Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Je¬sus Christus. Amen.
Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Gemeinde, liebe Junge, liebe Alter,
liebe ... und ich habe schon fünfmal das Wort "Liebe" benutzt. Daran sieht
man, wie oft wir dieses Wort gebrauchen, oft genug ge¬dankenlos. In unserem
heutigen Predigttext fällt aber das Wort Liebe gleich 15 mal. Er steht im
1.Johannesbrief im 4. Kapitel:
Ihr LIEBEN, laßt uns einander LIEBHABEN, denn die LIEBE ist von Gott und wer LIEBT, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht LIEBT, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die LIEBE. Darin ist erschienen die LIEBE Gottes un¬ter uns, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die LIEBE, nicht, daß wir Gott GELIEBT haben, sondern daß er uns GELIEBT hat und gesandt seinen Sohn zur Versöh¬nung für unsere Sünden. Ihr LIEBEN, hat uns Gott so GELIEBT, so sollten wir uns auch untereinander LIEBEN. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns unter¬einander LIEBEN, so bleibt Gott in uns, und seine LIEBE ist in uns vollkommen.
Gott, öffne unsere Ohren und Herzen, dass wir verstehen, was du uns heute sagen willst. Amen.
Soviel LIEBE auf einmal läßt sich nur schwer be¬greifen. Bei dem Wort LIEBE
denkt aber auch jede und jeder an etwas anderes: die Liebe zwischen Mann und
Frau, an Liebesschwüre und Liebeskummer, Liebesgeflüster und Liebesgrüße, die
einen beginnen zu schwärmen, die an¬deren können es nicht mehr hören. Ist von
dieser Liebe die Rede? Zur Überraschung mancher redet die Bibel auch davon und
macht keinen großen Bogen um dieses Thema und es ist ihr gar nichts pein¬lich
daran. Aber sie sieht das große und schöne Geschenk der Liebe zwischen Mann
und Frau in dem noch grö¬ßeren Zusammenhang von Liebe überhaupt, von der
Liebe, die von Gott kommt, die alles durch¬dringt und die wir auch an andere
weitergeben sollen. "Hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch
untereinander lieben". Liebe ist das Salz des Lebens, ohne Liebe gehen
Menschen ein wie eine Blume ohne Sonne. Ein Leben ohne Liebe macht krank. Und
wenn ich hier von der Liebe, auch der Liebe Gottes rede, dann weiß ich sehr
wohl darum, dass oftmals die Liebe nicht spürbar ist, auch nicht unter den
Christen, auch nicht in der Kirche.
Vielleicht sollten wir uns noch deutlicher machen, wovon wir eigentlich
re¬den, wenn wir von Gottes Liebe sprechen.
Ein Gedicht:
"EINER SAGTE JA
ich wurde nicht gefragt
bei meiner geburt
und die mich gebar
wurde auch nicht gefragt
bei ihrer geburt
niemand wurde gefragt
außer dem Einen
und der sagte
ja
Dies ist ein Gedicht von der Liebe Gottes. Wo wir Menschen einfach geboren
worden sind, ohne dass wir selbst dies wollten oder nicht wollten, hinein in
eine Familie, die wir uns weder ausgesucht noch verbeten haben, in eine Welt,
für die wir nicht allein verantwortlich sind, sondern die wir übernehmen
müssen von unsren Vorfahren, da hat allein einer ganz bewußt und entschieden
zu uns JA gesagt: Gott. Er ist der einzige, der uns ja wirklich kennt, von
Anfang an und vor allem Anfang.
"LIEBE IST..." das war einmal der Anfang eines Zitats, dem dann unendlich
viele Fortsetzungen folgten. "Liebe Gottes ist: er sagt JA zu uns." So können
wir es sagen. Die Liebe Gottes ist eben die Kraft, die unsrem Le¬ben Salz und
Würze, aber auch Freude und Hoff¬nung gibt.
Diese Geschichte soll zeigen, wie es mit dieser unsichtbaren Kraft
funktioniert, die wir für ein liebenswertes Leben brauchen:
Ein Mensch hatte sich einen Fernseher gekauft. Der Techniker kam, stellte den
Apparat auf und erklärt alles: die verschiedenen Knöpfe, die verschiedenen
Kanäle, die Programme, den besten Ab¬stand des Betrachters zum Gerät. Es gab
nicht, was nicht erklärt worden wäre. Am Abend lud dieser Mensch die ganz
Nachbarschaft ein: alle sollten bei der Einweihung dabei sein. Er räumt das
Wohnzimmer auf und stellte die Stühle or¬dentlich hin. Der große Augenblick
war gekom¬men! Er bat um Ruhe, drückte den Knopf und setzt sich auf seinen
Stuhl! Alle blickten voll Erwartung ..., die Zeit verging. "Nein, das gibt es
doch gar nicht!" schimpfte der Mann. Alle warteten stundenlang. Schließlich
gingen sie mißmutig nachhause. Was aber hatte nicht funk¬tioniert? An alles
hatte der Mensch gedacht, nur nicht das Gerät an den Strom anzuschließen.
Soll etwas von Gottes JA zu uns in unserem Le¬ben spürbar werden, so müssen
wir an Gottes JA, an seine Liebe angeschlossen sein, wie ein Gerät an den
elektrischen Strom. "Hat uns Gott so ge¬liebt, so sollen wir uns auch
untereinander lie¬ben." Wir feiern den Sonntag der Diakonie. Gottes Liebe
weitergeben, heißt, den Menschen dienen, die auf unsere Hilfe warten. Gott
sagt Ja zu uns und diese Kraft der Liebe macht uns stark und fähig, auch
zueinander zu sich selbst ja zu sagen. Und wer Ja sagen kann zu sich, will
auch Ja sagen zu anderen, hat den Mut, den Mund aufzumachen, wenn andere Nein
sagen zu einem Menschen, den niemand leiden kann, etwa in der Klasse oder der
Nachbarschaft. Wer Nein sagt zu andern, zu sich oder zu Gott, ist oft ein
armer Mensch und sucht die Erfüllung seines Lebens woanders. Fanatiker sind
solche armen Men¬schen, die Nein sagen zu anderen, die Gewalt säen und sich
schuldig machen. Wir haben es gerade in unglaublicher Grausamkeit erleben
müssen. Aber auch die, die undifferenziert alle möglichen Fremden
verunglimpfen, sind sol¬che armen Menschen. Sie sind wie ein Gerät, das statt
farbigen Bildern dumpfes Schwarz zeigt, weil es nicht angeschlossen ist an den
Strom¬kreis. Deshalb brauchen wir Menschen immer wieder den Gottesdienst,
immer wieder die Zu¬sage: "Gott sagt ja zu dir, zu mir, zu jedem von uns." JA
zueinander, JA zu sich sagen, ist soviel gesünder und macht das Leben hell und
schön. Schließt euer Leben an den Stromkreis der Liebe Gottes an - das ist
unsere gemeinsame Aufgabe in der Kirchengemeinde. Und Aufgabe von uns allen
ist es, durch unser mutiges Ja gerade zu den Schwächsten und Langsamsten, den
Fremden und den Neuen, auch Gottes großes Ja, seine Liebe zu allen Menschen,
auch unter uns Wirk¬lichkeit werden zu lassen.
Amen.
Karikatur zum Thema "Diakonie" (Copyright: Thomas Plaßmann)
