V.Reihe: Johannes 12, 34-36
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Der Predigttext steht im Johannesevangelium im 12.Kapitel:
Das Volk
sprach zu Jesus: „Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus
in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss
erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn?“ Da sprach Jesus zu
ihnen: „Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt,
solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht
überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er
hingeht. Glaubt an das Licht, solange Ihr’s habt, damit ihr Kinder
des Lichtes werdet.“ Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich
vor ihnen.
Gott, segne dein Wort an uns allen. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
aus einem Katalog eines großen Paderborner Einkaufmarktes. Ich lese vor:
„Ach, was kann es schöneres geben,
als im Hasenland zu leben.
Friede, Freude, Eierkuchen,
ab und an mal Eiersuchen.“
Auf vielen Hochglanzseiten: Osterschmuck. Bei vielen ist der
Weihnachtsschmuck noch gar nicht weggeräumt - aus Tradition tun dies
manche erst am 2.Februar, an Mariä Lichtmeß. Da geht es mit
Riesenschritten schon wieder Richtung größtes Fest der Christenheit,
nämlich Ostern. Doch dieses Fest ist alles andere als „Friede, Freude,
Eierkuchen, ab zu an mal Eiersuchen“. Schon ab der nächsten Woche
beginnen wir mit der Vorpassionszeit, dann der Passions- und Fastenzeit.
Fest der Auferstehung, Friede und Versöhnung mit Gott und untereinander
gibt es nicht ohne das Gedenken an Leid und Tod am Kreuz.
„Das Volk“ damals hat das überhaupt nicht verstanden: „Der
Christus, der Erlöser, bleibt in Ewigkeit, er muss nicht erst erniedrigt
und dann erhöht werden!“ So hieß es. Erlösung, wahres Leben muss schön
sein, sagen wir heute. Schön und glatt, ohne Schmerz, in sich ruhend. Es
darf nichts wehtun, und es muss nichts erkämpft werden.
Jesus antwortet auf diese Ansicht nicht direkt. Was nützt es auch, einem
Menschen, der sich an eine bestimmte eingefleischte Vorstellung
klammert, etwas anderes einreden zu wollen? Es muss ihm ein neuer
Horizont eröffnet, ein neuer Weg gewiesen werden. Jesus sagt: „Glaubt an
das Licht, solange ihr’s habt, damit euch die Finsternis nicht
überfalle.“ Jesus weiß, wie schwer es den Menschen, selbst seinen
eigenen Jüngern, fallen wird, an ihn zu glauben. Das Kind in der Krippe,
dem sogar die Sterne gehorchen, den die Engel bewahren, dem die Weisen
aus dem Morgenland zu Füßen fallen, es wird nicht der strahlende
Weltenherr werden, sondern als Gescheiterter einen schmählichen Tod am
Kreuz von Golgatha sterben.
Nein, nicht Friede, Freude, Eierkuchen hat Jesus gebracht. Es gilt uns
heute am Übergang zum Gedächtnis des Leides und Todes Jesu genauso:
Glaubt an das Licht. Trotzdem. Damit ihr nicht resigniert und euch auch
abfindet: Alles bleibt ja doch beim Alten. Wir haben wie
selbstverständlich die Botschaft gehört: Gottes Sohn wurde Mensch, der
Frieden ist in die Welt gekommen. Und wenn wir einen Moment uns ehrlich
eingestehen, wie viel Unfrieden durch uns selbst, durch unser Verhalten,
unser Denken in den fast 30 Tagen des neuen Jahres schon wieder
ausgegangen ist.
Glaubt an das Licht. Das Licht - wir brauchen es lebensnotwendig. Ohne
Licht wäre es kalt und finster. Wir kommen ja gerade aus einer Zeit mit
vielen Lichtern: der Weihnachtszeit. Hell dekorierte Schaufenster,
beleuchete Straßen, Kerzen überall, der strahlende Weihnachtsbaum -
heute vielfach aus Sicherheitsgründen mit elektrischen Kerzen. Aber wenn
Christus sagt: „Seht auf das Licht! Lebt im Licht! - so meint dies nicht
das gleißende, kalte Neonlicht, sondern viel mehr den Schein einer
Kerze. Eine Kerze mit ihrem warmen Schein, die Licht gibt, indem sie
selbst verbrennt, sich verzehrt. Nicht umsonst gehören Kerzen auf den
Altar, auf den Tisch des Herrn, an dem das Abendmahl eingesetzt wird.
