Verbotene Kunst aus der DDR

Ausstellungen " Dialog mit der Bibel" in Bad Lippspringe und Borchen

 

Bad Lippspringe (abd). Im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Bad Lippspringe ist der zweite Teil der Ausstellung "Dialog mit der Bibel" zu sehen. Der ergänzende Teil der Ausstellung befindet sich in der evangelische Kirche Borchen. Die gezeigten Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus der DDR (von 1949‑1990) entstammen der Sammlung des evangelischen Kunstdienstes Berlin.

 

Jürgen Rennert, Mitarbeiter des Kunstdienstes, verwies in seiner Einführung mit lyrischen (teils eigenen) Texten auf die damalige Nischenexistenz einer religiösen Kunst, die unter dem totalitären Staatsregime der DDR teilweise sogar verboten war.

 

So konnte die Skulptur eines großen, cremefarbenen Kreuzes, an dem eine bandagierte Gestalt gebunden ist, selbst noch nach der Grenzöffnung nur an den Abenden heimlich enthüllt werden. Das Kreuz aus Polyester mit seiner mumifiziert wirkenden Figur folgt dem Leitsatz: "Du sollst dir kein Bildnis machen." Themen der Werke sind immer wieder menschliche Gewalt, Gefangenennahme, Zerstörung, aber auch Unverständnis Einsamkeit und Hoffnung.

 

Eine drastische schwarz‑weiß Grafik von Alfred Keth zeigt Jesus und einen Namenlosen gebunden am Kreuz: "Pilatus: Welchen von beiden wollt ihr, dass ich euch losgebe" ist das Bild untertitelt. Arme des Volkes in Reih und Glied recken sich in die Höhe und bestimmen über Leben und Tod. Dicke, schwarze Linien führen wie die Andeutung eines stacheligen Hackenkreuzes über das Bild und verbinden die biblische Geschichte mit der Diktatur der NS‑Zeit.

 

Dagegen nimmt sich die in dunklen Blautönen gehaltene "Geburt" von Iris Haks‑Haftstetter ungewohnt harmonisch aus. In Wachskreide hat sie die innige Verbindung zweier linearer angedeuteter Körper festgehalten, aus deren Mitte ein Licht erwächst. Eine aufrüttelnde Ausstellung, die nicht zuletzt die Aktualität und Verstrickung religiöser Themen mit Zeitgeschehen verdeutlicht. Noch zu sehen bis 26. November, montags‑donnerstags 9‑12 und 17‑20 Uhr, sonntags 11. 15‑13 Uhr.

 

 

 

 

„Du sollst dir kein Bildnis machen“: Bei der Ausstellungseröffnung in Bad Lippspringe: Berna Schupp-Winterkamp, Initiatorin der Ausstellung aus Borchen, der Lyriker Jürgen Rennert vom evangelischen Kunstdienst in Berlin, Pastor Detlev Schuchardt und Jürgen Peters (Presbyter).

 

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Bericht vom 19.11.2003. Text und Foto: Ann-Britta Dohle