II.Reihe des Tages der Geburt Johannes des Täufers (24.6.) : Apostelgeschichte 19,1-7
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
am Donnerstag, dem 24.Juni war der Johannistag - Gedächtnis der Geburt
Johannes des Täufers. Der Predigttext auf diesen Tag steht in der
Apostelgeschichte im 19. Kapitel. HÄNDE spielen darin eine Rolle. Und da wir
alle über eigene Hände verfügen, wollen wir damit beginnen, uns zunächst
einmal zu überlegen, was wir mit unseren eigenen Händen tun können. Im Gebet
im Gottesdienst können wir die Hände falten. Wir können auch jemanden bei der
Hand nehmen, Menschen die Hand reichen zur Versöhnung, jemandem die Hand zu
drücken.
Ich kann meine Hand ballen, aber auch zupacken. Hände können Schwielen haben
von der Arbeit oder auch elegant und gepflegt aussehen.
Hände handeln, begreifen, ergreifen die Welt - unsere Hände!
Was tun wir mit ihnen, was lassen? Hoben wir unser Leben in der Hand?
Was habe ich in der Hand?
NICHTS habe ich in der Hand! Übertragen auf das Leben heißt das: Ich habe
nichts von den wirklich wichtigen Dingen in meinem Leben in der Hand: Glück,
Gesundheit, Liebe, Wohlergehen derer, die mir am Herzen liegen, den Frieden
hier und in der Welt.
Nichts von dem wirklich Wichtigen kann ich festhalten, aber dennoch sind die
Hände von großer Wichtigkeit.
Nun zu unserem Predigttext. Dort tun menschliche Hände etwas ganz Besonderes,
was ich noch nicht erwähnt habe:
Es geschah aber, als Apollos in Korinth war, dass Paulus durch das Hochland zog und nach Ephesus kam und einige Jünger fand. Zu denen sprach er: „Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?“ Sie sprachen zu ihm: „Wir haben noch nie gehört, dass es einen heiligen Geist gibt.“ Und er fragte sie: „Worauf seid ihr denn getauft worden?“ Sie antworteten: „Auf die Taufe des Johannes.“ Paulus aber sprach: „Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.“ Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten. Er waren aber zusammen etwa zwölf Männer.
Soweit unser Predigttext.
Hände tun etwas ganz Wichtiges: Hände segnen.
Interessante Informationen enthält dieser Text, den viele wohl zum ersten Mal
gehört haben. Noch zur Zeit des Paulus gab es Jünger von Johannes dem Täufer,
dem Vorläufer Jesu, der die Menschen in Massen im Jordan getauft hatte,
nachdem er ihnen das Zorngericht Gottes angekündigte und sie mit dieser Taufe
auf den Beginn des Reiches Gottes vorbereiten wollte. Eine kleine Gruppe
Menschen, auf die Paulus in Ephesus in Kleinasien stößt, sind auch damals von
Johannes getauft worden - haben aber von Jesus gar nichts gehört. Die
Vorstellung von einem Heiligen Geist, der durch die Taufe die Menschen mit
unglaublichen Fähigkeiten versieht, ist ihnen völlig fremd. So ergänzt quasi
Paulus die Taufe des Johannes indem er ihnen die Hände auflegt und so den
Heiligen Geist auf diese etwa 12 Männer herabruft. Dieses Handauflegen hat
ungeheuere Wirkung: ihnen wird der Glaube an Jesus geschenkt, und sie beginnen
zu predigen in vielen Sprachen.
Menschliche Hände, durch die der Geist Gott handelt. Was der Apostel aus
Gottes Hand empfängt, gibt er durch seine Hände den Menschen weiter. So, wie
es Jesus getan hat: Seine Hände haben Kinder gesegnet, er hat sie Kranken
aufgelegt und sie geheilt, er hat den Bettlägerigen bei der Hand genommen und
aufgerichtet.
Aus Gottes Hand empfangen und durch die eigenen Hände weitergeben - Gottes
Hand, eines der schönsten und stärksten Bilder der Bibel: Psalm 135: „Von
allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis
ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich
gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe
ich gen Himmel, so bist du da. Bettet ich mich bei den Toten, siehe, so bist
du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so
würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“
Voller Gewissheit kann der Beter von Psalm 31 sagen: „In deine Hände befehle
ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott. Du übergibst mich
nicht in die Hände des Feindes; Meine Zeit steht in deinen Händen!“
Oder beim Propheten Jesaja heißt es: „Fürchte dich nicht, spricht der Herr,
ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich
helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“
Aus Gottes Hand empfangen und durch eigene Hände weitergeben - darauf kommt es
an. Im Gebet die Hände zu falten und sie dann zu öffnen, um anderen die Liebe
zukommen zu lassen, die vorher Gott uns geschenkt hat. Konkret heißt das:
Menschen bei der Hand nehmen, die Orientierung brauchen. Menschen die Hand zu
reichen, die hingefallen sind, sich die eigenen Hände schmutzig zu machen bei
Aufbauen einer guten Sache, jemandem die Hand zu reichen zur Versöhnung,
jemandem fest die Hand zu drücken, verlässlich und voll Vertrauen.
Was haben wir in der Hand? Nichts! Die wirklich wichtigen Dinge wie Glück,
Gesundheit, Liebe, Wohlergehen können wir nicht festhalten, sie müssen uns
geschenkt werden. Wir können aber unsere Hände nutzen, uns der Hand Gottes
anzuvertrauen und unsere Hände anderen zu reichen, sie zu öffnen, damit auch
durch unsere Hände Gottes Geist der Liebe in diese Welt zu den Menschen kommt.
Amen.