
Nicht harte Arbeit und schwere Last
Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis - 24. August 2008
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
VI. Reihe: 1. Thessalonicher 5, 14-24
Liebe Gemeinde,
der Predigttext für den 14. Sonntag nach Trinitatis steht im 1.
Thessalonicher-Brief im 5. Kapitel. In der Übersetzung der "Bibel in
gerechter Sprache" lautet er:
Wir ermahnen euch, Brüder und Schwestern: Bringt
die, die keine Regeln einhalten, auf den richtigen Weg, ermutigt,
die in Angst sind, kümmert euch um die Schwachen, habt mit allen
Geduld. Passt auf, dass niemand Böses mit Bösem an anderen vergilt,
sondern sucht immer das Gute untereinander und bei allen.
Freut euch immer, hört nicht auf zu beten, sagt Dank in jeder Lage,
denn dies will Gott von euch in 'Christus Jesus. Löscht die
'Geistkraft nicht aus, verachtet Prophezeiungen nicht, doch prüft
alles und behaltet das Gute. Von jeder Gestalt des Bösen haltet euch
fern.
Gott selbst ist der Frieden und möge euch durch und durch heiligen,
und ihr sollt an Geist, Seele und Körper unverletzt bewahrt bleiben,
so dass nichts an euch auszusetzen ist bei der Ankunft Jesu Christi,
dem wir gehören. Gott hat euch berufen, ist treu und wird dies tun.
Also, um den Predigttext noch einmal auf kurze Punkte zu bringen:
Mich beschleicht ein wenig so ein Gefühl wie damals, als ich das
erste Mal ohne meine Eltern, ganz allein, in ein Zeltlager fuhr. Da
waren auch die Ermahnungen meiner Mutter „Nicht zu wild sein, immer
schön dem Herrn Pastor gehorchen, nicht zu viel Süßkram essen,
Ordnung halten, Zähne putzen und so weiter“ noch eine ganze Weile in
meinem Ohr – mindestens noch drei Minuten nach Abfahrt des Busses.
Ermahnungen habe ich eher als lästig empfunden. Traute meine Mutter
mir gar nichts zu?
Ob die „Geschwister“ in Thessaloniki vielleicht ähnlich empfunden
haben? Was Paulus ihnen da schreibt: Mahnungen, so weit das Auge
reicht. Und geboren aus welcher Sorge? Dass sie sich daneben
benehmen könnten, die frischgebackenen Christen in der Gemeinde?
Dass sie vor der Welt ein schlechtes Zeugnis abgeben könnten für
ihren Herrn? „Macht ihm keine Schande“? Ich denke, davon hat es
etwas. Durchaus. Paulus ist besorgt. Wer durch Christus „ein neuer
Mensch“ geworden ist, der sollte diesem Neuen auch entsprechen. Und
wo zeigt sich am deutlichsten? Im Alltag, im ganz normalen Umgang
miteinander. Wo denn auch sonst?
Jeder Einzelnen dieser Ermahnungen könnte nun eine kleine Predigt
gewidmet werden, aber seien Sie unbesorgt, ich werde das jetzt
lieber lassen.
Denn damit erhält der Glaube, die Existenz als neuer Mensch so viel
Schwere. Ich hätte Angst, das alles nicht zu schaffen, erdrückt zu
werden unter der Last der ganzen Anforderungen.
Was soll ich denn noch alles tun? Und wenn ich es nicht schaffe, bin
ich dann keine gute Christin? Mache ich Gott dann Schande?
Ich habe noch gut meine Reaktion auf die gut gemeinten Ermahnungen
meiner Mutter im Ohr, damals, vor der Fahrt ins Zeltlager: nach der
dritten Ermahnung wurde ich unwillig, nach der vierten bockig und
spätestens nach der fünften habe ich meine Ohren abgeklappt – und
wie gesagt, drei Minuten später alles vergessen.
Oder eben nicht alles, denn sie hat zum Abschied auch noch gesagt:
hab viel Spaß und vergiss nicht, wir haben dich lieb.
Auf diesem Hintergrund war ich auch mit den Ermahnungen wieder etwas
versöhnt.
Und ich vermute, auch Paulus weiß, das seine Ermahnungen an die
Gemeinde in Thessaloniki nichts ausrichten, wenn sie nicht auf einer
guten Basis gründen. Er schreibt:
Gott selbst ist der Frieden und möge euch durch und durch heiligen, und ihr sollt an Geist, Seele und Körper unverletzt bewahrt bleiben, so dass nichts an euch auszusetzen ist bei der Ankunft Jesu Christi, dem wir gehören. Gott hat euch berufen, ist treu und wird dies tun.
Deshalb, weil Gott uns heiligt, uns berufen hat, treu ist und uns
unverletzt bewahren will, deshalb werden alle diese Dinge, die
Paulus anmahnt, tragen, trösten, beten, das Böse meiden, das Gute
suchen, deshalb wird all das eben nicht zur harten Arbeit und
schweren Last an der wir scheitern müssen. Deshalb wird all das zur
normalen Lebensäußerung wie einatmen und ausatmen.
Weil Gott uns liebt, können wir seine Liebe weitergeben. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 08.09.08