V.Reihe: Markus 2,18-22

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

wir feiern Taufe. Wir feiern Hochzeit. Wir feiern Geburtstag. Gerade haben wir Weihnachten gefeiert. Vor allem: Wir feiern Gottesdienst. Warum spüren wir nur so wenig davon, dass es ums Feiern geht, warum ist es in der Kirche all zu oft so verkrampft freudlos und deshalb schlicht - langweilig?!

Thomas Gottschalk, der bekannte Entertainer, hat in einem Vortag vor kirchlichen Medienvertretern die Kirche aufgefordert, seine Sendung „Wetten dass ...?“ als Chance zu nutzen. „Lasst euch mal herab und setzt euch dahin,“ sagte er wörtlich. „Was funktioniert, ist Fröhlichkeit.“ Zwar - so seine Meinung - warte die Kirche durchaus mit frohen Botschaften auf. „Aber sie werden doch etwas düster präsentiert.“

Recht hat er. Düstere Kirchenvertreter - sie können sich nicht auf Jesus Christus berufen. Der ging sogar zusammen mit seinen Jüngern auf Hochzeiten zum Feiern. Und dort hat er Wasser in Wein verwandelt. Dies missfällt einigen freudlosen Menschen in der Kirche bis heute. Ihnen wäre lieber gewesen, er hätte den gesamten Wein in Wasser verwandelt.

Jesus ist zu allen Zeiten von den selbsternannten Moralaposteln kritisiert worden. Er galt - so die Bibel - bei seinen Kritikern als „Fresser und Weinsäufer“, er wurde angeklagt, weil er am Sabbat heilte und weil seine Jünger am Sabbat aßen.

Im heutigen Predigttext geht es um den Widerspruch, den Jesus mit seiner offen gezeigten Lebensfreude hervorrief. Es heißt im Markusevangelium im 2.Kapitel:

Die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel; und des kamen einige, die sprachen zu ihm:
„Warum fasten die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht?“ Und Jesus sprach zu ihnen: „Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage.“

Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einer Hochzeit. Christus ist der Bräutigam, die Gemeinschaft der Christen ist die Braut. Die irdische Liebe zweier Menschen wird zum Gleichnis der göttlichen Liebe. Einander finden und einander haben macht glücklich. Wer sich liebt, will sich nie mehr loslassen. Alle Welt soll mitfeiern, Anteil haben an der Liebe. Zusammen will man durch dick und dünn gehen, alle Schicksale miteinander tragen und teilen.

Bei einer Hochzeitsfeier dürfen auch einmal Grenzen gesprengt werden, dürfen auch einmal Kinder länger aufbleiben, darf auch einmal mehr getrunken werden als sonst. Hochzeit heißt Hoch-Zeit des Lebens, heißt Feier der Liebe zweier Menschen, heißt Lebensfreude zulassen und einfach Glücklich-Sein. Dort, wo Jesus im Mittelpunkt steht, etwa in einem Gottesdienst, aber auch im tätigen Gottesdienst im Dienst für andere, in der Diakonie, da kann es einfach nicht freudlos und düster zugehen, da soll einfach etwas spürbar sein von dieser Lebensfreude.

Ein Hochzeitsfest - das ist ein Gleichnis für die Liebe Gottes zu uns Menschen. Als hätte er uns geheiratet: So hat sich Gott mit uns Menschen verbunden. Gott ist selbst Mensch geworden, schwacher, angefochtener, leidender Mensch - damit er unsere Nöte verstehen kann und uns nahe ist. Die Engel haben in der Nacht von Jesu Geburt gesungen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen, die ihm alle wohl gefallen.“ Ein gigantisches Ereignis war das Kommen Gottes in die Welt: Die Türen des Himmels taten sich auf. Engel wurden gesehen und verstanden. Gott kam nicht zum Gericht, sondern zur Rettung. Christus ist unser Heiland und Helfer - nicht der zornige Bestrafer. Gott erlöst und befreit. Versöhnung, Frieden, neue Hoffnung, neues Leben - das kam in die Welt im Stall von Bethlehem. Gottes endgültige Botschaft. Eine frohe Botschaft, ach mehr, die freudigste Botschaft überhaupt, die Botschaft von der Erfüllung aller Sehnsucht, der Beginn des alles umfassenden Schaloms, der großen Friedenshoffnungen der Menschheit.

