
Weihnachten ist anders (2)
Predigt am 2. Weihnachtstag - 26.12.2007
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Das kostbarste Gut, das man besitzt, versteckt in einem Stall, bei den Tieren. Niemand mit gesundem Menschenverstand kommt darauf, nach Kostbarkeiten in einem Stall zu suchen, oder etwa nicht?
Für mich ist diese Erinnerung zu meinem Weihnachtsgleichnis in diesem Jahr geworden.
Gott birgt sein Kostbarstes, seine Anwesenheit, im Stall von Bethlehem. Und nur die, denen dieses Gut etwas bedeutet, finden Zugang.
Und dann:
Nur, was auch aus dem Stall wieder herauskommt, behält seinen Wert. Hätte die Familie die Bibel im Stall gelassen, wäre sie irgendwann vergessen worden, mit dem Stall abgerissen oder zusammengebrochen, nur noch Abfall.
Wenn wir Gott nur das niedliche Kind im Stall sein lassen, dann verliert auch Weihnachten seinen Wert. Dann bleibt Gott nur niedlich, dann haben wir einmal im Jahr etwas für`s Herz, was ja das Jahr über sonst auch immer zu kurz kommt, dann ist zwar alles nett, a merry little christmas, eine fröhliche kleine Weihnacht, wie ein beliebtes Lied suggeriert, aber eben auch nicht mehr.
Jedoch: Gott wurde Mensch, mit allen Konsequenzen.
Und was das heißt, davon könnte eigentlich die Familie von Tim Ole, den wir gerade getauft haben, viel besser erzählen als ich. Im Moment st er ein niedliches, nettes Kind. Aber ich vermute, er kann auch anders. Nachts, wenn er Bauchschmerzen hat, oder Hunger. Wenn ihm kalt ist oder zu heiß. Oder, oder, oder….
Er stellt Ansprüche an seine Eltern, seine Geschwister, seine Umgebung.
Auch Jesus wurde größer, erwachsen. Er blieb nicht das herzige kleine Jesulein in der idyllischen Krippe. Und auch Gott stellt Ansprüche. An uns, seine Menschen, für die er Mensch wurde, denn Weihnachten ist keine Selbstinszenierung Gottes, sondern ein „für uns“.
„Weihnachten ist anders“ – so titelt die Zeit in der aktuellen Ausgabe, für mich ein offenbar besonders eingänglicher Titel, denn ich zitiere ihn nun schon zum zweiten Mal in einer Weihnachtspredigt.
Ja, Weihnachten ist anders. Oder können Sie sich an ein Weihnachtsfest erinnern, an dem all Ihre Hoffnungen und Erwartungen erfüllt wurden? An das perfekte Weihnachten, sozusagen? Ich fürchte eher, Weihnachten war schon von Anfang an das Fest der kleinen Webfehler.
Weihnachten ist anders! Anders als wir es uns vorstellen. Anders als wir es erwarten. Anders als wir es erhoffen. Das mit Sicherheit.
Gott ist nicht in diese Welt gekommen, damit wir einmal im Jahr in die Kirche gehen, zu Hause zusammensitzen, etwas Gutes essen und Geschenke austauschen. All das darf sein, denn Gott will, dass es uns gut geht. Aber eben nicht nur einmal im Jahr und nicht nur an der Oberfläche.
Gott will, dass wir ihn auch aus dem Stall, aus der Krippe, herauskommen lassen.
Weihnachten?
Nach Gottes Willen das das nicht nur etwas für unser Herz, auch dafür, denn es kommt wirklich häufig genug zu kurz, aber eben nicht nur. Weihnachten, nach Gottes Willen steigt uns das zu Kopf und bringt uns auf völlig andere Gedanken.
Nach Gottes Willen ist Weihnachten etwas für den Bauch, denn es füllt die Bäuche der Hungernden. Es geht in die Hände, denn es macht uns zu handelnden. Und Weihnachten geht in die Füße, kann uns tanzen machen oder zumindest auf neue Wege bringen.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 29.12.07