
Komm, wir finden einen Schatz
Predigt am Sonntag Palmarum - 1. April 2007
Pfarrerin Kerstin Heibrock, Bad Lippspringe
V. Reihe: Johannes 17,1-8

Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;
denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.
Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.
Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.
Liebe Gemeinde,
vertrauter als dieses – so vielfältig, ja verwirrend erscheinende
Gebet hier sind uns allen sicher die Gebete Jesu im Garten Gethsemane.
Jesus legt das, was ihn in der Abschiedsstunde besonders bewegt, in
Gottes Hand. Das tut er auch hier. Aber anders als in den
Gethsemane-Worten geht es hier um die Menschen, die ihm besonders am
Herzen liegen. Jesus weiß: er lässt traurige Menschen zurück,
Menschen, die nicht gleich und nicht immer verstehen, was geschehen
ist. Aber er lässt sie- er lässt uns nicht mir leeren Händen zurück,
sondern mit dem, was er gegeben hat- sein Leben lang. Daran erinnert
er sie- und uns.
Ich habe nachgezählt: neun mal kommt in diesen wenigen Sätzen das Wort
„geben“ vor. Jesus gibt den Menschen weiter, was er von Gott erhalten
hat. Und was er gibt, weitergibt, das sind wahre Schätze. Wenn wir
eine Schatztruhe hätten, so wie die Kinder vom Kinderbibeltag, dann
lägen mit diesen Worten Jesu drei Kostbarkeiten darin: Ich mache die
Truhe auf und finde: ewiges Leben, Gottes Namen und seine Worte.
Ein paar Gedanken zu diesen Schätzen- auch wenn sie schon aus sich
heraus leuchten.
Ewiges Leben: Unser Leben ist begrenzt, hat Anfang und Ende.
Dazwischen liegt unsere Lebenszeit. Je älter wir werden, umso
schneller vergeht sie- so scheint es wenigstens manchmal. Wir haben
nicht ewig Zeit, nicht für alles Zeit. Manchmal plagt uns die Angst,
etwas zu versäumen, mehr als die Angst vor dem Tod. Manchmal ist
unsere Lebenszeit zu sehr begrenzt.
Ewiges Leben- das ist nicht von dieser Welt. Das ewige Leben, sagt
Jesus, bedeutet: Gott zu erkennen. Deshalb, so denke ich, können wir
das ewige Leben nur erahnen. Meine Bilder dazu sind: Himmel, Zuhause.
Oder auch die winzige Zeit, wenn mein Sohn mich umarmt, meine Tochter
mich küsst. Was sind Ihre Bilder, Bilder Gottes, Bilder vom ewigen
Leben? Vielleicht nehmen Sie sich in dieser Woche ein wenig Zeit,
diesen Bildern nachzugehen...
Die Worte Gottes: Aus der Bibel sind uns wunderbare Worte Gottes
überliefert. „Es werde“, so lautete das erste. „Und siehe, es war sehr
gut“, lautete ein anderes. „Du bist mein geliebter Sohn“, spricht Gott
zu Jesus. Was spricht Gott zu Ihnen? Das Psalmwort, das Ihnen am
meisten zu Herzen geht vielleicht- Oder ein Wort Jesu, das mitten in
Ihr Leben trifft?
Es sind auch zornige und rätselhafte Worte Gottes überliefert. Sogar
von Gottes Schweigen ist die Rede. Vielleicht kann auch dies Schweigen
noch zu uns sprechen. Vielleicht müssen wir dazu ganz still werden.
Aber diese Erfahrung suchen wohl viele von uns noch.
Der dritte Schatz: Gottes Name. Wir können nicht nur Worte Gottes
hören, sondern auch selber zu ihm sprechen. Das hat Jesus uns
besonders gelehrt. Wenn wir Gott rufen, können wir wie er darauf
vertrauen, dass Gott da ist. Sein Name? Gott hat sich offenbart als
der „ich bin da“, als der „ich werde“. In unserem begrenzten Leben
eröffnet Gott damit eine Weite für uns. Bei allem, was wird, auch bei
uns, ist der „ich werde“ dabei, bei allen Umbrüchen, bei allem
schönen; aber auch bei allem Dunklen ist der „Ich bin da“ bei uns.
„Komm, wir finden einen Schatz“, liebe Gemeinde, am Kinderbibeltag,
und auch heute in den Worten Jesu im Johannesevangelium: ewiges Leben,
Gottes Worte und Gottes Namen. Dieser Schatz zeigt: wir sind, ich bin,
Sie sind - wertvoll, geliebt und kostbar.
Wenn wir das spüren, dann sehen wir etwas von Gottes Herrlichkeit, von
seiner Anwesenheit, dann sehen wir, dass er da ist, wir sehen das
Leuchten, das von Gott ausgeht und mit dem er uns erkennt.
Nicht immer ist das für uns sichtbar. Oft ist Gottes Herrlichkeit,
seine Gegenwart, verborgen. Für uns- vielleicht auch für Jesus, als er
verhaftet und gekreuzigt wurde. Vielleicht auf für die Gemeinde, für
die der Verfasser des Johannesevangeliums diese Worte Jesu aufschrieb.
Denn:
Gottes Gegenwart verhindert nicht Leid, Krankheit, Ungerechtigkeit,
Tod. Sie bedeutet nicht, das das Leben nur schön und heil ist.
Aber das Wissen um den Schatz, den wir haben, kann helfen, Schlimmes
zu überstehen und nicht zu vergessen, dass wir kostbar sind, wertvoll,
geachtet und geliebt.
Die Gegenwart Gottes - für Augenblicke ist sie da. Wie ein Wunder
bringt sie die Schätze, die wir haben, zum Leuchten, lässt uns glauben
an das, was Gott uns gibt: ewiges Leben, seine Worte, seinen Namen,
und am Ende und für alle Zeit sogar sich selbst in seinem Sohn. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 09.04.07