
Festhalten an dem, was wir als Hoffnung bekennen
Predigt zum 1. Advent - 2. Dezember 2007
Pfarrerin Kerstin Heibrock, Bad Lippspringe
VI. Reihe: Hebräer 10, 23-25
Lasst uns festhalten an dem unwandelbaren Bekenntnis zu dem, was wir erhoffen. Denn Gott hält treu an den Verheißungen fest. Und lasst uns aufeinander Acht geben und uns zur Liebe und zu guten Werken anspornen. Und lasst uns nicht den Versammlungen fernbleiben, wie es bei einigen Gewohnheit ist, sondern uns ermuntern, daran teilzunehmen. Dies umso mehr, als ihr den Tag näher rücken seht.
Festhalten an dem, was wir als Hoffnung bekennen - Vielleicht ist
es ja auch dass, was Sie heute morgen hergeführt hat, liebe Gemeinde,
von der Kerze, die an Ihrem Adventskranz brennt, hierher, wo ein Licht
für viele leuchtet.
Zusammen mit anderen sich zu einer gemeinsamen Hoffnung zu bekennen.
An der Hoffnung und dem Bekenntnis der anderen teilzuhaben, weil das
der eigenen Hoffnung aufhilft. Weil das gemeinsame Bekenntnis, in den
Liedern, den Gebeten, dem "Credo", dem Glaubensbekenntnis, dem "Ich
glaube" sich stärken kann am Bekenntnis der anderen. Weil die Hoffnung
eine Form erhält und so fester wird.
Vielleicht hat uns heute hierhergeführt, weil es gut ist, immer wieder
zu hören: Gott bleibt seinen Verheißungen treu. Seinem Volk Israel,
das er zurückführt aus der Verstreuung. Und uns, die er zu Brüdern und
Schwestern Jesu gemacht hat, auch.
Ich weiß, liebe Gemeinde, dass ein großer Teil von dem, was unseren
Glauben ausmacht, sich zwischen jedem einzelnen und Gott abspielt. Er
findet statt im persönlichen Gebet, in Gedanken, unausgesprochenen
Worten, an allen Orten, wo Menschen sind, unter seinem Himmel so gut
wie im Krankenhaus, am Bett unserer Kinder genauso wie im Wald.
Aber ein anderer Teil unserer Beziehung zu Gott hat seinen Ort in der
Gemeinschaft von Christinnen und Christen, die sich in Gottes Nähe und
auf der Suche nach ihr versammelt- hier in der Kirche, im
Gottesdienst, in der Gemeinde. Hier ist eine Gemeinschaft, die größer
ist als ich- das ist Jesu Versprechen, unter uns zu sein - und die
doch durch uns unsere Hoffnung von Gottes kommendem Reich sichtbar
macht.
"Lasst uns aufeinander Acht geben"- Acht, so habe ich nachgeschlagen,
ist eigentlich Aufmerksamkeit, ist Fürsorge. Wie schön ist es, wenn
wir den anderen nicht "außer acht lassen"- sondern ihn wahrnehmen, ihn
beachten.
Vielleicht schauen wir uns einmal um. Wer sitzt neben mir, wer hinter
mir, wer vor mir? Wer glaubt neben mir, mit all seiner Lebens- und
Glaubenserfahrung, mit allem, was Gott ihm oder ihr geschenkt hat?
Wissen Sie, was ich so schön finde an unserer Gemeinde: Dass wir so
verschieden sind. Da gibt es Menschen, die aus Russland kommen genauso
wie alteingesessene Lippspringer. Da gibt es eher Konservative und
welche, die Neues suchen und einbringen. Da gibt es Frauen und Männer,
Kinder und Jugendliche. Wir sind sicher nicht immer einer Meinung.
Aber das wäre doch auch schrecklich.
Aber was wir immer sollten: Füreinander Acht tragen. Gott kommt da
nah, wo wir mit den anderen und auch einmal für den anderen hoffen und
bekennen. Dann entsteht mit Gottes Hilfe eine Gemeinschaft, von der
wir uns getragen wissen. Die unser Bekenntnis stärkt. Die unsere
Hoffnung trägt.
In seinen Bekenntnissen beschreibt Augustin, wie so eine Gemeinschaft
aussehen kann. Vielleicht kommen manchem diese Worte bekannt vor. Ich
habe sie vor vielen Gottesdiensten schon mal gelesen. Aber weil sie so
wunderbar sind und so viel Lust machen auf ein Leben mit anderen in
der Nähe Gottes, unter dem Licht unseres Adventskranzes für viele,
hier also noch mal:
Miteinander reden und lachen
sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen
zusammen schöne Bücher lesen
sich necken dabei, auch auch einander Achtung erweisen
mitunter sich auch streiten ohne Hass, so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut
manchmal auch in den Meinungen auseinander gehen und damit die Eintracht würzen
einander belehren und voneinander lernen
die Abwesenden schmerzlich vermissen
die Ankommenden freudig begrüßen
Lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen
sich äußern in Miene, Wort und tausend freundlichen Gesten
und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entflammen
so dass aus den Vielen eine Einheit wird
Augustinus Bekenntnisse
Jeder und jede mag diese Worte für sich ergänzen. Und das Leben als
Christ oder Christin, geht sicher in ihnen nicht auf. Aber vielleicht
fängt es so an. Hier - in der Gemeinschaft. Jetzt- im Advent. Solange
wir auf den warten, der wiederkommt, wie er versprochen hat.
Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre
unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 04.12.07