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Predigt zu den Konfirmationen am 10. und 11. Mai 2003 |
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Als nun Jesus an dem Galiläischen Meer ging, sah er zwei Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Alsbald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und da er von da weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebedäus, daß sie ihre Netze flickten; und er rief sie. Alsbald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach. ....
Bibeltext bei Elbikon Online |
Ein
Fernglas - verkehrt herum. „Schöne Aussicht - aber irgendetwas ist
falsch“. Alles ist winzig. Eine große Masse Menschen, aber weit weg.
Das Fernglas - richtig herum. „Jetzt sehe einzelne ganz nah. Für einen
Moment ist jemand genau in meinem Blickfeld. Richtig groß und deutlich zu
erkennen.“
So ist es dem Petrus ergangen. Petrus stand in einer großen Menge Menschen
als Jesus kam. Aber dieser Jesus sah nicht aus der Ferne diese
Menschenmenge. Aus der Masse wurde Petrus persönlich in den Blick
genommen.
Und die Botschaft des Petrus lautete: Du bist mir wichtig. Zu dir will ich
ins Boot steigen. Ihm war es egal, dass dieser Petrus nach Fisch gestunken
hat. Dass er nicht aus vornehmer Familie kam. Dass er gerade bei der
Arbeit ziemlich viel Pech gehabt hat.
Fisch will schwimmen! Solange man in einer Menge mittrottet, merkt man gar
nicht, was man für eigene Fähigkeiten hat. Als Christen werden wir das
erstemal so richtig angesprochen, herausgerufen aus der Masse durch die
Taufe. „Ich trage einen Namen, bei dem der Herr mich nennt. Du rufst mich
durch die Taufe, durch die der Herr mich kennt.“ So heißt es in einem
Tauflied. Christsein setzt in Bewegung, hat mit Leben zu tun. Alles Leben
kommt aus dem Wasser. Das Wasser ist Leben und ein Fisch will darin
schwimmen.
Dazu muss man aber erst einmal begreifen, dass man selbst gemeint ist.
Dass es da jemanden gibt, der den eigenen Namen kennt und einen damit
ruft. Und das ist nicht Vater und Mutter, Oma oder Opa, auch nicht die
Geschwister. Das ist ein ganz anderer. Viel größerer. Dass ist der, der
Himmel und Erde geschaffen hat und doch einen so scharfen Blick, dass er
jeden von nahem sieht: Gott.
Du bist es: Petrus. Ab ins Boot. Dich brauche ich. Einen, der sich bei den
Fischen auskennt. Der Fisch ist ja ein uraltes christliches Symbol. „Ichtys“
heißt Fisch auf Griechisch. Das war wie eine geheime Abkürzung: Die
Buchstaben standen für: „Jesus Christus Sohn Gottes Retter“ Zusammen
gelesen: „Ichtys“. Ein Geheimzeichen, an denen sich Christen erkannten.
Und ein Bekenntnis: Ich gehöre zu denen, die an Christus glauben. Ich
fühle mich angesprochen, gemeint: Dich brauche ich. Du bist getauft mit
dem Wasser des Leben. Nun mache dich auf den Weg und schwimm in diesem
Wasser.
Die Wasser ist nicht immer nur schön für die Fische. Ich habe noch nie
einen Konfirmanden-Jahrgang mit so ernsten Themen gehabt. Streit in einer
Gruppe. Ganz am Anfang und handfest. Gewalt in der Schule - für fast alle
ein Thema. Der 11.September 2001, dann der Krieg im Irak. Schwester Ingrid
mit ihrer Arbeit bei Aids-Kranken in Sao Paulo. Und Kranke mitten unter
uns. Vor ein paar Wochen mein Vater, der plötzlich gestorben ist, ihr habt
das mitgekriegt und habt mich sogar getröstet. Ich will nicht so tun, als
wäre das eine einfache und glückliche Welt, in die ihr nun ein Stück
freier, erwachsener entlassen werdet. Das Wasser ist nicht nur der
Ursprung des Lebens, es ist auch Quelle für Gefahren, Ursache für
Untergänge, Katastrophen und Tod.
Und gerade hier sagt Jesus: Dich meine ich. Er sagt es Petrus, aber nicht
nur ihm allein. Da steht noch einer neben ihm: Andreas, sein Bruder. Das
sind schon zwei. Euer Boot brauche ich. Lasst ihr mich mitfahren. Ein
Fisch allein ist besonders gefährdet im Wasser. Mehr als ein Fisch, zwei,
noch mehr - ein Schwarm Fische kann mit ein bißchen Geschick und Mut so
mächtig sein, dass große gefährliche Fische sich nicht herantrauen.
Mut und Geschick: dass schenkt euch Jesus. Weil er sagt: Dich meine ich.
Dich, Petrus, Andreas, Anita, Kristina, Miriam, Jessica, Sven, - all die
Namen, die wir gleich noch in der Einsegnung hören werden. Dich meine ich.
Dich segne ich. Dich spreche ich selig. Nicht weil du so heilig wärst, so
unfehlbar, so rein - sondern weil du du bist. Petrus, Andreas, Anita,
Kristina, Miriam, Jessica, Sven...
Ihr müsst los, ihr müsst schwimmen. Aber ihr seid nicht allein. Ihr seid
Teil eines großen Fischschwarms. Ihr braucht euch nicht zu fürchten; denn
Ihr seid nicht allein. Jetzt nicht und morgen nicht und niemals. Da hat
Euch jemand in den Blick genommen und läßt Euch nicht mehr los. Und keine
Fluten könnnen Euch verschlingen. Ihr seid gesegnet. Ihr seid selig. Ihr
tragt sein Zeichen: Ihr seid Fische. Unterwegs zum Glauben, unterwegs im
Glauben. Vergesst das nicht: Ihr seid Fische. Und Fische können im großen,
gefährlichen Meer schwimmen. Und ihr seid nicht allein.
Amen.
| 11. Mai 2003 |
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