2005. Das 4. Bild ist ein Bildschirmschoner für die Weltbibelhilfe.
Die Bildschirmschoner werden von der Deutschen Bibelgesellschaft zum kostenlosen Download angeboten: http://www.dbg.de/channel.php?channel=69