Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Wie sollen wir glauben?

"Kurz"-Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis (19. Juni 2005)

Wolfgang Dzieran, Presbyter, Bad Lippspringe

 

Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Man wird heute nicht mehr in einen bestimmten Glauben hineingeboren, Glauben wird nicht mehr einfach erzählt und weitergegeben von den Eltern an die Kinder. Nein – vielfach sieht es so aus, als könnten wir uns einfach auf dem religiösen Markt der Möglichkeiten bedienen. Auf allen Fernsehkanälen, in vielen Zeitungen, überall werden uns Angebote für den richtigen „Glauben“ gemacht.

„Church hopping“ nennt man dies in den USA – heute hier, nächsten Monat vielleicht schon eine andere Kirche, weil mir das Geicht des Pastors vielleicht besser gefällt..

Vom Islam die Gastfreundschaft, vom Buddhismus vielleicht die innere Ruhe, von den Indianer die Liebe zur Natur, vom Dalai Lama die immerwährende Freundlichkeit, …. Was brauche ich da noch das Christentum?

Es gibt sie tatsächlich, diese Wanderer zwischen den Religionen. Auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Den eigenen Glauben finden …“ höre ich zunächst Dr. Jochen Steurer. Wenn ich mich richtig erinnere, aufgewachsen irgendwo bei uns in der Nähe, hier in Westfalen, studiert er zunächst katholische Theologie, möchte Priester werden.

Dann trifft er eine nette Frau und beginnt zu Zweifeln. Wirklich Priester werden? Das Zölibat verbietet ihm doch, diese Frau zu heiraten! So schließt er an das Studium der katholischen ein vollständiges Studium der evangelischen Theologie an. Doch dann passiert es: die Frau verlässt ihn – und wieder beginnt er zu suchen.

Die Suche führt ihn jetzt zu einem indischen Guru. Sechs Jahre lebt er dort, wird selbst zu einem Guru. Doch irgendetwas quält ihn, sagt er, und kehrt wieder nach Deutschland zurück. „Wer nur seine eigene Seele sucht, der wird sie verlieren“, erkennt er später.

Heute arbeitet er in Hamburg in verschiedenen Krankenhäuser auf den Palliativstationen. „Glauben“, so sagt er, „Glauben findest Du, wenn Du am Krankenbett eines Sterbenden sitzt, seine Hand hältst – und einfach mal die Klappe hältst!“ Zum wirklichen Glauben gehört für ihn, Gott im Angesicht seines wirklichen Nächsten zu erkennen.

Auf dem Podium sitzt auch Horst Hirschler, der ehemalige Landesbischof der Kirche von Niedersachsen, ein Mann, der sich auskennen sollte im Glauben und insbesondere auch mit anderen Religionen.

Der Moderator der Veranstaltung fragt ihn: „Was ist aus ihrer Sicht, der Sicht eines Christen, eigentlich ein falscher Glaube?“ Ich denke, er möchte vom Bischof jetzt etwas gegen Sekten oder andere Glaubensrichtungen hören….

Der Bischof antwortet: „Falscher Glaube? Da brauche ich gar nicht weit schauen, den finde ich schon bei mir selbst. Wie häufig sage ich: „Das schaffe ich schon! Das kriegen wir schon irgendwie hin! Ist eine solche Aussage, ein solcher Glaube nicht eigentlich durch und durch unchristlich? Stellen wir hier das „ich“ oder „wir“ sogar über Gott?

Die heutige Bischöfin von Hannover, Käßmann ,sagte am Donnerstag in ihrer Bibelarbeit zu unserem Thema:

„Es geht um eine Lebenshaltung: Kommt Gott an erster Stelle oder erst alles andere? Aber der Glaube braucht die Gemeinschaft, lebt in und aus der Gemeinschaft. Das Christentum ist von Anfang an eine Gemeinschaftsreligion. Seit Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern durch Palästina zog, seit sie zusammen blieben nach seinem Tod, seit der Zeit der ersten Gemeinden. Gemeinsam ringen wir darum, wie wir von Gott reden können, wie wir ein verantwortliches Leben führen können. Gut wenn wir in der Gemeinschaft (egal ob auf dem Kirchentag in Hannover oder heute hier im Gottesdienst ) unseren Glauben stärker und neu Mut fassen, uns einzumischen in diese Welt, von der wir glauben, dass sie Gottes Welt ist.“