
Weihnachten ist anders
Predigt im Jugendgottesdienst an Heiligabend - 24.12.2007
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Was wäre gewesen, wenn Maria nach der Begegnung mit dem Engel gesagt hätte: Nicht mit mir, ich bin viel zu jung. Ich habe etwas anderes mit meinem Leben vor – ein Kind ruiniert mir alles! So wie unsere Maria-Lena.
Oder was wäre gewesen, wenn Gott tatsächlich noch rund 2000 Jahre gewartet hätte und der Weg von Nazareth nach Bethlehem dann mit Auto möglich und die Nachricht statt mit Hirten wirklich per SMS verbreitet worden wäre, wie es Maria-Christine vorgeschlagen hat.
Was wäre gewesen wenn es nicht eine, so wie unsere Maria-Lea gegeben hätte, die mutig genug war zu sagen: ein Kind, wie schön. Jesus, das bedeutet Gott rettet, und die nicht die Hoffnung gehabt hätte, das sich wirklich etwas ändert durch dieses Kind.
Was wäre gewesen wenn…
Zumindest soviel: 2000 Jahre zu warten hätte nichts Entscheidendes gebracht:
Engel, die Gottes Willen und die Botschaft von seiner Gerechtigkeit verkünden, stehen heute nicht mehr so hoch im Kurs.
Bäume werden ohne zu zögern abgeholzt oder entwurzelt, um Platz zu schaffen für eine der neuen Bypass-Strassen, für nur eine Volksgruppe reserviert.
Der Weg von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem ins judäische Bergland wäre auch mit Auto nicht viel einfacher gewesen. Maria und Josef hätten etwa 5 permanente und vielleicht 7-12 mobile checkpoints überwinden müssen Kontrollstellen der israelischen Armee zwischen Israel und Palästina und innerhalb der palästinensischen Gebiete. Jesus hätte gute Chancen gehabt, in einer Warteschlange vor einem checkpoint geboren zu werden, wie auch andere Kinder heute.
Hirten würden wahrscheinlich nicht kommen, denn auch vom Gebiet der Hirtenfelder wurde einiges für eine Siedlung enteignet.
Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die Bettenkapazität in Bethlehem ist um ein vielfaches angestiegen und die Nachfrage ist aufgrund der politischen Situation nicht besonders hoch: Maria und Josef hätten wohl einen Raum in einer Herberge gefunden.
Muss das denn jetzt sein – werden vielleicht einige denken – unsere schöne Weihnachtsstimmung mit unangenehmer Tagespolitik zu ruinieren? Ich glaube, es ist zumindest angemessen, denn auch damals, vor 2000 Jahren wurde Jesus in eine politische Krisensituation hinein geboren: in einem Land unter römischer Besatzung, eine Zeit von Unterdrückung und Ausbeutung.
Hat also Maria-Lena recht mit den Worten, die sie in ihrem Herzen bewegt: was soll aus diesem Kind nur werden? Einer allein kann ja doch nicht tun.
Straft die Geschichte die Worte von Maria-Lea Lügen, die sagt: dieses Kind ist der Retter, in diesem Kind verändert Gott unsere Welt?
Weihnachten ist anders! Anders als wir es uns vorstellen. Anders als wir es erwarten. Anders als wir es erhoffen. Das mit Sicherheit.
Gott ist nicht in diese Welt gekommen, damit wir einmal im Jahr in die Kirche gehen, zu Hause zusammensitzen, etwas Gutes essen und Geschenke austauschen. All das darf sein, denn Gott will, dass es uns gut geht. Aber eben nicht nur einmal im Jahr und nicht nur an der Oberfläche.
Wenn also Maria-Christine Recht hat und sie wirklich schon das Ende der Geschichte kennt, dann müssen wir wohl sagen: Tja Maria-Lena, besser du hättest dich durchgesetzt, wärst in Nazareth geblieben, hättest vielleicht Karriere gemacht als das erste Top-Model der Provinz Syrien, in der Quirinius Statthalten war, oder so ähnlich.
Wenn Maria-Christine wirklich Recht hat, und dieser Jesus Dinge tat, die an Magie grenzten, dann doch von einigen verraten wurde und das das Ende der Geschichte ist.
Dann ist wirklich „Wer wird Millionär“ die einzige Hoffnung der Armen und wer „do it yourself“ –Mach’s selbst im Handwerken wie im Leben eben nicht beherrscht, hat Pech gehabt.
Hätte aber Maria-Christine Unrecht, und würden wir alle noch mitten drinstecken in der Geschichte Gottes mit seinen Menschen – dann, ja dann gäbe es noch Hoffnung, wirkliche Hoffnung. Die Hoffnung, dass sich mit der Geburt im Stall damals wirklich etwas verändert hat und noch verändern kann. Dass Gott wirklich bei seinen Menschen ist, damals und immer noch.
Dass wir nicht nur unbeteiligt im Publikum sitzen und zuschauen müssen, sondern wirklich zum Chor der himmlischen Heerscharen werden, zu Engeln, die Gott loben und seine gute Nachricht allen Menschen weitersagen: Heute kam unsere Rettung zur Welt. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 29.12.07