
Von guten Mächten wunderbar geborgen
Predigt zu den Konfirmationen
am 24./25.4. und 5./6.5. 2007
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
Bonhoeffer:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen
mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen – und ganz gewiss an
jedem neuen Tag.
„Erwartung“,
was erwartet Ihr, was erwarten Sie, liebe Konfirmationsgemeinde, von
dieser Predigt? Dass sie nicht so lang ist, sicher. Und nicht
langweilig. Erwartet Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden eine
Abrechnung, ein Ausplaudern von diversen Ereignisse? Keine Sorge, das
passiert nicht. Oder befürchtet ihr, dass ich wieder Unverständliches
aus der Bibel erzähle, was so kilometerweit von Eurem Leben entfernt
ist.
Erwartungen müssen auch einmal durchbrochen werden. Darum komme ich zu
Euch. Konfirmation kommt von Confirmare. Was heißt dieses lateinische
Wort? Was verbinden Sie damit? Wenn man so plötzlich ein Mikrofon
unter die Nase gehalten bekommt, ist einem das gar nicht so recht. Das
ist einem so unangenehm wie manchen, fotografiert zu werden (nicht
wahr?). Aber genauso ging es euch, den Konfis, vor fast 2 Jahren. Da
ist euch die Kirche in Gestalt des Pfarrers, plötzlich ganz nahe
gerückt. Gegen Kirche an sich hatten die meisten gar nichts – und
haben es auch heute eher nicht. Aber so eng muss es doch nicht sein:
einmal die Woche zum Unterricht, dann auch noch in die Kirche zum
Gottesdienst, dann Samstags zum Blockunterricht ... Dann muss man sich
mit dem Unverständlichen auseinandersetzen oder noch mit so
persönlichen Dingen: Woran glaubst du?
Erwartungen – die haben die Eltern schon so viele an einen, dass man
lernen muss, sich zu wehren. Die Eltern, Großeltern und Verwandten,
dann die Schule, die auch noch erschwerend hinzukommt. Immer muss man
alles wissen, können, leisten. Welche Erwartungen soll man noch
erfüllen? Wo komm ich denn eigentlich selbst vor, mit meinen Wünschen,
meinen Stärken, meinen Fähigkeiten?
Ach, übrigens, was heißt denn eigentlich wirklich „confirmare“ auf
Deutsch? Richtig: festmachen. Haben wir gut abgesprochen, nicht wahr?
Da soll das eigene Ich, die eigene Persönlichkeit festgemacht werden.
Festgemacht in Gott, der uns so annimmt, wie wir sind. In der Taufe
ist dies schon einmal geschehen – manche erinnern sich noch an die
eigene Taufe hier in der Kirche – und nun soll es noch einmal durch
euer eigenes JA zur eigenen Taufe festgemacht werden.
Dafür steht hier diese letzte Perle, die aus kostbarem Perlmutt
gefertigt ist und die ihr vor ein paar Tagen an euer eigenes
Perlenarmband des Glaubens aufgefädelt habt. Dieses Perlenarmband des
Glaubens hat uns die gesamte Konfi-Zeit begleitet, die besonderen
Stationen gekennzeichnet. Ihr bekommt es nach der Konfirmation mit –
und es soll euch nun auch weiter begleiten und erinnern an die
gemeinsame Zeit.
Am Anfang war die dicke Perle. Ihr erinnert euch an den ersten
Blockunterricht vor dem 1.Advent: Sie steht für Gott selbst. Gott, wie
ihr euch ihn vorstellt. Das habt ihr mal aufgeschrieben, wer Gott für
euch ist: Gott ist ein durchsichtiger, übermenschlicher Mensch, er ist
„ein Herz, das für uns alle klopft!“ Schöner kann es man kaum sagen.
„Eine große Hand, die uns Menschen beschützt und auf uns aufpasst.“
Gott wird mit der Sonne, aber auch mit einem Schutzengel
zusammengebracht. Und nicht wenige gaben an, dass sie Gott im
Gottesdienst in der Kirche spüren würden.
