
Baustelle Kirche
Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis - 10. August 2008
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
VI.Reihe: 1. Korinther 3,9-15
Wir arbeiten gemeinsam an Gottes Sache. Ihr in Korinth seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bauwerk. Gott schenkte mir seine Gnade als Auftrag für Korinth, und so habe ich bei euch nach allen Regeln der Kunst ein Fundament gelegt. Ein anderer wird darauf weiterbauen. Wie er das tut, das ist allein seine Sache. Denn ein anderes Fundament als das, das ich gelegt habe, nämlich Jesus Christus, wird er nicht legen können. Mit welchem Material einer weiterbaut auf dem Fundament, ob es nun Gold oder Silber ist, kostbare Steine oder Holz, Heu oder Stroh, das wird alles offenkundig werden. Der Jüngste Tag wird es ans Licht bringen, denn Gottes Feuer wird sichtbar machen, wie das Werk jedes einzelnen beschaffen ist. Wenn das Bauwerk standhält, wird er belohnt. Wenn es verbrennt, wird er bestraft. Der Täter selbst wird zwar gerettet, jedoch so wie einer, der durchs Feuer gehen mußte.
Soweit unser Predigttext. Gott segne du unser Reden und unser
Hören. Amen.
Zwei Arbeiter sind bei ihrer harten Arbeit im Steinbruch.
Einer von ihnen blickt immer traurig in die Welt, der andere sieht
fröhlich aus.
Auf die Frage nach seiner Arbeit antwortet der, der traurig blickt:
„Ich haue aus diesen verdammten Brocken Steine“, der andere, der
fröhlich aussieht, gibt die Antwort: „Ich helfe beim Bau einer
Kathedrale.“
Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, zu wissen, wozu man etwas tut,
liebe Schwestern und Brüder. Ob man sich mit seinem Tun auf
vernünftigem, positivem Grund bewegt - oder ob alles nur sinnlose
Plackerei ist.
Das ist ja auch oft unser Problem. Warum morgens aufstehen, zur
Arbeit, zur Schule gehen, den Haushalt bewältigen, das tägliche
Einerlei, die täglichen Strapazen auf sich nehmen - was soll das, wo
ist der Sinn, der Grund dafür? Kennen Sie das nicht - wenn es gilt,
ein positives Ereignis vor zu bereiten - eine Reise, einen Ehrentag
vielleicht, dann die Arbeit von allein von der Hand. Und vor allem
klappt es dann auch mit dem Miteinander. Wenn alle dasselbe Ziel
haben, etwa in der Familie, auch bei der Arbeit, im Verein und eben
auch in der Kirchengemeinde - dann wird gar nicht mehr soviel Zeit mit
überflüssigem Gemecker vertan, dann wird auch einmal eine Anweisung
gern befolgt, man lässt sich etwas sagen, weil es dem gemeinsamen Ziel
nutzt.
Der Apostel Paulus bringt das Beispiel vom Hausbau: Einer hat das
Fundament gelegt. Das Fundament ist gut, fest, hält etwas aus. Nun
muss weitergebaut werden. Wenn die Menschen, die jetzt weiterbauen,
ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, dann wird auch etwas
Vernünftiges entstehen, gleichgültig aus welchem Baumaterial. Paulus
hat auch die Vorstellung, dass es am Ende ein Gericht, eine
Beurteilung über das Haus und die Bauleute geben wird: Diejenigen, die
sich bewährt haben, die gute Arbeit gemacht haben, werden belohnt, die
aber, die Schlechtes angerichtet haben, werden erkannt, aber sie
werden - und hier wird die Gnade und Barmherzigkeit Gottes sichtbar -
nicht verstoßen, sondern bleiben angenommen.
Was mir wichtig ist, liebe Schwestern und Brüder: Es gibt in der
Kirche, in der Gemeinde ein gemeinsames Fundament. Auch wenn wir uns
dessen gar nicht so bewusst sind. Wir sind so erzogen, immer erst die
Unterschiede wahrzunehmen, uns abzugrenzen von anderen. Aber es gibt
so viel gemeinsame Grundlage: Die Taufe, den Versuch, den Glauben an
Gott zu leben, ja, das ganze Menschsein: die Freude aber auch die
Angst und Sorge angesichts von Krankheit und Sterben.
Manchmal tut es einfach gut, dieses gemeinsame Fundament zu spüren.
Gerade weil unser Leben oft wie eine Baustelle ist. Da haben wir etwas
gemeinsam zu bauen begonnen - aber die Mitarbeiter sind andere Wege
gegangen. Dort ist eine Mauer gebaut worden, die andere wieder
eingerissen haben. Stress ist auf der Baustelle, Enttäuschung, Ärger
über die Quertreiber und Nörgler, sowenig Gemeinschaftsgefühl.
Liebe Schwestern und Brüder: Es gibt ein großes gemeinsames Fundament.
Und es lohnt sich darauf Neues zu bauen - weil es nicht egal ist, was
auf dieser Baustelle passiert, sondern am Ende die Arbeit beurteilt
werden wird. Das Fundament hat letztlich Gott gelegt. Als ich die
Lieder für diesen Gottesdienst herausgesucht habe, ging es mir so,
dass ich ungeheuer viele Texte fand, in denen es um Fundament, Grund,
Hausbau ging. „Ich hab nun meinen Grund gefunden“ - „Mein Auge
schauet, was Gott gebauet“ - „Alles vergehet, Gott aber stehet ohn
alles Wanken;
seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund.“ -
Ich wusste gar nicht, für welche Lieder ich mich in diesem
Gottesdienst entscheiden sollte. Aber die Bibel selbst enthält ja auch
viele zentralen Stellen, die vom Fundament des Glaubens handeln. Ja,
so ist geradezu die Mitte der Bibel: Gott hat sich unser erbarmt. Er
ist stark und nahe, unser Schöpfer und Erhalter, Erlöser und Erretter.
Auf ihnen können wir uns verlassen im Leben und im Sterben. Das ist
die Grundlage. Aber dann hat Gott darauf verzichtet, bis ins letzte
festzulegen, wie denn unser Leben aussehen kann. Er lässt uns die
Freiheit, er lässt Leben zu. Und Leben heißt Bauen - auch Einreißen -
auch Umgestalten, Ausgestalten. Wenn uns unser Leben - auch in der
Kirche - als Baustelle vorkommt, so ist das Gottes Wille und nichts,
was zur Besorgnis Anlass geben sollte.
Ich bin davon überzeugt, dass es ein festes, sicheres Fundament gibt,
dem wir viel mehr trauen können, als wir es oft tun. Dass dieses
Fundament viel mehr aushält, als wir mit unserem beschränkten Horizont
und unserem beschränkten Maß an Gelassenheit und langem Atem vermuten.
Die Kirche ist - wie das Leben - eine Baustelle: Seien wir nur
überzeugt, dass es da einen gibt, der schon einen Bauplan im Kopf hat,
auch wenn er uns noch so verrückt zu sein scheint - dann können wir
uns auch als Bauleute viel besser vertragen, können akzeptieren, wenn
sich welche abwenden, können es um so mehr freuen, wenn neue
hinzukommen und alte wiederkommen - eben wie Bauleute, die wissen,
dass sie an einer Kathedrale mitbauen und nicht nur sinnlos Steine
hauen. Gott schenke uns immer neu diesen gemeinsamen Geist, der
aufbaut und ermutigt. Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 10.08.08