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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Wie kann man so etwas in eine Kirche stellen?

Predigt zum 5.Sonntag nach Trinitatis - 11.7.2004 NB / BL No 554

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Lieder.: 574, 1-3 734 W 245, 1-3 313 357 675
 

II. Reihe: 1.Korinther 1,18-25

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.

 

„Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben: ‘Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.’ Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.“
 

Liebe Schwestern und Brüder,

Kreuz Bad Lippspringe - Foto Wolfgang Dzieranvor ein paar Tagen besuchte eine Schulklasse diesen Gottesdienstraum. Es wurde ihnen erklärt, was alles zu sehen ist. Insbesondere ging es um die Frage, was denn in JEDEM Gottesdienstraum zu finden ist. Kerzen, Altar, Taufbecken ... und eben natürlich: das Kreuz. „Warum eigentlich das Kreuz?“ fragte ein Schüler. Und er hatte sich etwas zu der Frage überlegt: „ist denn nicht am Kreuz Jesus gestorben - wie kann man denn so etwas in jede Kirche stellen?“

Recht hat er ja, der junge Mann. Es ist schon ungewöhnlich, dass eine Religion ein Symbol des Scheiterns, der Hinrichtung, zu IHREM Symbol macht. Das war schon ganz am Anfang der Christenheit so: Es gibt eine ausgegrabene Wandzeichnung aus Rom aus dem 3. Jahrhundert, die den Sklaven Alexamenos zeigt, wie er seinen Gott anbetet: Der Mann am Kreuz hat einen Eselskopf. Es stimmt also, was Paulus im Korinther-Brief schreibt: Das Kreuz - den Griechen eine Torheit, etwas, worüber man sich lustig macht, etwas für Esel.

Vielleicht möchten Sie ja wissen, was ich dem Schüler geantwortet habe zu dem Kreuz in der Kirche: „Überlegt doch mal, ob ihr nicht selbst Kreuze tragt oder ganz normal findet!“ Ich hatte Glück, ein paar Mädchen trugen eine Kette mit einem Kreuz daran und fanden das ganz chic. Das Kreuz als Schmuckstück - dasselbe Kreuz, das für die Hinrichtung Jesu, des christlichen Heilandes steht. So sind wir ins Nachdenken gekommen, was denn dieses Kreuz bedeuten kann, dass doch einerseits als Schmuckstück so beliebt ist, andererseits aber in seiner wirklichen Bedeutung so abschreckend ist.

Einmal ist das Kreuz ja nicht nur das Zeichen für das Scheitern. Es ist auch das Zeichen für die Rettung. Durch Jesu Tod sind wir Menschen von den Sünden erlöst. Und das Kreuz ist ja vielfach leer - Zeichen für die Auferstehung Jesu von den Toten. Das muss ja immer sagen und erklären: Derjenige, der da leidet am Kreuz, der ist ja auferstanden, der hat ja den Tod überwunden. Das Kreuz ist das Zeichen für den Sieg Gottes, für die Hoffnung, dass das Leben siegt und nicht der Tod.

Es gibt in Hinblick auf den Umbau unserer Kirche eine Diskussion, ob und wie dort ein neues Kreuz im Mittelpunkt stehen soll. Einerseits wird positiv aufgenommen, dass unser altes Kreuz, das doch so stark den leidenden, ausgezehrten Körper Christi zeigt, weiter für alle sichtbar übernommen werden soll. Andere ist es ganz wichtig: wir wollen ein großes Kreuz. Über alle Gestaltungsfragen heraus, ich höre daraus auch, wie wichtig Christen das Kreuz ist. Vielleicht weil sie in verschiedenen Lebenssituationen gerade die Spannung dieses Symbols schätzen gelernt haben: Einerseits ein Symbol für Scheitern, für Ohnmacht, auch die Ohnmacht Gottes, ein Durchkreuzen sicher geglaubter Vorstellungen, andererseits ein Symbol für Hoffnung, für Sieg über den Tod: Gott hat dieses Kreuz überwunden, der, der da um unseretwillen starb, lebt - und er lebt auch für mich.

Kreuze in Schulräumen fallen ihnen ein. In Krankenhäusern vor allem: Gott ist bei den Schwachen, denen, die Hilfe brauchen - aber auch bei denen, die Pflegen und Helfen.

Kreuze in Gerichtssälen, die erinnern sollen: Der wahre Richter, das ist Christus, der zur Rechten Gottes sitzt. Und vor ihm hat auch ein Schuldig-Gewordener einen unverlierbaren Wert und ihm gilt genauso Gottes Liebe und Vergebung.

Kreuze auf den Friedhöfen, die Hoffnung vermitteln: Auch die Verstorbenen haben durch Christi Auferstehung Anteil am ewigen Leben. Gott durchkreuzt auch die größte Trauer, die größte Ausweglosigkeit. Er schafft selbst da neues Leben, wo wir am Ende aller Möglichkeiten sind.

Umstritten war und ist das Kreuz immer. Und das ist gut so. Das Kreuz ist nicht eindeutig, hat nicht nur eine Bedeutung. Er steht in der Spannung zwischen Scheitern, Ohnmacht auf der einen Seite - und Sieg und Hoffnung auf der anderen Seite. Ärgerlich ist dieses Symbol, weil wir lieber Eindeutigkeit und Klarheit wollen - aber das Leben ist eben nicht immer nur Schwarz/Weiß. Lächerlich ist dieses Symbol, weil es einen Gott zeigt, der ohnmächtig gegenüber dem Hass in der Welt ist, der es zulässt, dass über ihn gespottet werden kann.

Diese Spannung ist es, die von diesem Symbol ausgeht: Symbol des Scheiterns, der absoluten Schwachheit Gottes - und gleichzeitig der Nähe und unbegrenzten Liebe Gottes, die uns Menschen immer neu überwältigt.

Ein einfaches Symbol, umstritten, in der Kirchengeschichte oft genug verleumdet, verbannt, verspottet. Dennoch tragen es unzählige Menschen als Schmuckstück an ihrem Körper. Es ist wohl doch etwas Besonders an diesem einfachen Symbol. Es lässt die Menschen nicht in Ruhe. Durchkreuzt allzu eingefahrene Denkweisen. Am Kreuz hat Jesus für uns Menschen sein Leben gegeben, damit wir als seine Kinder gerettet werden. Das ist die Aussage des Kreuzes. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist doch etwas Spannendes, Nachdenkenswertes, oder ...?

Die Torheit Gottes, die weiser als wir Menschen ist, und die Schwachheit Gottes, die stärker als die Menschen ist, bewahre eure Herzen udn Sinne in Christus Jesus, der Wahrheit unseres Lebens und der Mitte unseres Glaubens.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sine in Christus Jesus. Amen.