Auf der Straße der Hoffnung

Predigt zum 3. Sonntag im Advent, 14. Dezember 2003

Pfarrerin Kerstin Heibrock, Kurseelsorgerin in Bad Lippspringe

Liebe Gemeinde,

,,Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig“

- so lautet der Wochenspruch für dieses Adventswoche.

Ich sehe dabei das Bild einer breiten Straße vor mir, die sich machtvoll Raum bricht durch Berge und über Täler, eine Straße, die sich klar und deutlich abhebt von der Landschaft um sie herum einfach zu gehen und einfach, auf ihr zu bleiben. Und wir sollen dem Herrn diese Straße bereiten, sollen uns bereit machen für das gewaltige Kommen des Herren. Eine große Aufgabe für uns, so scheint mir: vielleicht zu groß. Wenn ich nämlich an meinen eigenen Weg durch mein Leben und meinen Glauben denke und ihn mit der breiten Straße vergleiche, auf der Gott kommen will, dann sieht mein Weg anders aus mal eng durch Enttäuschungen, , mal voller Hindernisse des Zweifels, auch mit Irrwegen, oder kaum zu erkennen vor lauter Alltagsstress. Und aus vielen Gesprächen mit anderen Christen und Christinnen weiß ich, dass ich nicht mit meinem kleinen Weg, meiner schmalen Straße alleine bin. Vielen Menschen geht es so ich denke, auch hier bei Ihnen, liebe Gemeinde. Gerade in der Adventszeit mit ihren Vorbereitungen, ihrer Betriebsamkeit wird es oft besonders. schwer, dem Herrn den Weg zu bereiten, Gott zu spüren und seinen Willen zu tun in meinem Leben, auf meinem Weg.

Da bin ich eigentlich froh über den Abschnitt aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, der der Predigttext für den heutigen 3. Advent ist. Paulus zeigt uns ein kleines Stück von dem großen Weg. Und vor allen Dingen zeigt er, wie wir auch unseren schmalen Weg gehen können der oft so schwer zu finden ist. Das gilt auch und vielleicht gerade jetzt in der Adventszeit, wo wir uns darum bemühen im Licht der Kerzen und der Adventsbeleuchtung auch ein Licht für unseren Weg anzuzünden

Paulus schreibt:

Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. Mir aber ist's ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt , der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden. (1. Kor. 4,1-5)

Liebe Gemeinde, Diener Christi und Haushalter und Haushalterinnen über Gottes Geheimnisse sollen wir sein.
Ich denke, dass wir alle hier diese Worte mit ähnlichem Inhalt füllen: Wir denken an Jesus, an seine Worte und Taten. Wir kennen die Seligpreisungen, wissen um das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Und jeder und jede hier hat die Aufgabe bekommen, dies in seinem Leben, auf seinem Weg umzusetzen, an seinem Arbeitsplatz, in der Familie, in der Welt und in der Gemeinde. Das heißt: Gott den Weg bereiten.

Eine schwere Aufgabe wo liegt da die Erleichterung für unser Tun, für unseren Weg? Sie liegt in dem was Paulus weiter sagt, über uns, über Gott und über Gott und uns. Über uns sagt er: Richtet euch nicht selbst, nicht zum Guten und nicht zum Schlechten. Für mich heißt das: Verurteile dich nicht selbst ganz und gar, für die Fehler, die du gemacht hast und weiter machen wirst. Ich denke, es geht nicht darum, diese Fehler nicht mehr wahrzunehmen. Vieles, was wir tun und was wir falsch, unvollständig oder halbrichtig machen, hat ja mit anderen Menschen zu tun. Und wenn ich auf andere Menschen achte, so wie Gott es mir aufgibt, dann kann ich nicht übersehen, was ich mit diesen Menschen, an ihnen tue. Fehler sollen und können zu Veränderungen führen. Ich kann die Richtung wechseln auf meinem Weg, ich kann neue, bessere Wege suchen und einschlagen. Und deshalb soll achten auf das, was ich tue.
Ich muss aber auch und nicht zuletzt darauf achten, mich nicht zugleich mit meinen Fehlern zu richten, zu verurteilen, zu verdammen. Denn dann endet der Weg vor einer Mauer der Selbstanklage und der Verzweiflung. Manchmal treffe ich im Gespräch auf Menschen, die dort sind. Ein Mann sagt: Ich kann mir das nicht verzeihen, was ich getan habe. Mein Leben ist sinnlos geworden. Eine Frau sagt: Gott straft mich mit Krankheit für das Schlechte, das ich getan habe Welche Selbstverdammung steckt hinter solchen Worten! Richte dich nicht selbst, sagt Paulus. Das heißt für mich: Verurteile dich nicht. Als Geschöpfe Gottes sind wir auf unserem schmalen Weg und bereiten ihn doch für den Herrn: unvollkommen und doch geliebt. Sei barmherzig zu dir, wie es deine Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit dir zeigt. Sei barmherzig zu dir, wie Gott es war und ist und sein wird.

