Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Liebe

Predigt zum 13.Sonntag nach Trinitatis - 5.9.2004 Neuenbeken

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Je¬sus Christus. Amen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Gemeinde, liebe Junge, liebe Alter, liebe ... und ich habe schon fünfmal das Wort "Liebe" benutzt. Daran sieht man, wie oft wir dieses Wort gebrauchen, oft genug ge¬dankenlos. In unserem heutigen Predigttext fällt aber das Wort Liebe gleich 15 mal. Er steht im 1.Johannesbrief im 4. Kapitel:

Ihr LIEBEN, laßt uns einander LIEBHABEN, denn die LIEBE ist von Gott und wer LIEBT, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht LIEBT, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die LIEBE. Darin ist erschienen die LIEBE Gottes un¬ter uns, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die LIEBE, nicht, daß wir Gott GELIEBT haben, sondern daß er uns GELIEBT hat und gesandt seinen Sohn zur Versöh¬nung für unsere Sünden. Ihr LIEBEN, hat uns Gott so GELIEBT, so sollten wir uns auch untereinander LIEBEN. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns unter¬einander LIEBEN, so bleibt Gott in uns, und seine LIEBE ist in uns vollkommen.

Gott, öffne unsere Ohren und Herzen, dass wir verstehen, was du uns heute sagen willst. Amen.

Soviel LIEBE auf einmal läßt sich nur schwer be¬greifen. Bei dem Wort LIEBE denkt aber auch jede und jeder an etwas anderes: die Liebe zwischen Mann und Frau, an Liebesschwüre und Liebeskummer, Liebesgeflüster und Liebesgrüße, die einen beginnen zu schwärmen, die an¬deren können es nicht mehr hören. Ist von dieser Liebe die Rede? Zur Überraschung mancher redet die Bibel auch davon und macht keinen großen Bogen um dieses Thema und es ist ihr gar nichts pein¬lich daran. Aber sie sieht das große und schöne Geschenk der Liebe zwischen Mann und Frau in dem noch grö¬ßeren Zusammenhang von Liebe überhaupt, von der Liebe, die von Gott kommt, die alles durch¬dringt und die wir auch an andere weitergeben sollen. "Hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben". Liebe ist das Salz des Lebens, ohne Liebe gehen Menschen ein wie eine Blume ohne Sonne. Ein Leben ohne Liebe macht krank. Und wenn ich hier von der Liebe, auch der Liebe Gottes rede, dann weiß ich sehr wohl darum, dass oftmals die Liebe nicht spürbar ist, auch nicht unter den Christen, auch nicht in der Kirche.

Vielleicht sollten wir uns noch deutlicher machen, wovon wir eigentlich re¬den, wenn wir von Gottes Liebe sprechen.

Ein Gedicht:

"EINER SAGTE JA
ich wurde nicht gefragt
bei meiner geburt
und die mich gebar
wurde auch nicht gefragt
bei ihrer geburt
niemand wurde gefragt
außer dem Einen
und der sagte
ja

Dies ist ein Gedicht von der Liebe Gottes. Wo wir Menschen einfach geboren worden sind, ohne dass wir selbst dies wollten oder nicht wollten, hinein in eine Familie, die wir uns weder ausgesucht noch verbeten haben, in eine Welt, für die wir nicht allein verantwortlich sind, sondern die wir übernehmen müssen von unsren Vorfahren, da hat allein einer ganz bewußt und entschieden zu uns JA gesagt: Gott. Er ist der einzige, der uns ja wirklich kennt, von Anfang an und vor allem Anfang.

"LIEBE IST..." das war einmal der Anfang eines Zitats, dem dann unendlich viele Fortsetzungen folgten. "Liebe Gottes ist: er sagt JA zu uns." So können wir es sagen. Die Liebe Gottes ist eben die Kraft, die unsrem Le¬ben Salz und Würze, aber auch Freude und Hoff¬nung gibt.

Diese Geschichte soll zeigen, wie es mit dieser unsichtbaren Kraft funktioniert, die wir für ein liebenswertes Leben brauchen:
Ein Mensch hatte sich einen Fernseher gekauft. Der Techniker kam, stellte den Apparat auf und erklärt alles: die verschiedenen Knöpfe, die verschiedenen Kanäle, die Programme, den besten Ab¬stand des Betrachters zum Gerät. Es gab nicht, was nicht erklärt worden wäre. Am Abend lud dieser Mensch die ganz Nachbarschaft ein: alle sollten bei der Einweihung dabei sein. Er räumt das Wohnzimmer auf und stellte die Stühle or¬dentlich hin. Der große Augenblick war gekom¬men! Er bat um Ruhe, drückte den Knopf und setzt sich auf seinen Stuhl! Alle blickten voll Erwartung ..., die Zeit verging. "Nein, das gibt es doch gar nicht!" schimpfte der Mann. Alle warteten stundenlang. Schließlich gingen sie mißmutig nachhause. Was aber hatte nicht funk¬tioniert? An alles hatte der Mensch gedacht, nur nicht das Gerät an den Strom anzuschließen.

Soll etwas von Gottes JA zu uns in unserem Le¬ben spürbar werden, so müssen wir an Gottes JA, an seine Liebe angeschlossen sein, wie ein Gerät an den elektrischen Strom. "Hat uns Gott so ge¬liebt, so sollen wir uns auch untereinander lie¬ben." Wir feiern den Sonntag der Diakonie. Gottes Liebe weitergeben, heißt, den Menschen dienen, die auf unsere Hilfe warten. Gott sagt Ja zu uns und diese Kraft der Liebe macht uns stark und fähig, auch zueinander zu sich selbst ja zu sagen. Und wer Ja sagen kann zu sich, will auch Ja sagen zu anderen, hat den Mut, den Mund aufzumachen, wenn andere Nein sagen zu einem Menschen, den niemand leiden kann, etwa in der Klasse oder der Nachbarschaft. Wer Nein sagt zu andern, zu sich oder zu Gott, ist oft ein armer Mensch und sucht die Erfüllung seines Lebens woanders. Fanatiker sind solche armen Men¬schen, die Nein sagen zu anderen, die Gewalt säen und sich schuldig machen. Wir haben es gerade in unglaublicher Grausamkeit erleben müssen. Aber auch die, die undifferenziert alle möglichen Fremden verunglimpfen, sind sol¬che armen Menschen. Sie sind wie ein Gerät, das statt farbigen Bildern dumpfes Schwarz zeigt, weil es nicht angeschlossen ist an den Strom¬kreis. Deshalb brauchen wir Menschen immer wieder den Gottesdienst, immer wieder die Zu¬sage: "Gott sagt ja zu dir, zu mir, zu jedem von uns." JA zueinander, JA zu sich sagen, ist soviel gesünder und macht das Leben hell und schön. Schließt euer Leben an den Stromkreis der Liebe Gottes an - das ist unsere gemeinsame Aufgabe in der Kirchengemeinde. Und Aufgabe von uns allen ist es, durch unser mutiges Ja gerade zu den Schwächsten und Langsamsten, den Fremden und den Neuen, auch Gottes großes Ja, seine Liebe zu allen Menschen, auch unter uns Wirk¬lichkeit werden zu lassen.

Amen.
 

Karikatur zum Thema "Diakonie" (Copyright: Thomas Plaßmann)

Karikatur zum Thema "Diakonie" (Copyright: Thomas Plaßmann)