Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Kinder des Lichts

Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2004

Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

II. Reihe: Epheser 5,8b-14

Lebt als Kinder des Lichts;

liebe Gemeinde, so fordert unser heutiger Predigttext aus dem Epheserbrief auf.

Lebt als Kinder des Lichts! So lautet dann wohl nach fast 2000 Jahren die Aufforderung an uns, denn sonst müßten wir dieses Texte nicht mehr lesen und bedenken.

In dem Schreiben, eher wohl eine theologische Abhandlung als ein Brief heißt es:

Lebt als Kinder des Lichts; denn die Frucht des Lichts besteht in lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit.
Prüft, was Gott gefällt!
Beteiligt euch nicht an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern deckt sie auf!
Was nämlich heimlich von (den Kindern der Finsternis) getan wird, ist schon allein auszusprechen eine Schande.
Alles aber, was aufgedeckt wird, wird durch das Licht offenbart; denn alles Offenbarte ist Licht. Darum heißt es:
Wacht auf, ihr Schlafenden, steht auf von den Toten,
und aufleuchten wird euch Christus!

Lebt als Kinder des Lichts

Leichter gesagt als getan - so zumindest mein erster Gedanke zu diesem Text. Von Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit ist da die Rede und davon, sich nicht an den Werken der Finsternis zu beteiligen.

Das klingt gut, so würde ich gerne leben, aber wie. Ich fürchte, das war im ersten Jahrhundert nach Christus ebenso schwierig wie es heute ist.
Kommt man wirklich noch halbwegs erfolgreich durch das Leben, wenn man es immer mit der Wahrheit hält? Sind kleine Notlügen nicht quasi ein Muß in unserer Gesellschaft geworden?

Und Güte? Wo kommt man denn hin, wenn man immer nur gütig ist? Wir leben doch in einer Zeit, in der zuviel Güte und Freundlichkeit immer wieder nur ausgenutzt wird. Und am Ende stehe ich da als die Dumme!

Gerechtigkeit? Wo geht es schon gerecht zu? Vor Gericht sicher nicht immer, gerade in der vergangenen Woche erzählte ein Freund empört von einer Gerichtsverhandlung in der derjenige Recht bekam, der sich zwei Zeugen kaufen konnte, und nicht etwa der zu Unrecht Angeklagte. Aber auch sonst steht die Gerechtigkeit eher nicht so hoch im Kurs. Das fängt an bei der Verteilung von Arbeit, geht über die Verteilung von Geld und endet nicht bei der Verteilung von Chancen und Möglichkeiten im Leben.

Und selbst wenn ich mich nicht an den Werken der Finsternis beteiligen will, ich bin beteiligt ohne mein Zutun. Indem ich in Europa lebe, profitiere ich vom mehr als finster-ungerechten Nord-Süd-Gefälle.

Ich freue mich über preiswerte Kleidung, natürlich! Aber es ist wahrscheinlich, das die Arbeiterinnen die meine Bluse, meine Jeans, meine Jacke genäht haben, das zu unwürdigen Bedingungen für einen Hungerlohn in Südosteuropa, Südostasien oder Südamerika getan haben. Und selbst wenn ich nur teure Marken-/Designer-Kleidung kaufte, hieße das nicht unbedingt, das mein Geld wirklich zu einem gerechten Lohn der Näherinnen beitrüge.
Wie also leben als Kinder des Lichts?

Etwas zu der Zeit, als der Epheserbrief verfaßt wurde, gab es noch eine Gruppe von Menschen, die in Qumran, am Toten Meer, versuchten, strikt als Kinder des Lichts zu leben.

Sie hatten sich in diese Gegend zurückgezogen, lebten in einer Gemeinschaft nach sehr strikten Regeln, abgeschieden von den Kindern der Finsternis, will heißen von allen anderen Menschen. Natürlich durften zu der engeren Gemeinschaft nur ausgewählte Männer gehören. Sie versorgten sich weitestgehend selbst mit dem, was sie anbauen oder herstellen konnten, verbrachten viel Zeit mit dem Studium und dem Nachsinnen über den guten Weg des Lebens im Licht. Sie hatten eine große Bibliothek, die uns bis heute überliefert ist.

Ist das wirklich die Alternative? Abwendung von der bösen, finsteren Welt hin zum Licht. Lassen wir Welt Welt sein und beschäftigen wir uns mit uns und unserem Seelenheil?

Möchten Sie so leben? Ich nicht!

Und so lese ich den Epheserbrief noch einmal und höre im Hintergrund auch die Worte der Evangeliumslesung: Ihr seid das Licht der Welt.

Wir sind das Licht der Welt, wir müssen uns nicht zwanghaft bemühe, besondere Leuchten zu sein.

Und wenn wir als Kinder dieses Lichts leben, dann sind Güte und Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit einfach die Folgen.

Wacht auf, ihr Schlafenden, steht auf von den Toten,
und aufleuchten wird euch Christus!

So zitiert das Epheserschreiben eine alte Taufliturgie und erinnert daran, weshalb wir Licht der Welt sind und als Kinder des Lichts leben können: In der Taufe werden wir sichtbar und spürbar zu Gottes Kindern, wir gehören zu ihm.

Deshalb können wir unser Licht leuchten lassen vor der Welt, leben vom guten Wort Gottes und davon austeilen.

Und erst, wenn wir das für uns erkannt und „wahr“genommen haben, ergeben sich Konsequenzen.

Wir sollen dann die Welt mit Gottes Augen sehen, prüfen, was nach Gottes Willen geschieht oder auch nicht.

Die Werke der Finsternis aufdecken. Also nicht schweigen zu dem Unrecht, das geschieht, sondern wenigstens darüber reden. Mit unseren Möglichkeiten beitragen, das Reichtum und Möglichkeiten besser verteilt werden und sei es nur durch den Kauf von fair gehandelten Waren oder durch die Unterstützung von Projekten, die Menschen Lebenschancen einräumen.

Leben wir als Kinder des Lichts. Durch uns kann Gottes Licht aufleuchten in dieser Welt.

Amen.