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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias (25.1.2004) in Bad Lippspringe

IV.Reihe: Apostelgeschichte 8,26-39

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

IV.Reihe: Apostelgeschichte 8,29

Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Stehe auf und gehe gegen Mittag auf die Straße, die von Jerusalem geht hinab gen Gaza, die da wüst ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Mohrenland, ein Kämmerer und Gewaltiger der Königin Kandake in Mohrenland, welcher war über ihre ganze Schatzkammer, der war gekommen gen Jerusalem, anzubeten,  und zog wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.  Der Geist aber sprach zu Philippus: Gehe hinzu und halte dich zu diesem Wagen!  Da lief Philippus hinzu und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und sprach: Verstehst du auch, was du liesest?  Er aber sprach: Wie kann ich, so mich nicht jemand anleitet? Und ermahnte Philippus, daß er aufträte und setzte sich zu ihm. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser: "Er ist wie ein Schaf zur Schlachtung geführt; und still wie ein Lamm vor seinem Scherer, also hat er nicht aufgetan seinen Mund.  In seiner Niedrigkeit ist sein Gericht aufgehoben. Wer wird aber seines Lebens Länge ausreden? denn sein Leben ist von der Erde weggenommen." Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet solches? von sich selber oder von jemand anders?  Philippus aber tat seinen Mund auf und fing von dieser Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesu.  Und als sie zogen der Straße nach, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer sprach: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, daß ich mich taufen lasse?  Philippus aber sprach: Glaubst du von ganzem Herzen, so mag's wohl sein. Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist. Und er hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Da sie aber heraufstiegen aus dem Wasser, rückte der Geist des Herrn Philippus hinweg, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich. Philippus aber ward gefunden zu Asdod und wandelte umher und predigte allen Städten das Evangelium, bis daß er kam gen Cäsarea.



Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Eine Taufgeschichte. Im Mittelpunkt freilich kein kleines Kind, wie wir dies gewohnt sind, sondern ein erwachsener Mensch. Ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Königin von Äthiopien, der Kandake. Heute sagte man: der Finanzminister, die rechte Hand der Königin, der Kandake, was kein Eigenname ist, sondern ein Titel, wie etwa „Pharao“ in Ägypten.

Dieser mächtige Mann stammt aus Äthiopien, dem Land, das nach früherer Vorstellung die Erde im Süden begrenzte. Und dass er Äthiopier war, heißt: er war schwarz.

Ausgerechnet also ein schwarzer Finanzminister vom Ende der Welt läßt sich taufen. Er ist auf der Rückreise von Jerusalem, wo er als Pilger gewesen war. Daraus kann man schließen, dass er sich für das Judentum interessierte, obwohl er als Nichtjude dem Heiligen Volk nicht angehören konnte. Er muß sich sehr für das Judentum interessiert haben, sonst hätte er kaum die 3000 Reisekilometer mit den unvorstellbaren Strapazen von Hitze und Straßenräubern auf sich genommen, die heilige Stadt Jerusalem zu besuchen.

Doch alle Quälerei wäre umsonst gewesen, hätte nicht Gottes Geist den Philippus zu ihm geschickt, einen der ersten Christen. Der mächtige schwarze Finanzminister sitzt auf seinem Wagen, dem Reisegefährt, was ihn als besonders reichen Mann ausweist und liest, was ihn als besonders gebildet auszeichnet, den nur solche konnten damals lesen. Und was er liest, ist bezeichnend: ein sogenanntes Gottesknechtslied des Propheten Jesaja. Gottes Geist ist es, der dem Philippus den Mut und die Weisheit gibt, die alles entscheidende Frage zu stellen: "Verstehst du auch, was du liest?" Denn das ist nicht die Frage eines Lehrers oder eines Besserwissers. Hier begegnet dem Kämmerer ein echter Zeuge Jesu Christi: "Verstehst du auch, was das mit dir zu tun hat? Dass hier von dir die Rede ist, dass du hier gemeint ist, dass dieser Gottesknecht kein anderer ist als Jesus Christus, der Herr des Himmels und der Erden, der dich befreit hat durch seinen Tod und Auferstehung?"

Philippus will kein kluges Gespräch mit einem Weitgereisten. Und das begreift der Kämmerer! So wirkt der Geist Gottes: Da sprechen zwei Menschen miteinander - über das, was sie wirklich angeht, was sie wirklich interessiert und bewegt: und der eine öffnet sich dem andren.

Philippus predigt das Evangelium von Jesus Christus. Ganz schlicht wird das ausgedrückt. Aber für den Kämmerer ist das so spannend! Denn es verändert sein ganzes Leben. Der Kämmerer weiß er ist gemeint, ausgerechnet er, der Ausländer, der Nicht-Jude, der Schwarze, der reiche und beneidete Finanzminister aus dem Land am Ende der Welt - er ist von Gott gesucht und gefunden worden. Für ihn ist unglaublich spannend, was Philippus ihm von Jesus Christus erzählt.

