Lieder: 552, 1-4 288 W 70, 1,2,4 66, 1,2,4 268 600 69, 1,4
III.Reihe: Johannes 1, 15 - 18
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
der Predigttext steht im Johannes-Evangelium im 1.Kapitel. Es ist der
Abschluss des Weihnachtshymnus des Evangelisten Johannes. Um den
Gesamtzusammenhang zu verstehen lese ich diesen wunderschönen Text, den man
nicht oft genug hören kann, noch einmal in einer modernen Übertragung vor:
Der Weihnachtshymnus
(Übertragung Jörg Zink )
Im Uranfang vor aller Zeit, war er, das Wort.
Und er war bei Gott. Und Gott war bei ihm.
Alles wurde durch ihn.
Ohne ihn wurde nichts.
In ihm war Leben.
Im ihm war Licht.
Und das Licht strahlte auf. Gegen die Finsternis.
Und die Finsternis mußte weichen.
Er, das Wort, das wahre Licht, er kam in die Welt.
Er kam in sein eigenes Land.
Aber die Menschen erkannten ihn nicht.
Sie nahmen ihn nicht auf.
Manche aber sahen ihn.
Und sie wurden Kinder Gottes, voller Leben.
Er das Wort, das wahre Licht,
er wurde ein Mensch von Fleisch und Blut.
Und er wohnte unter uns Menschen.
und wir sahen seine Macht und Hoheit,
die vom Vater kam.
Und er beschenkte uns aus seinem Reichtum.
Er überschüttete uns mit Gnade.
Und niemand sieht Gott. Nur er, der einzige Sohn,
der dem Vater ganz nahe ist, er zeigt uns Gott.
Johannes der Täufer legt Zeugnis ab von ihm: „Diesen meinte ich, als ich sagte: <Nach mir kommt einer, der vor mir entstanden ist, weil er früher da war als ich.> Denn nur so konnten wir alle, ob vor ihm oder nach ihm, aus dem schöpfen, was ihm die Fülle gegeben ist, Gnade und nochmals Gnade. Durch Mose gab Gott das Gesetz, durch Jesus Christus wurde uns Gnade und Gottes Wesen selbst zuteil.
Keiner hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn, der von Gottes Art ist und seinen Platz neben dem Vater hat, brachte von ihm Kunde.
Gott segne du unser Reden und unser Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
„Epiphanias“ - Zeit. Zeit der „Erscheinung“ des Lichtes Gottes in der Welt.
Zeit, darüber nachzudenken, worin denn dieses Licht besteht und wie man es
entdecken und behalten kann.
Noch einmal Zeit, dem Wunder von Weihnachten nachzuspüren; noch ist er nicht
weggeräumt, der Weihnachtsbaum, aber ein bißchen an Glanz hat er verloren.
Längst hat uns der Alltag eingeholt, sind die Feiertage vorüber. Eine gute
Zeit zu fragen: Na und? Was bleibt jetzt von der festlichen Stimmung? Von der
Sehnsucht nach „Frieden auf Erden“? Vom Licht überm Stall von Bethlehem?
Unser Evangelist Johannes kennt keine Geburtgeschichte Jesu. Keine Krippe,
keine Engel bei den Hirten bei den Hürden und keine Weisen aus dem Morgenland.
Aber sein Weihnachtshymnus ist nicht weniger prächtig:
Im Uranfang vor aller Zeit, war er, das Wort.
Und er war bei Gott. Und Gott war bei ihm.
Alles wurde durch ihn.
Ohne ihn wurde nichts.
In ihm war Leben.
Im ihm war Licht.
Und das Licht strahlte auf. Gegen die Finsternis.
Und die Finsternis mußte weichen.
Er das Wort, das wahre Licht,
er wurde ein Mensch von Fleisch und Blut.
Und er wohnte unter uns Menschen.
und wir sahen seine Macht und Hoheit,
die vom Vater kam.
Aber Johannes, der Evangelist, wußte auch - und das gilt es heute zu predigen:
Und niemand sieht Gott. Nur er, der einzige Sohn,
der dem Vater ganz nahe ist, er zeigt uns Gott.
Was mich so beeindruckt an Johannes, ist seine grundsätzliche Haltung Gott
gegenüber. Ganz konsequent bleibt er dabei, dass nicht wir Menschen Gott
erkennen können, sondern dass nur er sich uns zeigen, sichtbar machen kann.
Dass alles nur Offenbarung ist, zu wir gar nichts beitragen können. Alles ist
Geschenk: dass Gott sich zeigt, dass wir Glauben finden und Hoffnung haben
können. Alles wirkt Gott. Wir sind Empfangende.
