Fisch muss schwimmen

Predigt zu den Konfirmationen am 10. und 11. Mai 2003

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Text: Matthäus 4, 18-22 5, 1-10

Als nun Jesus an dem Galiläischen Meer ging, sah er zwei Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Alsbald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und da er von da weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebedäus, daß sie ihre Netze flickten; und er rief sie. Alsbald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.

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Da er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm, Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr.

Bibeltext bei Elbikon Online

 

Ein Fernglas - verkehrt herum. „Schöne Aussicht - aber irgendetwas ist falsch“. Alles ist winzig. Eine große Masse Menschen, aber weit weg.
Das Fernglas - richtig herum. „Jetzt sehe einzelne ganz nah. Für einen Moment ist jemand genau in meinem Blickfeld. Richtig groß und deutlich zu erkennen.“
So ist es dem Petrus ergangen. Petrus stand in einer großen Menge Menschen als Jesus kam. Aber dieser Jesus sah nicht aus der Ferne diese Menschenmenge. Aus der Masse wurde Petrus persönlich in den Blick genommen.
Und die Botschaft des Petrus lautete: Du bist mir wichtig. Zu dir will ich ins Boot steigen. Ihm war es egal, dass dieser Petrus nach Fisch gestunken hat. Dass er nicht aus vornehmer Familie kam. Dass er gerade bei der Arbeit ziemlich viel Pech gehabt hat.

Fisch will schwimmen! Solange man in einer Menge mittrottet, merkt man gar nicht, was man für eigene Fähigkeiten hat. Als Christen werden wir das erstemal so richtig angesprochen, herausgerufen aus der Masse durch die Taufe. „Ich trage einen Namen, bei dem der Herr mich nennt. Du rufst mich durch die Taufe, durch die der Herr mich kennt.“ So heißt es in einem Tauflied. Christsein setzt in Bewegung, hat mit Leben zu tun. Alles Leben kommt aus dem Wasser. Das Wasser ist Leben und ein Fisch will darin schwimmen.

Dazu muss man aber erst einmal begreifen, dass man selbst gemeint ist. Dass es da jemanden gibt, der den eigenen Namen kennt und einen damit ruft. Und das ist nicht Vater und Mutter, Oma oder Opa, auch nicht die Geschwister. Das ist ein ganz anderer. Viel größerer. Dass ist der, der Himmel und Erde geschaffen hat und doch einen so scharfen Blick, dass er jeden von nahem sieht: Gott.

Du bist es: Petrus. Ab ins Boot. Dich brauche ich. Einen, der sich bei den Fischen auskennt. Der Fisch ist ja ein uraltes christliches Symbol. „Ichtys“ heißt Fisch auf Griechisch. Das war wie eine geheime Abkürzung: Die Buchstaben standen für: „Jesus Christus Sohn Gottes Retter“ Zusammen gelesen: „Ichtys“. Ein Geheimzeichen, an denen sich Christen erkannten. Und ein Bekenntnis: Ich gehöre zu denen, die an Christus glauben. Ich fühle mich angesprochen, gemeint: Dich brauche ich. Du bist getauft mit dem Wasser des Leben. Nun mache dich auf den Weg und schwimm in diesem Wasser.

Die Wasser ist nicht immer nur schön für die Fische. Ich habe noch nie einen Konfirmanden-Jahrgang mit so ernsten Themen gehabt. Streit in einer Gruppe. Ganz am Anfang und handfest. Gewalt in der Schule - für fast alle ein Thema. Der 11.September 2001, dann der Krieg im Irak. Schwester Ingrid mit ihrer Arbeit bei Aids-Kranken in Sao Paulo. Und Kranke mitten unter uns. Vor ein paar Wochen mein Vater, der plötzlich gestorben ist, ihr habt das mitgekriegt und habt mich sogar getröstet. Ich will nicht so tun, als wäre das eine einfache und glückliche Welt, in die ihr nun ein Stück freier, erwachsener entlassen werdet. Das Wasser ist nicht nur der Ursprung des Lebens, es ist auch Quelle für Gefahren, Ursache für Untergänge, Katastrophen und Tod.

Und gerade hier sagt Jesus: Dich meine ich. Er sagt es Petrus, aber nicht nur ihm allein. Da steht noch einer neben ihm: Andreas, sein Bruder. Das sind schon zwei. Euer Boot brauche ich. Lasst ihr mich mitfahren. Ein Fisch allein ist besonders gefährdet im Wasser. Mehr als ein Fisch, zwei, noch mehr - ein Schwarm Fische kann mit ein bißchen Geschick und Mut so mächtig sein, dass große gefährliche Fische sich nicht herantrauen.

Mut und Geschick: dass schenkt euch Jesus. Weil er sagt: Dich meine ich. Dich, Petrus, Andreas, Anita, Kristina, Miriam, Jessica, Sven, - all die Namen, die wir gleich noch in der Einsegnung hören werden. Dich meine ich. Dich segne ich. Dich spreche ich selig. Nicht weil du so heilig wärst, so unfehlbar, so rein - sondern weil du du bist. Petrus, Andreas, Anita, Kristina, Miriam, Jessica, Sven...

Ihr müsst los, ihr müsst schwimmen. Aber ihr seid nicht allein. Ihr seid Teil eines großen Fischschwarms. Ihr braucht euch nicht zu fürchten; denn Ihr seid nicht allein. Jetzt nicht und morgen nicht und niemals. Da hat Euch jemand in den Blick genommen und läßt Euch nicht mehr los. Und keine Fluten könnnen Euch verschlingen. Ihr seid gesegnet. Ihr seid selig. Ihr tragt sein Zeichen: Ihr seid Fische. Unterwegs zum Glauben, unterwegs im Glauben. Vergesst das nicht: Ihr seid Fische. Und Fische können im großen, gefährlichen Meer schwimmen. Und ihr seid nicht allein.
Amen.





 

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11. Mai 2003

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