Gott ist wie Jesus -schrieb jemand. Und da sind wir bei der gelben
Perle. Sie steht für Jesus, für seine Auferstehung. Im Blockunterricht
am 4.März letzten Jahres haben wir über das Leiden und Tod von Jesus
nachgedacht, aber auch darüber, was es heißt, dass es für uns
auferstanden ist. Das hat auch etwas mit Erwartung zu tun: Wir haben
über Dietrich Bonhoeffer gesprochen, der wenige Wochen vor seinem Tod
im Konzentrationslager der Nazis diese hoffnungsvolle Erwartung
aussprechen konnte: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten
wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen –
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Das hat Eindrücke hinterlassen,
wie der Glaube an Jesus Kraft und Hoffnung verleihen kann.
Blau wie das Wasser – das Wasser haben wir nötig gehabt am 10.Juni,
als wir eine Schöpfungralley durch ganz Bad Lippspringe durchführten.
Es war unheimlich heiß und es mussten an die 7 Kilometer zurückgelegt
werden. Blau steht für die Schöpfung Gottes. Die Erde, auf der wir
leben, wird auch der „blaue Planet“ genannt. Gott hat sie geschaffen –
und wir Menschen sind auf dem besten Weg, sie kaputt zu machen.
Hierfür ein Gefühl zu bekommen und Kraft zu gewinnen, dagegen etwas zu
tun – dass kann auch der Glaube an Gott, den Schöpfer und Erhalter der
Welt leisten.
Rot wie die Liebe. Hier ist es die Nächstenliebe. Am 25.Oktober sind
wir nach Bethel zu den geistig und körperlich Behinderten gefahren.
Ich weiss noch, ich habe – auf Anordnung unserer Gastgeber in Bethel –
im Unterricht vorher deutliche Worte gefunden, dass man diese Menschen
mit Respekt behandeln sollte. Und aus eurer Mitte hat mich ganz
vorwurfsvoll jemand gefragt: „Ja, glauben sie denn, Herr Schuchardt,
wir würden nicht wissen, wo wir unsere Sprüche und Witze nicht machen?
Was trauen sie uns eigentlich zu?“ Und Ihr habt in Bethel den
richtigen Respekt, aber auch viel Interesse und Verständnis gezeigt.
Auch ein Grund, warum die Konfirmandengabe in diesem Jahr für Bethel
bestimmt ist. Und auch die Hälfte der Kollekte, die am Ende nach dem
Gottesdienst am Ausgang eingesammelt wird. Nicht nur an sich selber
denken, sondern auch die Menschen, die so ganz sind als wir es
erwarten. Mich hat beindruckt, dass dies keine leeren Worte für euch
waren, sondern dass ihr das für euch selbst so entschieden habt.
Da ist noch eine weiße Perle kurz vor der Konfirmation. Es ist die
Ich-Perle. Das eigene Ich, die eigene Person. Wer bin ich eigentlich?
Wir haben im Januar diese Jahres einen Blockunterricht „Zeit“ gemacht.
Womit fülle ich meine Zeit? Im Anschluss den Blockunterricht gab mir
jemand eine wunderbaren Text, den ich jedem von euch in die Mappen
gelegt habe, die ihr nach dem Gottesdienst bekommt. Nur die letzten
Zeilen lese ich vor:
„Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selbst zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um zu vergeben,
Ich wünsche Dir Zeit: Zeit zu haben zum Leben.“
Letztes
Bild: Das Kreuz bekommt Ihr nach der Einsegnung. Es ist unser Wunsch:
Gott sei mit euch. Im Zentrum des Kreuzes ein Weg, ein Straße. Euch
fällt sofort ein: Psalm 23: „Du führest mich auf rechter Straße um
seines Namens willen.“ Nicht jede Erwartung müsst Ihr erfüllen. Gott
will erfüllen, was Ihr von ihm erwartet: Das er bei ist, heute, morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.05.07