Vikarin Anne Biesterfeldt, Bad Lippspringe
III. Reihe: Mt 7,24-27
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und
dem Herrn Jesus Christus.
Liebe Gemeinde!
Unser heutiger Predigttext handelt vom Bauen. Davon, wie man ein Haus stabil
und sicher baut, - so dass ihm weder Wind noch Wetter gefährlich werden
können.
Bauen – da sind wir doch eigentlich alle inzwischen Experten, oder? Zwar ist
die Einweihung unserer neuen Kirche schon wieder ein paar Monate her, aber ich
glaube, wir erinnern uns alle noch gut, wie hier umgebaut, ausgebaut,
renoviert und neugebaut wurde: die Empore raus, die alte Sakristei, da, wo
jetzt der neue Eingang ist, abgerissen, die neue, hier vorne, neu gebaut – ein
großes Bauvorhaben ist das gewesen und viel hat sich verändert! Wind und
Wetter sind unserer Kirche glücklicherweise die ganze Zeit über nicht
gefährlich gewesen: die Mauern und das Dach ruhen auf einem festen Fundament,
die Kirche steht sicher und unverrückbar an ihrem Platz, kein Regen und Sturm
können ihr etwas anhaben.
Wenn Sie selber schon einmal gebaut haben – Ihr eigenes Haus oder eine
Scheune, einen Stall oder ein Gartenhäuschen, dann wissen Sie: ein stabiles,
tragfähiges, festes Fundament ist das Wichtigste beim Bauen. Ohne ein stabiles
Fundament hat das Haus, (die Scheune, das Gartenhäuschen) nicht lange Bestand
– es wird schief und wackelig, der Wind bläst hinein, der Regen unterspült es,
und es stürzt um.
Kinder kennen das – oder vielleicht erinnern Sie sich noch, als Sie selbst
Kind waren: die Bauwerke, die am Bach, auf der Wiese, im Sandkasten – im
Sommer vielleicht am Meer – entstehen, sind zwar oft wunderschön, - aber lange
stehen tun sie meistens nicht...
Der Predigttext erzählt von zwei Männern, einem klugen und einem törichten,
die beide ein Haus bauen – der eine achtet auf ein stabiles Fundament, der
andere nicht. Der Text steht bei Matthäus im siebten Kapitel, am Ende der
Bergpredigt:
[Jesus sprach:] Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.
Jesus bietet uns das Bild vom Hausbau, die Erzählung von
dem Klugen, der auf Fels baut, und dem Törichten, der auf Sand baut, als
Gleichnis an: Der, der auf sein Wort, auf Jesu Wort, hört und es zum Maßstab
des eigenen Handelns und Verhaltens werden lässt – der hat auf Fels gebaut,
der ist stabil, der wird nicht einstürzen. Aber der, der Jesu Wort zwar hört,
aber sich nicht zu eigen macht, sondern andere Worte zum Maßstab seines
Handelns macht – der hat auf Sand gebaut und wird fallen.
Das Gleichnis lässt einen fast unwillkürlich sich selbst fragen: Worauf habe
ich „mein Haus“ gebaut? Worauf „baue“ ich? Was mache ich zum Maßstab meines
Lebens? Welche Vorstellungen und Ideale prägen mein Handeln und Verhalten?
Definiere ich mich über mein Hab und Gut? Ist mein Mercedes, mein BMW, mein
Haus und Garten, meine teuren Klamotten und Schmuck, meine Porzellansammlung,
mein Bankkonto mein Aushängeschild? Ist Geld und Besitz das, was mich antreibt
im Leben, das, dem ich Wert beimesse, das, von dem ich glaube, es sei ein
sicheres Fundament für mich?
Oder ist für mich im Leben maßgeblich, was andere über mich denken, vielleicht
auch sagen? Ist es wichtig für mich, um jeden Preis anerkannt und beliebt zu
sein? Als immer freundlich, gut gelaunt und hilfsbereit zu gelten? Lasse ich
das Urteil anderer über mich zum Maßstab meines Lebens werden? Halte ich die
Meinung anderer über mich für das Fundament, auf das ich bauen kann?
