Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Jahreslosung 2005

 

Betrachtung von Pfarrerin Kerstin Heibrock, Bad Lippspringe

Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. (Lk 22,32)

Liebe Leserin, lieber Leser,

hat für Sie schon mal jemand gebetet? Vielleicht bei Ihrer kirchlichen Trauung oder der Taufe Ihres Kindes? Für Ihre Genesung von einer schweren Krankheit, oder als Sie einen lieben Menschen verloren hatten? Hat da jemand für Sie gebetet, so, dass Sie davon wussten?
Oder können Sie sich das nur schwer vorstellen, dass jemand gerade für Sie betet, Ihre Sache vor Gott ausbreitet und für Sie um Beistand und Hilfe bittet?

Oft kommt es mir so vor, als ob das heute fast schon etwas Anstößiges ist: die Vorstellung, derjenige oder diejenige zu sein, für den oder die gebetet wird. Das kommt für viele Menschen einem Eingeständnis von Schwäche, von Mangelhaftigkeit gleich: So schwach, so hilflos, das jemand anders für mich beten muss, bin ich doch nicht. Für mich muss niemand beten- ich finde selber einen Ausweg. Für andere zu beten fällt uns wohl leichter, als für uns beten zu lassen.



In der Jahreslosung für das kommende Jahr 2005 ist es Jesus, der für jemand anders bittet: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“. Jesus bittet für einen, der sich auch für stark hält, stark in der Nachfolge, stark im Glauben. Doch gleich nach dem Jesuswort folgt im Lukasevangelium eine Szene, die uns wohl vertrauter ist als die Jahreslosung. Petrus verspricht Jesus, mit ihm ins Gefängnis, ja sogar bis in den Tod zu gehen. Und Jesus sagt ihm die Wahrheit: dass Petrus dieses Versprechen nicht halten wird.



Gerade dieses Wissen Jesu um die Schwäche seines besten Freundes macht das andere Wort Jesu so wichtig: Jesus weiß, wie bedroht der Glaube des Petrus ist, immer wieder. Und doch steht er zu ihm und betet für ihn. Genau wie Petrus sind wir alle immer wieder Fragen und Geschehnissen ausgesetzt, die unseren Glauben bedrohen, genauso, wie es die Gefangennahme Jesu und die Angst um das eigene Leben für Petrus taten. Während ich diese Worte schreibe, werden die Zahlen der Flutopfer in Asien in die Nachrichten fast stündlich erhöht. Wo werden sie endlich stoppen....?
Kann Glauben aufhören? Sich auflösen, sich zerreiben oder zerbrechen an den unvorstellbaren Katastrophen der Welt? Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht genau. Ich treffe Menschen, die mir das so sagen: An einen Gott, der das zulässt, kann ich nicht mehr glauben. Und ich treffe Menschen, die sagen: Gerade im Leiden habe ich Gott neu gefunden.



Und deshalb denke ich: Glauben ist zuallerst nichts Ewig-Gleiches, gleich Starkes oder Schwaches. Er wandelt sich in unserem Leben und mit unserem Leben, in dem und mit dem, was wir erleben an Schwerem und Schönen. Glaube kann klein und schwach werden. Aber Vertrauen kann wieder wachsen und Glauben kann neu beginnen.

Wie wunderbar, wenn Gott selbst um die Bedrohung unseres Glaubens weiß und deshalb für uns betet, dass unser Glaube nicht aufhöre. Er nimmt sich unser an, wie wir sind, aber er gibt uns nicht auf. Er hofft auf Veränderung und Neubeginn, immer wieder.
Hat schon einmal jemand für SIE gebetet? JA!

Und so wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Jahr 2005

Ihre Kerstin Heibrock
 

 

Die ersten drei Bilder sind Verkleinerungen der Bildschirmschoner mit der Jahreslosung 2005. Das 4. Bild ist ein Bildschirmschoner für die Weltbibelhilfe.

Die Bildschirmschoner werden von der Deutschen Bibelgesellschaft zum kostenlosen Download angeboten: http://www.dbg.de/channel.php?channel=69