Evangelische Kirche Bad Lippspringe

Startseite / Predigten

Predigten und Andachten

 

Auf das Fundament kommt es an!

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 24. Juli 2005

Vikarin Anne Biesterfeldt, Bad Lippspringe

III. Reihe: Mt 7,24-27

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde!
Unser heutiger Predigttext handelt vom Bauen. Davon, wie man ein Haus stabil und sicher baut, - so dass ihm weder Wind noch Wetter gefährlich werden können.

Bauen – da sind wir doch eigentlich alle inzwischen Experten, oder? Zwar ist die Einweihung unserer neuen Kirche schon wieder ein paar Monate her, aber ich glaube, wir erinnern uns alle noch gut, wie hier umgebaut, ausgebaut, renoviert und neugebaut wurde: die Empore raus, die alte Sakristei, da, wo jetzt der neue Eingang ist, abgerissen, die neue, hier vorne, neu gebaut – ein großes Bauvorhaben ist das gewesen und viel hat sich verändert! Wind und Wetter sind unserer Kirche glücklicherweise die ganze Zeit über nicht gefährlich gewesen: die Mauern und das Dach ruhen auf einem festen Fundament, die Kirche steht sicher und unverrückbar an ihrem Platz, kein Regen und Sturm können ihr etwas anhaben.

Wenn Sie selber schon einmal gebaut haben – Ihr eigenes Haus oder eine Scheune, einen Stall oder ein Gartenhäuschen, dann wissen Sie: ein stabiles, tragfähiges, festes Fundament ist das Wichtigste beim Bauen. Ohne ein stabiles Fundament hat das Haus, (die Scheune, das Gartenhäuschen) nicht lange Bestand – es wird schief und wackelig, der Wind bläst hinein, der Regen unterspült es, und es stürzt um.

Kinder kennen das – oder vielleicht erinnern Sie sich noch, als Sie selbst Kind waren: die Bauwerke, die am Bach, auf der Wiese, im Sandkasten – im Sommer vielleicht am Meer – entstehen, sind zwar oft wunderschön, - aber lange stehen tun sie meistens nicht...

Der Predigttext erzählt von zwei Männern, einem klugen und einem törichten, die beide ein Haus bauen – der eine achtet auf ein stabiles Fundament, der andere nicht. Der Text steht bei Matthäus im siebten Kapitel, am Ende der Bergpredigt:

[Jesus sprach:] Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Jesus bietet uns das Bild vom Hausbau, die Erzählung von dem Klugen, der auf Fels baut, und dem Törichten, der auf Sand baut, als Gleichnis an: Der, der auf sein Wort, auf Jesu Wort, hört und es zum Maßstab des eigenen Handelns und Verhaltens werden lässt – der hat auf Fels gebaut, der ist stabil, der wird nicht einstürzen. Aber der, der Jesu Wort zwar hört, aber sich nicht zu eigen macht, sondern andere Worte zum Maßstab seines Handelns macht – der hat auf Sand gebaut und wird fallen.

Das Gleichnis lässt einen fast unwillkürlich sich selbst fragen: Worauf habe ich „mein Haus“ gebaut? Worauf „baue“ ich? Was mache ich zum Maßstab meines Lebens? Welche Vorstellungen und Ideale prägen mein Handeln und Verhalten?
Definiere ich mich über mein Hab und Gut? Ist mein Mercedes, mein BMW, mein Haus und Garten, meine teuren Klamotten und Schmuck, meine Porzellansammlung, mein Bankkonto mein Aushängeschild? Ist Geld und Besitz das, was mich antreibt im Leben, das, dem ich Wert beimesse, das, von dem ich glaube, es sei ein sicheres Fundament für mich?

Oder ist für mich im Leben maßgeblich, was andere über mich denken, vielleicht auch sagen? Ist es wichtig für mich, um jeden Preis anerkannt und beliebt zu sein? Als immer freundlich, gut gelaunt und hilfsbereit zu gelten? Lasse ich das Urteil anderer über mich zum Maßstab meines Lebens werden? Halte ich die Meinung anderer über mich für das Fundament, auf das ich bauen kann?

Oder ist mein Lebensmotto: Hauptsache, ich komme nicht zu kurz, Hauptsache, ich gewinne! – Die Verkäuferin gibt mir aus Versehen zu viel Wechselgeld zurück –na, umso besser für mich! Ist die doch selber schuld! - Im Betrieb gibt es die Möglichkeit, jemanden von seinem Platz zu verdrängen, indem ich mich beim Chef beliebt mache und die andere Person schlecht mache – na ja, das Recht des Stärkeren! – wenn die andere Person so blöd ist, das mit sich machen zu lassen...! Mein Fundament bin ich!

- Solche – und ähnliche – Lebensmaximen sind uns allen, glaube ich, nicht ganz unbekannt – sei es, dass wir sie aus der Gesellschaft, die uns umgibt, kennen, sei es, dass wir sie – mindestens ansatzweise – vielleicht auch von uns selbst kennen. Sie haben eins gemeinsam: sie lassen uns den Blick nur auf uns selbst richten, sie lassen uns um uns selbst kreisen und machen uns zum Mittelpunkt – zum Fundament - des eigenen Denkens und Handelns.

So attraktiv eine solche Lebenseinstellung auf den ersten Blick scheinen mag – die Prioritäten sind klar, ich habe mein Leben und alles, was dazu gehört, in der Hand, bin niemandem Rechenschaft schuldig und für keinen außer mir selbst verantwortlich – eine solche Lebenseinstellung ist zugleich eine ungeheure Belastung: ich muss immerzu im Einsatz für mich sein, darf nicht müde werden, keine Schwächen zeigen, kann mich auf niemanden außer mir selbst verlassen. Und was ist, wenn ich mal versage? Wenn ich falsch kalkuliere, meine Gesundheit nicht mehr mitspielt? Welche Möglichkeiten habe ich dann noch, für mich selbst zu sorgen?

Gottes Wort befreit von der Belastung, immer auf sich selbst und das eigene Funktionieren angewiesen zu sein: Wie eine Mutter sich ihrem Kind zuwendet, so wendet Gott sich uns zu – voller Liebe und Güte – und ohne, dass wir etwas dafür leisten müssten. Er ist mit uns – in guten und in schlechten Zeiten, darauf vertrauen wir. Dieses Vertrauen auf die Liebe Gottes macht unsere übertriebene Eigenliebe und Selbstsorge überflüssig: ein anderer als wir selbst ist unser Fundament: Gott. In dieser und aus dieser Erfahrung können wir leben.

Diese Erfahrung entlastet – und setzt ganz neue Möglichkeiten frei: Wenn ich mich nicht mehr nur um mich selbst drehen muss, weil ich weiß, ich bin, auch ohne dass ich mich ausdrücklich liebe, geliebt, kann ich mich selbst mit meinen Stärken und Schwächen annehmen, ich muss nicht die Reichste, die Tollste und Freundlichste oder die Berechnendste sein. Ich kann mich anderen Menschen zuwenden, Beziehungen zu ihnen aufbauen und von der Liebe, die ich erfahren habe, weitergeben.

Nicht mehr Geld nimmt den obersten Stellenwert in meinem Leben ein, sondern das Schicksal meines Nächsten. Nicht mehr die Meinung der anderen macht mich aus, sondern meine Gewissheit, von Gott geliebt zu sein. Nicht mehr mein eigener Vorteil ist das, was mich bewegt und umtreibt, sondern Solidarität und Mitmenschlichkeit.

Gottes Liebe ermöglicht uns solches Tun und Handeln, wenn wir auf seine Liebe bauen, haben wir auf Fels gebaut. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.