Das soll der Grundton der Christen sein, der Grundakkord eines jeden Gottesdienstes. So, wie wir es eben am Anfang des Gottesdienstes mit den Worten Philipp Nicolais gesungen haben:
„Wie schön leuchtet der Morgenstern
voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn,
die süße Wurzel Jesse.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm,
mein König und mein Bräutigam,
hast mir mein Herz besessen;
lieblich, freundlich, schön und herrlich,
groß und ehrlich, reich an Gaben,
hoch und sehr prächtig erhaben.“

Es soll sein wie bei einer gelungenen Hochzeit: Alle feiern miteinander, keiner nimmt am anderen Anstoß, sondern freut sich, wenn auch andere sich freuen.

Aber das, liebe Schwestern und Brüder, kennen Sie doch auch: Bei jeder Hochzeit, bei jeder Feier, gibt es Menschen, die nicht mitfeiern. Solche, die am Rande stehen, missgünstig auf die Freude der anderen schauen. Die an der Sitzordnung herummäkeln oder an der Zusammenstellung der Speisen. Ich will einmal eine Lanze für diese Leute brechen. Vielleicht sind es solche, die es am nötigsten hätten, einmal ganz ausgelassen mitzufeiern. Die es nur im Augenblick nicht können. Weil irgendetwas ihr Innerstes verdunkelt, etwas in ihnen verschließt, was doch so gerne heraus und mitfeiern wollte. Es nützt nichts solchen Menschen, die wir ja vielleicht auch selber manchmal sind, zu befehlen: Nun freue dich gefälligst auch mit. Das klappt nicht. Wir können nur versuchen, sie einzuladen, zu überreden, mitzureißen in eine andere Welt, in der es nicht um Ordnung und Richtigkeit, sondern um Lebensfreude und Lebensgenuss geht.

Solche Menschen, die sich mit dem Feiern schwer tun, gibt es auch in der Kirche. Sie fragen: Muss es da nicht - trotz „froher Botschaft“ - auch ernst und gewissenhaft zugehen? Sie kennen sich gut aus mit den Ordnungen und Traditionen - und fühlen sich da sicher. Zuviel Freude und neue Wege verunsichern sie. Traditionen sind ihnen wichtig.

Auch das Fasten kann eine sinnvolle Ordnung sein. Es befreit von Überflüssigem, macht Platz für das Wesentliche.

Zum Fasten sagte aber auch schon der Kirchenvater Augustin: „Glaube nicht, dass Fasten genügt. Das Fasten strengt dich an, aber es stärkt nicht deine Geschwister. Deine Entbehrungen würden fruchtbar werden, wenn du einem anderen ein Geschenk davon machtest. Gewiss hast du auf etwas verzichtet. Aber wem wirst du das geben, auf das du verzichtet hast?“

Das Fasten ist nur Mittel zum Zweck, niemals Selbstzweck. Und was für das Fasten gilt, gilt auch für menschliche Traditionen überhaupt. Ziel ist immer die Lebensfreude, das MEHR an Leben, das Christus in die Welt gebracht hat. Und diese Freude ist nur dann glaubwürdig - und wirkt vor allen Dingen ansteckend auf andere - wenn nicht nur von ihr geredet wird, sondern wenn sie vor allen Dingen vorgelebt wird. Düstere, freudlose Menschen sind keine guten Botschafter der Liebe Gottes.

Aber düstere, freudlose Menschen sind dennoch und gerade willkommen auf dem Fest der Liebe Gottes. Sie sollen hineingenommen werden in die Gemeinschaft der Kinder Gottes, (so wie Carlotta) sie sollen mit anderen zusammen und durch andere spüren: Gott ist auch für mich Mensch geworden, ich bin ihm so unendlich wichtig, als wäre ich sein einziges Kind.

Fasten muss wie alle Tradition immer einen Zweck erfüllen. Allein Feiern braucht keinen Zweck. Deshalb ist die Feier des Lebens das Wichtigste. Und sie hat einen Grund: Durch Christus bekommen wir das Leben geschenkt. Jetzt. Daran sollen wir uns halten und an nichts anderem. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herren. Amen.



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© Ev. Kirche Bad Lippspringe 14.01.07