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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Wachsen im Glauben

Meditation im Gottesdienst der Gemeinden der Region Paderborn Land am Pfingstmontag 2004 im Arminiuspark Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

BaumscheibeWachsen im Glauben – was liegt näher als sich hier im Arminius-Park, der sich durch seinen außergewöhnlichen Baum-Bestand auszeichnet einen Moment über Bäume nachzudenken. Wenn Sie die Augen öffnen, sehen Sie so ganz unterschiedliche und ganz besondere Bäume. Sie halten eine kleine Baumscheibe in der Hand, ein Stück eines Birken-Astes, mit dem Sie ein Stück Baum befühlen, beriechen können.
Bäume verbinden Himmel und Erde. Festgewurzelt im Boden, die Krone nach oben ausgestreckt. Ein Baum braucht Licht. Streckt sich nach dem Licht aus. Wächst zum Licht hin – und spendet gerade deshalb anderen Schatten. Wachsen auch wir zum Licht hin? Was ist unser Licht? Strecken wir uns nach dem Licht aus – oder verkriechen wir uns, verkümmern wir, weil wir dem Licht zu wenig folgen, zu wenig Raum geben in unserem Leben?
Der Psalmist macht Mut: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte mir grauen!“

Ein Baum ist niemals „erwachsen“, seine Zellen vermehren sich das ganze Leben lang. Stamm, Äste und Wurzeln nehmen ständig an Umfang zu. Die Jahresringe lassen magere und fette Jahre erkennen. Auch in mir gibt es Zeiten des Blühens, des Wachsens und Zeiten des Verblühens, des Verschlossenseins und Absterbens. Auch mein Leben wird von Fesseln eingeengt. Er stößt an Grenzen. Ich kämpfe dagegen an. Manchmal versuche ich auch wie eine Weide, wie eine Birke dem Sturmwind nachzugeben. Oft weiß ich nicht, was das Richtige ist: sich dem Sturm zu widersetzen wie eine Eiche oder das Biegsam-Sein zu lernen. Ich wünsche mir Lebenskraft wie ein Baum. Auch an Widerständen zu wachsen – mit den Fesseln und trotz der Fesseln. Ich möchte trauen auf das, was von Gott gesagt ist:
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Oder wie es der Prophet Hesekiel sagt:
Alle Bäume auf dem Feld sollen erkennen, dass ich der Herr bin: Ich erniedrige den hohen Baum und erhöhe den niedrigen, ich lassen den grünen Baum verdorren, und den dürren Baum lasse ich grünen. Ich, der Herr, rede es und tue es auch.

Das Wunder „Baum“ – wir sehen nur einen Teil davon. Das Wichtigste aber ist verborgen: sein Wurzelwerk. Wurzeln sind nicht in erster Linie das Verankerungsmittel, sie sind das primäre Organe der lebensnotwendigen Wasser- und Nährstoffaufnahme. Das Wurzelwerk nimmt stets einen größeren Radius ein als die Baumkrone.
Worin sind wir verwurzelt? Was lässt uns die lebensnotwendige Elemente aufnehmen? Wo tanken wir auf? Woher nehmen wir die Kraft, die Grundbedürfnisse des Lebens zu stillen – die ja nicht nur Essen und Trinken und Schlafen sind, sondern auch Liebe, Anerkennung, Dazu-Gehören, Anteilnahme, Gewissheit, etwas Sinnvolles zu tun? Zum Wachsen gehört auch, sich Zeit für das Kräftesammeln zu nehmen. Auch Zeiten ohne Arbeit als wesentliche Zeiten zu begreifen. Auch Zeiten des Brachliegens, des Untätig-Seins, der Erstarrung, der Ruhe als Voraussetzung für neues Wachstum zu zulassen. Darin liegt der innere Sinn von Gottes Gebot: Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und ruhte am siebenten Tage.

Ein Baum hat eine still duldende Würde. Zu einem Baum lässt sich eine besondere Beziehung herstellen, als könne ein bestimmter Baum gerade mir etwas sagen. Ein Baum ist einfach da, scheint die Anerkennung von anderen gar nicht zu brauchen. Ruht in sich, lebt aus sich. Jeder Baum ist anders, einzigartig und von eigener Wichtigkeit. Bäume haben eine eigene Würde. Es tut weh, einen gefällten Baum zusehen. Die alten Germanen – das sei hier in unmittelbarer Nähe von „Odins Auge“ gesagt – kannten den Satz „Wenn der Baum stirbt, stirbt die Welt.“
Wir gehören zusammen – Mensch und Natur – Menschen untereinander. Wir sind hier nicht allein. Nehmen Sie einmal ganz bewusst den Menschen neben ihnen wahr, den zur Linken, den zur Rechten. Den vor Ihnen und vielleicht auch hinter Ihnen. Bei Gott geht niemand in der Masse unter, ist jeder unendlich wichtig.
„Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen. Unser Herr ist groß und von großer Kraft.“