In der Kirche erzählen wir auch oft genug von Jesus Christus. Doch meist läßt das unsere Herzen kalt. Das ist wohl so: nur da, wo uns das, was erzählt wird, wirklich im Innersten trifft, da, wo wir so etwas wie eine Antwort auf die uns eigensten Fragen fühlen, da wird es unglaublich spannend. Da entwickelt sich ein lebendiges Gespräch, da kommt es zu einer intensiven Begegnung von Menschen - so wie zwischen dem Philippus und dem Kämmerer. Und auf einmal öffnet sich da ein neuer Weg. Das ist das Erlebnis das der Kirchenvater Augustin - übrigens auch ein Schwarzer - so beschreibt: "Mein Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir."

Ganz logisch ist die Frage des Kämmerer: "Siehe, da ist Wasser; was hindert's, daß ich mich taufen lasse?" Auf ihrer Wüstenwanderung kamen die zwei nur selten an Wasserstellen vorbei. Jetzt heißt es, die Gelegenheit nützen. Denn in der Tat: Was soll es noch für Hindernisse geben: Der Weg zu Gott ist frei, Christus hat die Versöhnung möglich gemacht. Der Kämmerer hat seinen Namen, er hat sich selbst gefunden. Er weiß sich in Gottes Hand; denn es gibt keine Ferne, in der nicht Gott nahe ist und Menschen schickt, die ihn auf den rechten Weg weisen.

Manchmal gibt es auch bei uns diesen rechten Zeitpunkt, den es nicht zu verpassen gilt. Den rechten Zeitpunkt, wieder die Hand der Versöhnung auszustrecken, den rechten Zeitpunkt, sein Leben umzugestalten, Schlechtes abzulegen. Laßt uns dann auch nicht feige oder bequem sein, sondern ebenso sagen: "Was hindert's"!

Durch die Taufe gibt es keine Hindernisse mehr. Ganz gleich, was auch wir immer an Hindernissen aufrichten! Die Taufe ist das sichtbare Zeichen dafür, dass Gott uns annimmt und liebt, ohne auf unser Versagen und vergebliches Streben zu schauen.

Taufe nimmt uns auf in die weltweite Christenheit. Es gibt keine Grenzen mehr. Ob alt oder jung, schwarz oder weiß, wir sind auf untrennbare Weise miteinander verbunden und füreinander da.
Am Ende zieht der Kämmerer fröhlich seiner Straßen ziehen: So wie es im Taufspruch heißt: „Ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.“ Der eigenen Straße fröhlich ziehen, heißt aber auch, den eigenen Weg zu finden und der eigenen Verantwortung nachkommen - miteinander und füreinander. Wir gehören zusammen, sind gemeinsam auf einem Weg, in Afrika, in Deutschland, in dem einen Leib, dessen Haupt Christus ist und wir seine lebendigen Glieder.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.
Amen.

Fürbittgebet

Gott, wir haben zusammen gesungen, gebetet, nachgedacht und deine frohe Botschaft gehört. Das hat uns einander näher gebracht und unseren Glauben gestärkt. Solche Stärkung brauchen wir.
Wir danken dir für deinen Zuspruch. Wir wollen ihn persönlich annehmen: du meinst mich mit deiner Liebe, du suchst mich mit deinem Heil.
Aber das gilt ebenso unseren Mitmenschen in der Nähe und in der Ferne. Lass mich sie mit den Augen ansehen, mit denen du sie ansiehst. Hilf uns zu einem Umgang miteinander, wie du mit den Menschen umgehst.
Wir singen gemeinsamen: ... und richte unsere Füße ...

Wir danken dir für die Menschen, die für den Dienst in der Leitung unserer Gemeinde kandidieren wollen. Sie wollen einen Teil ihrer Kraft und Lebenszeit hergeben, um dir noch mehr dienen und Verantwortung für das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ zu übernehmen. Als Gemeinde sind wir ein Leib mit vielen Gliedern. Lass sie und uns alle einen Platz finden, in dem wir tun können, was dem Frieden dient, dir die Ehre geben und segensreich wirken können.

Wir singen gemeinsamen: ... und richte unsere Füße ...

Du berufst auf viele Weisen an vielen Orten Menschen. Du sprichst in vielen Sprachen und bist doch immer derselbe Gott. Wir bitten dich für Nina, die heute getauft wurde. Lass sie immer fröhlich bleiben in dir Gott. Schenke ihr Lebensfreude auch in Tagen, die nicht voller Sonnenschein sind.
Wir legen dir all die Menschen ans Herz, die voll Trauer sind, die unter Einsamkeit und Krankheit leiden. Schenke ihnen Menschen, die es gut mit ihnen meinen, die ihren Kummer teilen und sie trösten, so wie du immer wieder die Tränen trocknest und neue Hoffnung gibst.

Wir singen gemeinsamen: ... und richte unsere Füße ...

Gib uns allen Augen, die über die Nöte von Mitmenschen nicht hinwegsehen. Wecke uns auf aus dem Denken, das nur um sich selbst und den eigenen Vorteil kreist. Stellvertretend für alle Menschen, die sich der Hilfe an ihren Mitmenschen verschrieben haben, bitten wir dich für alle, die im Programm Huyawa in der Bukoba Region im Nordwesten Tansanias arbeiten. Hier heute besonders für Judith Bukambo. Lass sie und alle anderen trotz des schweren Leides, dem sie immer wieder begegnen, ihre Fröhlichkeit, ihre Glaubensgewißheit und Lebensfreude nicht verlieren. So beten wir zu dir
Vater unser ...