Oder ist mein Lebensmotto: Hauptsache, ich komme nicht zu kurz, Hauptsache,
ich gewinne! – Die Verkäuferin gibt mir aus Versehen zu viel Wechselgeld
zurück –na, umso besser für mich! Ist die doch selber schuld! - Im Betrieb
gibt es die Möglichkeit, jemanden von seinem Platz zu verdrängen, indem ich
mich beim Chef beliebt mache und die andere Person schlecht mache – na ja, das
Recht des Stärkeren! – wenn die andere Person so blöd ist, das mit sich machen
zu lassen...! Mein Fundament bin ich!
- Solche – und ähnliche – Lebensmaximen sind uns allen, glaube ich, nicht ganz
unbekannt – sei es, dass wir sie aus der Gesellschaft, die uns umgibt, kennen,
sei es, dass wir sie – mindestens ansatzweise – vielleicht auch von uns selbst
kennen. Sie haben eins gemeinsam: sie lassen uns den Blick nur auf uns selbst
richten, sie lassen uns um uns selbst kreisen und machen uns zum Mittelpunkt –
zum Fundament - des eigenen Denkens und Handelns.
So attraktiv eine solche Lebenseinstellung auf den ersten Blick scheinen mag –
die Prioritäten sind klar, ich habe mein Leben und alles, was dazu gehört, in
der Hand, bin niemandem Rechenschaft schuldig und für keinen außer mir selbst
verantwortlich – eine solche Lebenseinstellung ist zugleich eine ungeheure
Belastung: ich muss immerzu im Einsatz für mich sein, darf nicht müde werden,
keine Schwächen zeigen, kann mich auf niemanden außer mir selbst verlassen.
Und was ist, wenn ich mal versage? Wenn ich falsch kalkuliere, meine
Gesundheit nicht mehr mitspielt? Welche Möglichkeiten habe ich dann noch, für
mich selbst zu sorgen?
Gottes Wort befreit von der Belastung, immer auf sich selbst und das eigene
Funktionieren angewiesen zu sein: Wie eine Mutter sich ihrem Kind zuwendet, so
wendet Gott sich uns zu – voller Liebe und Güte – und ohne, dass wir etwas
dafür leisten müssten. Er ist mit uns – in guten und in schlechten Zeiten,
darauf vertrauen wir. Dieses Vertrauen auf die Liebe Gottes macht unsere
übertriebene Eigenliebe und Selbstsorge überflüssig: ein anderer als wir
selbst ist unser Fundament: Gott. In dieser und aus dieser Erfahrung können
wir leben.
Diese Erfahrung entlastet – und setzt ganz neue Möglichkeiten frei: Wenn ich
mich nicht mehr nur um mich selbst drehen muss, weil ich weiß, ich bin, auch
ohne dass ich mich ausdrücklich liebe, geliebt, kann ich mich selbst mit
meinen Stärken und Schwächen annehmen, ich muss nicht die Reichste, die
Tollste und Freundlichste oder die Berechnendste sein. Ich kann mich anderen
Menschen zuwenden, Beziehungen zu ihnen aufbauen und von der Liebe, die ich
erfahren habe, weitergeben.
Nicht mehr Geld nimmt den obersten Stellenwert in meinem Leben ein, sondern
das Schicksal meines Nächsten. Nicht mehr die Meinung der anderen macht mich
aus, sondern meine Gewissheit, von Gott geliebt zu sein. Nicht mehr mein
eigener Vorteil ist das, was mich bewegt und umtreibt, sondern Solidarität und
Mitmenschlichkeit.
Gottes Liebe ermöglicht uns solches Tun und Handeln, wenn wir auf seine Liebe
bauen, haben wir auf Fels gebaut. Amen.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und
Sinne in Christus Jesus. Amen.