„Denn am Ende werden wir nicht ungerichtet bleiben. Aber auch nicht ohne Barmherzigkeit.“

Gott wird euch richten, wenn er kommt. Er kennt euch besser als ihr euch selber kennt. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil. Die Hoffnung des Paulus und unsere Hoffnung ist: Gott kommt als Richter zu uns, aber mit dem Gesicht seines Sohnes. Wenn Gott kommt mit dem Gesicht Christi: Auf ihn warten wir, auf ihn hoffen wir jetzt im Advent. Und wir versuchen, mit unseren Liedern und Gebeten, unserem Hören und Schweigen ein Stück dieses Kommens zu spüren und mitzunehmen auf unseren Weg.

Die vier Adventssonntage zeigen uns, welchen Richter wir kennen und so auch erwarten dürfen:

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“.

Keine blinde Gerechtigkeit also, sondern eine helfende Gerechtigkeit, die für uns das Beste will. Ein parteiischer Richter also Gott sei Dank!

„Steht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

Welch ein Mut machender Satz. Wir dürfen unser Haupt erheben, unseren Rücken gerade halten und auf unseren schmalen Wegen aufrecht Gott entgegen gehen.

Wir sind hier erlöst von der Last des „Du musst!“, von der Unbarmherzigkeit der Selbstanklage und von dem „Alles selber tun müssen.“ Der Richter ist der, der uns Mut macht, uns befreit und erlöst.

„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“

Wo dieser Richter kommt, da verwandelt sich die Welt, da tun sich Wege auf, die wir vorher nicht gesehen haben. Das gilt schon jetzt hier, immer wieder ein paar Meter weit, und einmal für die ganze Welt. Und wer die Welt so verwandeln kann, dem traue ich auch zu, dass er als Richter am Ende unser oft fehlerhaftes Tun und Lassen verwandeln kann in Gerechtigkeit und Frieden.

„Freuet euch in dem Herren, und abermals sage ich euch: Freuet euch, der Herr ist nahe.“

Auf welchen Richter sollte ich mich freuen, wenn nicht auf den, in dessen Gesetzbuch im Angesicht meiner Taten Barmherzigkeit über mich geschrieben steht?

Liebe Gemeinde, die breite Straße des Wochenspruchs, die wir für Gott bereiten sollen, und unsere kleinen, schmalen Lebens und Glaubenswege, sie gehören zusammen, auch und gerade im Advent. Wir sehen nach hinten, und können erkennen, wo sich beide berühren, ein Stück nebeneinander laufen, wo Gottes Liebe und Jesu Vorbild uns die Richtung gegeben haben.

Wir können es ertragen, wenn sich Weg und Straße trennen, wenn wir fehltreten und zweifeln, versagen und schuldig werden, denn wir wissen, dass nur Christus am Ende unser Richter sein wird, von dem wir Barmherzigkeit erhoffen.

Und wir können mit Hoffnung nach vorne sehen, um immer wieder zur Straße Gottes zurückzukehren, ihr zu folgen und Gott den Weg zu bereiten, wie Jesus es uns gelehrt hat. Wir können uns aufmachen und Licht werden, denn unser Licht kommt.

Amen

 


 

 

 

 

zurück zur Seite Predigten und Andachten
 

zurück zur Startseite der Ev. Kirchengemeinde Bad Lippspringe
 

11. Januar 2004