Und Johannes denkt das Unglaubliche zusammen: Gott, der Ganz-Andere, der
Mächtige und Herrliche, der ganz und gar Unverfügbare, er liefert sich uns
Menschen aus. Macht sich freiwillig schwach und angreifbar; wird einer von
uns, wird Teil der Geschichte der Menschheit.
Zeugen gibt Johannes an. Da ist zunächst sein Namensvetter: Johannes der
Täufer. Als geschichtliche Figur wird er angeführt. Als eine Art „Kronzeuge“.
Ein Asket, ein Heiliger Mann, einer, vor dem die Menschen Respekt hatten,
sogar seine Todfeinde. Und dieser starke, unbeugsame und glaubensstarke Mann
geht in die Knie vor Jesus: „Ich bin nur ein Vorläufer. Jesus ist das wahre
Licht, dass von Anfang an bei der Erschaffung der Welt schon da war und nur
die Herrlichkeit Gottes in der Welt zum Leuchten bringen soll.“
Aber wo ist dieses Licht? Johannes, der Evangelist, sagt klar und deutlich:
Nicht dort, wo Menschen versuchen, untadelig zu leben. Es lässt sich nicht
verdienen, nicht erarbeiten - auch nicht auf dem Weg der moralischen
Vervollkommnung. Das Gesetz des Mose ist gut und richtig und wichtig - aber
Gott will nicht gesetztreue Untertanen, er will liebende und lebendige und
phantasievolle Nachfolgerinnen und Nachfolger.
Wenn der Gesetzesweg der Heilsweg wäre, brauchte es die göttliche Erscheinung
in Jesus nicht. Aber der Glaube kommt nicht aus dem Halten von Geboten,
sondern allein durch den Funken des Lichtes Gottes wie er in Jesus erkennbar
ist. Glaube ist immer Geschenk.
„Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.“
Rabindranath Tagore, Nobelpreisträger 1913. Woher hat denn der Vogel die
Botschaft von dem Licht, das kommen wird, obwohl es noch dunkel ist? Es ist
eben nicht Wissen aus eigener Kraft, es kommt von außen, es ist Geschenk.
Glaube - so wie ihn der Evangelist Johannes auffasst, ist nicht ein
Überzeugt-Sein, dass es „im Himmel irgendetwas gibt“. Die Wurzel des Glaubens
ist bei Johannes eben nicht die Angst, dass mit dem Todes alles aus wäre,
Glaube wächst nicht aus Zwängen und Schrecken, kann nicht geweckt werden, wenn
er in einen Menschen hineingeprügelt wird, Glaube ist nicht Konsequenz
humanistischer Grundsätze, ist eben nicht der Versuch, die eigene Seele zu
retten oder sich einer herrschenden Meinung anzupassen oder im Gegenteil, um
jeden Preis originell sein zu wollen.
Der einzige Grund, die einzige Wurzel des Glaubens ist:
WEIL ES GOTT GIBT !
Johannes denkt konsequent von Gott her. Niemand kann Gott aus eigener Kraft
sehen - aber Gott zeigt sich den Menschen. Sein Licht scheint auf. Wer meint,
den Glauben aus eigener Kraft schaffen zu wollen, schaut in die verkehrt
Richtung. Glaube ist Geschenk. Ist „Gnade, immer wieder Gnade!“
Und wir können den Glauben finden, wenn wir auf die blicken, die dieses Licht
Gottes gesehen haben und davon erzählen. Wir haben es ja in der Evangelischen
Kirche nicht so mit den Heiligen, auch nicht mit den Heiligen Drei Königen.
Aber für Martin Luther waren die Heiligen wichtige Zeugen für den Glauben.
Menschen, die einem in der Finsternis zeigen, wo Gottes Licht scheint. Heilige
sind Menschen, die nichts aus eigener Kraft vermochten, aber alles durch das,
was ihnen das Licht Gottes geschenkt hat. Menschen, sterbliche Menschen, mit
Fehlern und gar nicht anbetungswürdig, aber Fingerzeige für das Licht: „Schaut
dorthin - dort ist Gott zu finden.“ „Rabbi Meir, ich gebe Dir einen Gulden,
wenn Du mir sagst, wo Gott wohnt. - Und ich gebe Dir zwei Gulden, wenn du mir
sagen kannst, wo er nicht wohnt.“
Gott ist der Unverfügbare, auch frei und souverän sich den Menschen zu zeigen.