Und besonders bedeutungsstark ist die Osterkerze, das Licht der
Auferstehung, stärker als der Tod.
Das Licht, liebe Schwestern und Brüder, die Kerze, die sich selbst
verzehrt, das ist Christus selbst. Er will uns nahe sein im Leiden. Er
hat stellvertretend für uns den Kampf gegen alles Lebensbedrohende und
den Tod geführt und gewonnen. Nur ein solcher Weltenherrscher kann
letztlich wirklich von aller Angst und allem Unfrieden erlösen. Ein
Herrscher, der immer glatt und ohne Leid uns gegenübersteht, bleibt uns
fern und unerreicht.
„Einmal wollte sich der Teufel dem Heiligen Martin als Halt anbieten. Er
erschien ihm als König in majestätischer Pracht. Er sagte: „Martin, ich
danke dir für deine Treue! Du sollst erfahren, daß auch ich dir treu
bin. Du sollst jetzt immer meine Nähe spüren. Du kannst dich an
mir festhalten.“ Martin fragte: „Wer bist du eigentlich?“ „Ich bin
Jesus, der Christus“, antwortete der Teufel. „Wo sind deine Wunden?“
fragt Martin zurück. „Ich komme aus der Herrlichkeit des Himmels“, sagte
der Teufel, „ da gibt es keine Wunden.“ Darauf Martin: „Den Christus,
der keine Wunden hat, den mag ich nicht sehen. An dem Christus, der
nicht das Zeichen des Kreuzes trägt, kann ich mich nicht festhalten.“
Nur der mitleidende und stellvertretend für uns sterbende Christus kann
der Erlöser und Retter, das Licht des Lebens werden. Es gibt ihn nicht
als Sonderangebot, angepriesen auf Hochglanzpapier. Er muss selbst zu
uns kommen, sich uns schenken. Das niedliche Kind im Stall von Bethlehem
ist nicht zu haben ohne den Mann am Kreuz von Golgatha. Das heißt aber
für uns: Christi Nachfolge heißt immer auch, sein eigenes Kreuz auf sich
zu nehmen. Heißt, sich dem Leid zu stellen, das wir selbst anderen
Menschen zufügen. Deshalb dürfen wir uns nicht zurückziehen auf die
eigene Frömmigkeit. Händefalten allein und alles beim alten lassen,
heißt Gott nicht ernst nehmen, heißt seiner Ohnmacht der Liebe,
der Macht der Veränderung eben nicht trauen. Aber so wie der Schein der
Kerze nur zu haben ist, indem das Wachs der Kerze verbrennt, so müssen
auch wir uns verändern lassen. Darum lasst uns dem Licht vertrauen, dem
Licht Gottes. Lasst uns ernst machen mit Vertrauen und Liebe und lasst
uns zu Friedensstiftern werden. Lasst uns Schluss machen mit dem
falschen Friede, Freude, Eierkuchen. Gottes Licht scheint denen, die
sich in die Finsternis begegnen, die sich aufmachen, die ihm trauen und
seine Liebe leben wollen - auch wenn die Mächtigen sie verlachen und
alle rufen: es ist ja doch umsonst.
Und wenn es uns schwerfällt, unser Kreuz zu tragen, lassen Sie uns
gemeinsam immer weiter auf das Licht schauen, das mit Christus in die
Welt gekommen ist: er legt uns das Kreuz auf, aber es ist das Zeichen
unserer Erlösung. Er hilft uns beim Tragen, wenn wir es brauchen; denn
er will unser Heil und unsere Rettung.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure
Herzen und Sinne durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 28.01.07