Wolfgang Dzieran, Presbyter, Bad Lippspringe
Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Man wird heute
nicht mehr in einen bestimmten Glauben hineingeboren, Glauben wird nicht mehr
einfach erzählt und weitergegeben von den Eltern an die Kinder. Nein –
vielfach sieht es so aus, als könnten wir uns einfach auf dem religiösen Markt
der Möglichkeiten bedienen. Auf allen Fernsehkanälen, in vielen Zeitungen,
überall werden uns Angebote für den richtigen „Glauben“ gemacht.
„Church hopping“ nennt man dies in den USA – heute hier, nächsten Monat
vielleicht schon eine andere Kirche, weil mir das Geicht des Pastors
vielleicht besser gefällt..
Vom Islam die Gastfreundschaft, vom Buddhismus vielleicht die innere Ruhe, von
den Indianer die Liebe zur Natur, vom Dalai Lama die immerwährende
Freundlichkeit, …. Was brauche ich da noch das Christentum?
Es gibt sie tatsächlich, diese Wanderer zwischen den Religionen. Auf einer
Veranstaltung mit dem Titel „Den eigenen Glauben finden …“ höre ich zunächst
Dr. Jochen Steurer. Wenn ich mich richtig erinnere, aufgewachsen irgendwo bei
uns in der Nähe, hier in Westfalen, studiert er zunächst katholische
Theologie, möchte Priester werden.
Dann trifft er eine nette Frau und beginnt zu Zweifeln. Wirklich Priester
werden? Das Zölibat verbietet ihm doch, diese Frau zu heiraten! So schließt er
an das Studium der katholischen ein vollständiges Studium der evangelischen
Theologie an. Doch dann passiert es: die Frau verlässt ihn – und wieder
beginnt er zu suchen.
Die Suche führt ihn jetzt zu einem indischen Guru. Sechs Jahre lebt er dort,
wird selbst zu einem Guru. Doch irgendetwas quält ihn, sagt er, und kehrt
wieder nach Deutschland zurück. „Wer nur seine eigene Seele sucht, der wird
sie verlieren“, erkennt er später.
Heute arbeitet er in Hamburg in verschiedenen Krankenhäuser auf den
Palliativstationen. „Glauben“, so sagt er, „Glauben findest Du, wenn Du am
Krankenbett eines Sterbenden sitzt, seine Hand hältst – und einfach mal die
Klappe hältst!“ Zum wirklichen Glauben gehört für ihn, Gott im Angesicht
seines wirklichen Nächsten zu erkennen.
Auf dem Podium sitzt auch Horst Hirschler, der ehemalige Landesbischof der
Kirche von Niedersachsen, ein Mann, der sich auskennen sollte im Glauben und
insbesondere auch mit anderen Religionen.
Der Moderator der Veranstaltung fragt ihn: „Was ist aus ihrer Sicht, der Sicht
eines Christen, eigentlich ein falscher Glaube?“ Ich denke, er möchte vom
Bischof jetzt etwas gegen Sekten oder andere Glaubensrichtungen hören….
Der Bischof antwortet: „Falscher Glaube? Da brauche ich gar nicht weit
schauen, den finde ich schon bei mir selbst. Wie häufig sage ich: „Das schaffe
ich schon! Das kriegen wir schon irgendwie hin! Ist eine solche Aussage, ein
solcher Glaube nicht eigentlich durch und durch unchristlich? Stellen wir hier
das „ich“ oder „wir“ sogar über Gott?
Die heutige Bischöfin von Hannover, Käßmann ,sagte am Donnerstag in ihrer
Bibelarbeit zu unserem Thema:
„Es geht um eine Lebenshaltung: Kommt Gott an erster Stelle oder erst alles
andere? Aber der Glaube braucht die Gemeinschaft, lebt in und aus der
Gemeinschaft. Das Christentum ist von Anfang an eine Gemeinschaftsreligion.
Seit Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern durch Palästina zog, seit sie
zusammen blieben nach seinem Tod, seit der Zeit der ersten Gemeinden.
Gemeinsam ringen wir darum, wie wir von Gott reden können, wie wir ein
verantwortliches Leben führen können. Gut wenn wir in der Gemeinschaft (egal
ob auf dem Kirchentag in Hannover oder heute hier im Gottesdienst ) unseren
Glauben stärker und neu Mut fassen, uns einzumischen in diese Welt, von der
wir glauben, dass sie Gottes Welt ist.“