Und doch hat er sich an Jesus gebunden, um erkennbar zu machen, wo wir ihn
finden können. Es ging die Sage von einem Rabbi, dass er jeden Morgen vor dem
Frühgebet zum Himmel aufsteige. Ein Gegner lachte darüber und legte sich vor
dem Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er: Der Rabbi ging, als Holzknecht
verkleidet, zum Wald. Er sah ihn Holz fällen und in Stücke hacken. Das schwere
Holz schleppte er auf dem Rücken zu einer armen, kranken, alten Frau und
kniete sich auf den Boden, um den Ofen anzuzünden. Darauf angesprochen, was es
denn mit dieser täglichen Himmelfahrt des Rabbi auf sich haben, antwortete
später der heimliche Beobachter: „Der Rabbi steigt noch höher als bis zum
Himmel.“
In Jesus sehen wir das Licht Gottes. Es scheint an so ganz anderen Orten als
an denen, die wir durch unsere Mühen und Leistungen zu erreichen suchen. In
Johannes dem Täufer, dem zornigen Weltverbesser sehen wir es in dem Moment,
als er vor dem jungen und sanften Jesus in die Knie geht und sich taufen
lässt. In der Begegnung mit der Samaritanerin am Brunnen erkennen wir das
göttliche Licht, als Jesus diese einfache Frau ansprach und um Wasser bat und
am Ende ihren Durst nach der Fülle des Lebens löschte. In dem Freispruch der
Ehebrecherin wird Gott offenbar: als die Gnade erweist sich als höher und
wichtiger und lebensrettender als die Verurteilung durch Menschen, die selbst
der Gnade bedürfen.
In Petrus, der wie Jesus auf dem See gehen will, aber der aus Kleinglauben
einsinkt und den Jesus SOGLEICH an die Hand nimmt und rettet - darin erkennen
wir das Geschenk des Glaubens. Den Mut, loszugehen und die Hand der Bewahrung,
die sofort da ist, wenn wir sie brauchen.
Es gäbe noch viele Beispiele, spektakuläre und ganz einfache, die uns das
Licht Gottes mitten in unserer Finsternis zeigen können. Jede und jeder könnte
eigene Geschichten erzählen. Wir sollten dies öfter tun. Weniger von uns
berichten und mehr von dem, der der Grund und die Wurzel von allem ist: Gott.
Gott, der alles in allem ist, der gerade in der Stille, in dem oft
Übersehenen, im Ganz-Anderen aufleuchtet. Gott schenke uns Augen, sein Licht
zu sehen, Ohren, den Gesang des Vogels in der Nacht zu hören, Hände, die
zupacken und Füße, die losgehen. Und immer die Gewißheit: Alles ist Geschenk,
alles ist Gnade - ich kann mich auf dieses Licht verlassen, nicht, weil ich so
perfekt bin, sondern, weil dieses Licht göttlich ist, der Vater Jesu Christi,
von dem so viele wunderschöne Geschichten erzählen können.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure
Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Gott, der du uns väterlich und mütterlich begegnest, du lädtst uns ein zur
Umkehr in neue Lebendigkeit. Hilf uns, den Sprung zu wagen aus dem, was uns
anhängt, in deine offenen Arme.
Du bist auch, Gott, in den Dunkelkammern meines Lebens. Wenn ich mich dir
anvertraue, führst du mich wieder ans Licht. Wir singen:
„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in
Weite: Herr, erbarme dich.“
Wie von unwiderstehlichen Mächten getrieben, lassen wir Menschen uns wieder
und wieder hinreißen, dir die Herrschaft über alle Bereiche meines Lebens
streitig zu machen. So öffnen wir anderen Mächten die Tür. Die negativen
Kräfte gewinnen Raum, wirken zerstörerisch, machen mutlos und schwach.
Wir singen:
„Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich. Wandle
sie in Stärke: Herr, erbarme dich.“
Vor dich bringen wir die Umkehr der Kirchen. Hilf aus dem Wort der Vergebung
zu leben und ein Zeichen der Versöhnung zu setzen in den Konflikten unseres
Landes und der Völker. Führe die Kirchen aus der Schuld ihrer Trennung zur
Gemeinschaft am Tisch Jesu. Gib allen, die glauben wollen dein Licht. Das
Licht der Erkenntnis, das Licht der Ermutigung, das Licht der Hoffnung Gott,
erwecke deine Kirche und fange bei mir an. Wir singen:
Wir singen:
„Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie
in Wärme: Herr, erbarme dich.“
Manchmal erschrecke ich, Gott, vor mir. Aber ich danke dir, dass du mich in
meiner Dunkelheit nicht allein lässt. Du wirst mich verwandeln und mehr und
mehr zu dem Menschen machen, der ich nach deinem Herzen sein soll. Das ist
meine Hoffnung.
Wir singen:
„Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in
Heimat: Herr, erbarme dich.“
Barmherzig und gnädig bist du, Gott.
Täglich neu vergibst du uns unsre Schuld
und hilfst uns, denen zu vergeben,
die schuldig an uns geworden sind.
Deine Liebe erweicht unsre verhärteten Herzen
und macht es möglich, dass wir aufeinander zugehen können
und Versöhnung suchen.
Zu dir beten wir, wie dein Sohn Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat ...