Text: II.Reihe: Johannes 8, 12-6
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.
„Am Anfang war das Wort“, „das war das wahre Licht, das alles Menschsein
erleuchtet“ - das gilt es heute zu predigen, liebe Schwestern und Brüder,
heute, am 2.Weihnachtstag, wo doch Weihnachten schon wieder fast vorüber ist.
Ein solcher grundlegender Text, den wie uns vielleicht am besten in einer
zeitgenössischen Übertragung noch einmal anhören wollen:
Der Weihnachtshymnus
(Übertragung Jörg Zink )
Im Uranfang vor aller Zeit, war er, das Wort.
Und er war bei Gott. Und Gott war bei ihm.
Alles wurde durch ihn.
Ohne ihn wurde nichts.
In ihm war Leben.
Im ihm war Licht.
Und das Licht strahlte auf. Gegen die Finsternis.
Und die Finsternis mußte weichen.
Er, das Wort, das wahre Licht, er kam in die Welt.
Er kam in sein eigenes Land.
Aber die Menschen erkannten ihn nicht.
Sie nahmen ihn nicht auf.
Manche aber sahen ihn.
Und sie wurden Kinder Gottes, voller Leben.
Er das Wort, das wahre Licht,
er wurde ein Mensch von Fleisch und Blut.
Und er wohnte unter uns Menschen.
und wir sahen seine Macht und Hoheit,
die vom Vater kam.
Und er beschenkte uns aus seinem Reichtum.
Er überschüttete uns mit Gnade.
Und niemand sieht Gott. Nur er, der einzige Sohn,
der dem Vater ganz nahe ist, er zeigt uns Gott.
Ja, über jeden Vers dieses Hymnus könnte man eine Predigt halten. Oder noch
besser: eine Gespräch darüber böte sich an. Denn darüber, da bin ich ganz
sicher, könnten Sie alle etwas sagen - oder hätten ihre Fragen: Was ist das
„das Wort“ griechisch o logos, das schon am Anfang bei Gott war? In welchem
Verhältnis stehen Wort / Jesus, der Sohn und Gott der Vater? Gott ist das
Leben, das Licht. Das Licht, das gegen die Finsternis anleuchtet, dem die
Finsternis weichen muss.
Die Erfahrung, die auch heute noch an schlimme Zeiten denken lässt: Die
Menschen erkannten dieses Licht nicht. Nahmen es nicht auf. Verfolgten
diejenigen, die an das Licht glaubten. Der 2.Weihnachtstag ist auch der Tag
des Erzmärtyrers Stephanus, das Erinnern daran, dass Glaube und Anfechtung,
Licht und Dunkel zusammengehören.
Aber auch von den anderen Erfahrungen könnten Sie erzählen, liebe Schwestern
und Brüder, wie es ist, wenn dieses Wort Gottes auf fruchtbaren Boden trifft,
wenn es in Menschen durch Gottes Wort hell wird. Vielleicht ist es auch die
Sehnsucht danach, selbst dieses Licht Gottes zu spüren, zumindest einen
Abglanz davon, die Herrlichkeit, die Schönheit, die Macht Gottes zu sehen, zu
erleben, dass Sie ganz durchdrungen werden von dieser Kraft der Hoffnung, des
Bewußtseins, ganz und gar geliebtes Kind Gottes zu sein und der Erkenntnis,
wer Gott ist, wo er wohnt, wie er aussieht, was er von uns Menschen will.
„Er, das Wort, das wahre Licht, er kam in die Welt.“
Der erwachsene Jesus wird später an ganz zentraler Stelle des
Johannes-Evangeliums an diesen Text anknüpfen, wenn er das Bild vom
menschgewordenen Licht aufgreift und den gesetzes-kundigen Pharisäern
energisch widerspricht, wenn er sagt: „Ich bin das Licht der Welt!“. Hören wir
auf den Predigttext aus Johannes 8, Verse 12 - 16:
„Jesus sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wißt nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. Wenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“
Soweit unser Predigttext. Gott, segne dein Wort an uns allen. Amen.
Ein
bekanntes Bild von Walter Habdank. Zwei Menschen sind zu erkennen. Das ist
eher ungewöhnlich, denn bei einer Gestaltung des Wortes: Ich bin das Licht der
Welt! hätte man ja durchaus erwarten können, dass nur einer dargestellt wird,
eben der, der dies Licht ist. Es sind aber zwei - ein Mann, der uns anblickt,
mit offenem Blick, ein wenig nachdenklich und fragend, nach vorn gerichtet.
Sie - die Frau neben ihm - schmiegt sich an ihn und blickt ihn an - unsicher -
vertrauend - liebevoll. Um sie herum ist die Farbe GELB - die Farbe der Sonne,
die Farbe des Lichtes. Und auf ihren Gesichtern erscheint diese Farbe wieder,
es leuchtet von ihnen zurück. Geborgenheit und Frieden geht von den Gesichtern
aus: Sich -Anlehnen-Können und Vertauen-Haben.
Wer sind diese beiden? Vielleicht Maria und Josef? Einfach ein Mann und eine
Frau? Oder ein Mann und ein Kind? Oder vielleicht ist der Mann der blinde
Bartimäus, der von Jesus geheilt wurde? All das muss nicht sein. Der Mann
macht eine Geste, als wolle er etwas erzählen. Etwa eine Geschichte wie diese:
Ein Rabbi fragte einen gläubigen Juden:
„Wann weicht die Nacht dem Tag? Woran erkennt man das?“ Der versuchte eine
Antwort: „Vielleicht, wenn man den ersten Lichtschimmer am Himmel sieht? Oder
wenn man einen Busch schon von einem Menschen unterscheiden kann?“ „Nein“ sagt
der Rabbi, „die Nacht weicht dem Tag, wenn der eine im Gesicht des anderen den
Bruder und die Schwester sieht. Solange das nicht der Fall ist, ist die Nacht
noch in uns.“
Christus ist das Licht der Welt, weil er uns den Blick ermöglicht, im anderen
die Schwester, den Bruder zu sehen. Wie tröstlich ist dies für alle, die sich
nur ablehnenden, abweisenden Menschen umgeben fühlen und die deshalb so mutlos
sind. Ihnen gilt die frohe Botschaft: „Mache die Augen auf! In Jesu Licht
wirst du erkennen, dass auch für dich jemand da ist, der wirklich dich meint,
dem du ganz wichtig bist.“
Hilfreich für die Menschen, die meinen, nur vom Bösen bedroht zu sein. Die
sich ganz klein und hilflos fühlen in ihrer Angst. Für sie gilt: „Mach die
Augen auf! In Jesu Licht wirst du erkennen, dass es Menschen gibt, die es gut
mit dir meinen, die starke und rettende Hände haben, die dich halten und die
dich führen.“
Jesus ist das Licht - er zeigt sich dir im anderen Menschen. Sein Licht
spiegeln die Gesichter der Menschen wider, die guten Willens sind, die
versuchen, anderen die Schwester, den Bruder zu sehen. Menschen, die nicht
wegschauen, sondern die einen offenen Blick haben. Jesus sagt: „Ich bin das
Licht der Welt.“ Er sagt nicht: Ich bin das Lichtlein für die Erbauung im
stillen Kämmerlein, für den einzelnen im frommen Winkelchen. Zu seinen Jüngern
spricht er, einer Gemeinschaft also, die bekanntlich nicht immer lieb und nett
zueinander war, sondern sich öfter stritt. Kein Bereich der Welt ist für Jesus
verschlossen. „Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Bei Jesus gilt dies nicht. Im
Gegenteil! Das Licht Gottes fällt gerade da hin, wo Menschen ins Dunkel
gedrängt werden, an den Rand der Gesellschaft, die, die draußen vor der Tür
bleiben müssen, wenn andere feiern. Weil Jesus dies so deutlich sagte: „Ich
bin das Licht der Welt - und zwar gerade für die, die Ihr lieber im Dunkeln
lasst“ - deshalb wurde er verfolgt von denen, die Veränderungen nicht wollten
und die am Ende ans Kreuz schlugen. Bis heute hat sich nicht viel geändert.
Wer bei der Melodie „Und man siehet die im Lichte, doch die im Dunkeln sieht
man nicht.“ nicht laut genug mitsingt, wer sich dafür einsetzt, dass die „im
Dunkeln“ dieselben Rechte haben wie die im Licht, der spürt ebenso die Zähne
des Haifisches wie damals. Die, die sich selbst in rechte Licht gerückt haben,
werden immer daran fest halten, dass dieses Licht für möglichst wenig
Auserwählte scheinen möge.
Doch das Licht Jesu will für alle Menschen in der Welt scheinen. Und es ist
gut, dass dieses Wort mit einer großen Verheißung verbunden ist: „Wer mir
nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des
Lebens haben.“ Dass heißt doch, es lohnt sich, dem Licht zu trauen. Es lohnt
sich, im anderen Menschen seine Schwester und seinen Bruder zu erkennen. Und
nicht seinen möglichen Feind, Gegner oder Konkurrenten. Und dies eben nicht
nur zur Weihnachtszeit, sondern als grundsätzliche Haltung im ganzen Jahr.
Wenn wir dieses Licht hineinlassen in unser Herz, dann bringt es Gesichter zum
Strahlen. Dann wird unser Leben wärmer und klarer, wir erfahren Geborgenheit
und können wieder in eine Richtung schauen.
Weihnachten, das ist nicht ein Licht, das man einmal im Jahr anknipsen kann
und dann geht es nach einem kurzen Moment wieder aus. Das kann ja kein Herz
hell machen, das kann kein Gesicht zum Strahlen bringen. Von Weihnachten kann
ein Licht ausgehen, das an jedem Tag neu entdeckt werden muss. Das Licht Jesus
Christi kann uns jeden Tag erleuchten, nur müssen wir dann seine Botschaft
möglichst täglich neu hören. Es gibt viele Möglichkeiten dafür: Die tägliche
Bibellesung, die Herrnhuter Losungen, im Internet und am traditionellen
Kalender. Wie auch immer - wir können oft genug mit Jesu lichtvoller Botschaft
in Berührung kommen. Wir können sie jeden Sonntag hören in der Gemeinde, wo
immer Christen zusammen kommen. So kann das Licht Jesu Christi unseren Weg
hell machen, Menschen zusammenführen und Hoffnung schenken - und nicht zuletzt
Gesichter zum Strahlen bringen.
Das wünsche ich uns allen von Herzen -
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure
Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn.
Amen.
Allmächtiger Gott, Schöpfer der Welt.
Unfaßbar bist du in deiner Größe
und begegnest uns in der Gestalt eines Kindes.
Erhaben bist du über alles
und machst dich angreifbar und verletzlich.
Du, unser Helfer,
suchst unseren Beistand.
Wir können das nicht zusammendenken,
was bei dir, Gott, zusammengehört.
Oft wähnen wir dich nur in unendlicher Ferne,
selbstgenügsam und unberührt von unserem Leben,
dann aber mißbrauchen wir auch deine Nähe,
spannen dich ein für unsere Ziele
und machen mit dir einfach, was wir wollen,
ohne Ehrfurcht, ohne Respekt.
Hol uns zurück, Gott, von unseren Irrwegen.
Laß uns dein wahres Wesen erkennen
und dich lieben und ehren, so wie du bist:
als menschlicher Gott,
offenbar und geheimnisvoll,
mächtig und zart.
In Jesus Christus, deinem Sohn, der mit dir im Heiligen Geist lebst und
regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Wenn es wahr ist, Gott, dass im Stall von Bethlehem dein Wort Mensch
geworden ist, dann kann nicht alles so bleiben wie es ist.
Wenn in der Heiligen Nacht der Himmel auf die erde gekommen ist, kann die Welt
nicht länger so tun, als könne sie weiter ihren Gang gehen.
Weil du, Gott, zu uns Menschen gekommen bist,
kommen auch wir zusammen.
Weil du, Gott, Kind geworden bist,
lass uns auch unsere Kinder so annehmen wie sie sind.
Weil du, Gott, Bruder geworden bist,
darum lass auch uns zu Geschwistern werden.
Weil du, Gott, Himmel und Erde versöhnt hast,
versöhne auch uns miteinander.
Wenn es wahr ist, dass der Stern von Bethlehem nicht nur schöne Legende ist,
sondern auch unser Leben hell machen will, dann mache du, Gott, Kind in der
Krippe zu dem, was wir sein können: Kinder Gottes, deren Leben erleuchtet und
frei ist.
Wenn es wahr ist, dass der Stern von Bethlehem nicht nur schöne Legende ist,
dann kann es nicht angehen, das die Mächtigen befehlen und die kleinen Leute
darunter leiden müssen
Dann kann es nicht sein, dass Kinder und Frauen geschlagen und unterdrückt
werden - und keinem geht ein Licht auf.
Dann kann es nicht sein, wenn unverhohlen Kriege geführt werden, die nur das
Leid Unschuldiger zur Folge haben - und keinem geht ein Licht auf.
Dein Licht, ewiges Wort, scheint in der Finsternis. Dich wollen wir aufnehmen.
Und du überschüttest uns mit Gnade.
Gott, unser Vater,
das ist die gute Nachricht von Weihnachten,
dass du nicht der ferne, stumme Gott geblieben bist.
In Jesus Christus bist du uns nahe gekommen
als ein Mensch, der uns versteht,
als ein mitleidender, mitfühlender, helfender Bruder.
Und weil du dich nicht gescheut hast, Mensch zu werden,
in unsere Welt und in unsere Sprache zu kommen,
darum scheuen auch wir uns nicht, mit dir menschlich zu reden,
alles vor dich zu bringen, was uns am Herzen liegt.
Wir bringen vor dich die vielen Menschen,
die zu deiner Weihnachtsfreude keinen Zugang haben.
Leuchte hinein in die Abgründe ihrer Zweifel,
in die Tiefen ihrer Not.
Wir nennen dir auch alle,
die nicht glauben wollen,
die ihren Lebensinhalt allein im Verdienen und Genießen sehen
und sich darin für modern und fortschrittlich halten.
Wir bitten dich für alle, die kalt und berechnend sind,
die ihre Mitmenschen wie Sachen oder Mittel zum Zweck gebrauchen,
und in deren Leben du nicht vorkommst.
Und nicht zuletzt bitten wir dich, Gott, für uns selbst,
weil in all dem sich auch verborgene Seiten von uns zeigen.
Im Namen deines Sohnes Jesus Christus beten wir gemeinsam: