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Predigten
Schöne neue Welt der Globalisierung
Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis - 14. Sept.
2008
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Schöne neue Welt der Globalisierung! Liebe Gemeinde. Die Welt rückt
näher zusammen, Nachrichten und Güter werden blitzschnell
ausgetauscht und die günstigen Transportmöglichkeiten eröffnen ganz
neue Chancen. Rosen aus Kolumbien, mitten im Winter, Flug-Ananas aus
Kenia, T-Shirts für drei Euro und Urlaub für 300 € all inclusive,
alles inklusive. Wenn nur die Spielverderber und Spaßbremsen nicht
wären. Allen voran die Kirchen und dann diese Bio- und ÖkoFreaks.
Die bei allem sofort den mahnenden Zeigefinger heben und Bedenken
anmelden. Die dastehen und verkünden, nur Öko und Bio und Fair ist
gut, alles andere minderwertig und moralisch so wie so verwerflich.
Aber die haben ja auch meistens gut reden. Von einem gesicherten
Gehalt ist es einfach, die teuren Produkte zu kaufen und alles
andere zu kritisieren.
Aber wie sieht es denn aus, wenn man von einem kleinen Lohn eine
große Familie durchbringen muss, wenn man zusehen muss, wie die
kleine Rente für einen Monat reicht, oder wenn man auf Harz-4
angewiesen ist? Da kommt jedes Sonderangebot, jedes Schnäppchen
gelegen. Da wäre es zwar schön, hochwertig und fair einkaufen zu
können, theoretisch, aber praktisch wird es dann doch das Angebot
von „Bloedl“.
Und ist fair gehandelt wirklich immer fair?
Bei einem Besuch in Südafrika, auf einem Weingut mit
Fair-Trade-Siegel erfuhren wir, dass statt nur einem Gutsherren nun
10 Menschen am Wein verdienen, das aber immer noch an die 200
Menschen als Tagelöhner von der Hand in den Mund leben müssen. Wir
haben untereinander noch lange und heiss diskutiert: Unsere Träume
von „fair“ sahen anders aus.
So schön wäre es, wenn wir unsere Welt, unser Leben wirklich in
schwarz und weiss in böse und gut einteilen könnten und danach unser
Handeln ausrichten. Aber so einfach ist das nicht, ist es nie
gewesen.
Unsere Welt ist nicht einfach schwarz oder weiss, sondern hat viele
Graustufen und noch mehr Farben in allen Schattierungen.
Wir, Sie und ich, wir alle, egal wie alt, müssen täglich
Entscheidungen treffen. Und wir müssen dann die Konsequenzen dieser
Entscheidungen tragen.
Und wir sind aufgerufen, den Handlungsrahmen, in dem wir leben, auch
zu nutzen.
Was bedeutet das konkret?
Ich kann dafür sorgen, dass sich nicht die allgemeine Auffassung
durchsetzt, Kühe seien Lila und Schokolade würde in der Schweiz
angebaut.
Je nach den finanziellen Möglichkeiten kann ich so bewusst und
vernünftig wie möglich einkaufen – und wahrscheinlich ist das
Schnitzel, das vom Schwein stammt, welches hier in der Umgebung
aufgewachsen ist, deutlich vernünftiger, als das schönste
Bio-Schnitzel aus Südfrankreich mit langen Transportwegen.
Auch beim Wein, um auf das Beispiel zurückzukommen, muss ich mich
entscheiden, kaufe ich den Wein, an dem ein Gutsherr verdient, oder
den, an dem die neun anderen mitverdienen, oder nehme ich vielleicht
eher den Wein, den eine Genossenschaft produziert, die nicht gerade
10.000 Kilometer weit weg arbeitet.
Brauche ich wirklich Erdbeeren im Dezember, Spargel das ganze Jahr
und DominoSteine schon im August?
Gott möchte, das wir gut leben im umfassenden Sinn des Wortes. Dazu
gehört, die Produkte, mit denen ich mein Leben erhalte und
verschönere, zu achten, als Lebensmittel, nicht nur als
Verbrauchsware. Dazu gehört, die Menschen zu achten, die diese
Produkte produzieren. Auch mal nachzufragen, wie denn eigentlich die
Produktionsbedingungen aussehen.
So spricht Gott: Bewahrt Recht und tut Gerechtigkeit, denn die
Rettung, die ich bringe, ist nahe und meine Gerechtigkeit offenbart
sich. Glücklich ist unter den Menschen, der so handelt, und jedes
Menschenkind, das sich daran festmacht. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe
24.09.08