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Die Neue Westfälische berichtete am 30. März 2004 auf der Seite "Lokale Kultur":

"Ergreifendes Passionsgeschehen

Bachs Jahrtausendwerk von Kantorei umgesetzt"

Die Neue Westfälische am 30. März 2004 über die Aufführung der Johannespassion

Von Alexander Matschak

Bad Lippspringe. Nicht immer, wenn es in diesen Tagen um eine Passion geht, ist damit Mel Gibsons viel diskutierter Film "The Passion« gemeint, der derzeit in den Kinos läut. Schon seit Jahrhunderten beschäftigt die Menschen die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi - das zentrale Thema der vier Evangelisten des Neuen Testaments.

Zu den größten musikalischen Auseinandersetzungen mit der Passionsgeschichte gehört zweifellos die "Johannespassion" von Johann Sebastian Bach. Diesem Meilenstein der Passionsvertonungen widmete sich am Sonntagnachmittag in der St.-Martins-Kirche in Bad Lippspringe die Kantorei Bad Lippspringe unter ihrem Leiter Ulrich Schneider.

Bachs erste große Passion ist eine präzise musikalische Deutung des Passionsberichts nach dem Evangelisten Johannes. Für den Evangelisten ist Christus kein Schmerzensmann, sondern ein göttlicher König, einer, der seinen Auftrag auf der Erde zu erfüllen hat. Und so gibt es bei Johannes keinen Zweifel im Garten von Gethsemane, kein "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", nur sein schlichtes "Es ist vollbracht" am Kreuz.

Nichts macht dies so deutlich wie der gewaltige Eingangschor der Bachschen "Johannespassion", der von seiner Anlage eher eine Herrscherverherrlichung denn eine Passionsmusik darstellt. Es war genau diese musikalische Absicht Bachs, die Kantor Ulrich Schneider mit seiner Interpretation des Eingangschors traf. Gewaltig die Chorrufe "Herr, unser Herrscher", mächtig die Koloraturen - alles bei hervorragendem Textverständnis und sauberer Intonation.

Bestens vorbereitete Kantorei

Und der positive Eindruck des Anfangs setzte sich fort. Die Kantorei zeigte sich bestens vorbereitet, folgte präzise dem Dirigat ihres Leiters und konnte sowohl mit den dramatischen Turbae-Chören als auch mit den reflektiven Chorälen überzeugen.

Denn Ulrich Schneider verlangte viel von seinen Musikern. Spannend,'teilweise hochdramatisch war seine Interpretation der Bachschen Musik, deren unterschiedliche Affekte er anschaulich herausgearbeitet hatte. Nie wirkte die Dramatik dabei oberflächlich oder aufgesetzt, stets wurde sie aus der Musik entwickelt. Schneiders oft sehr zügige Tempi meisterten die Instrumentalisten der Konzertvereinigung Barbara Zwanziger aus Detmold problemlos, sorgfältig wurde phrasiert und auch die zahlreichen Soli hört man selten so souverän musiziert - ein Sonderlob gilt hier dem Gamben-Solo Hildegart Perls.

Solisten von hoherQualität

Jede Aufführung der "Johannespassion" steht und fällt mit dem Interpreten des Evangelisten. Mit Martin B. Müller hatte Kantor Ulrich Schneider einen Glücksgriff getan. Mit seiner kultivierten, sehr hellen Tenorstimme trug Martin B. Müller mal dramatisch, mal lyrisch, aber nie unbeteiligt den Evangeliumstext vor.

Von nicht minderer Qualität Sopranistin Ulrike Wiedemann. Ihre Stimme verfügt über einen warmen und doch kristallklaren Klang von großer,Schönheit, die sie nahezu ideal für die Affekte ihrer beiden Arien (Sehnsucht - Traurigkeit) machte.

Etwas verhaltener hingegen Altistin Birgit Göigner, von der man sich etwas mehr innere Anteilnahme gewünscht hätte. Souverän und mit noblem Ton interpretierte Bariton Florian Prey die Bass-Arien und die Partie des Pilatus. Gemeinsam mit Bassist Andreas Petenneier, der würdig die Worte Jesu wiederzugeben wusste, gelang beiden eine beinahe szenische Wiedergabe der Gerichtsverhandlung.
Problematischer hingegen Tenor Johannes Harten. Mit großer, beinahe opernhafter Geste meisterte er die hochdramatische "Ach, mein Sinn"-Arie, war jedoch von der schweren "Erwäge"-Arie hörbar überfordert, weshalb ihm Kantor Ulrich Schneider auch das Dacapo erlies.

Es war eine Aufführung, die klar machte, wie ergreifend Musik das Passionsgeschehen wiederzugeben vermag. Vielmehr übrigens, als es die blutigen Kinobilder eines Mel Gibson vermögen.
 

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30. März 2004