
Woran glauben wir?
Predigt zum Sonntag Jubilate - 13. April 2008
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
VI. Reihe: Apostelgeschichte 17,16-25
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
der Predigttext steht in der Apostelgeschichte des Lukas im 17.Kapitel:
„Paulus in Athen. Er war zutiefst entsetzt, dass die Stadt voll von Götzenbildern war. In der Synagoge predigte er den Juden und denen, die dem Judentum nahestanden. Tagsüber sprach er auf dem Marktplatz die Passanten an. Auch einige von den epikuräischen und den stoischen Philosophen kamen mit ihm ins Gespräch. Einige sagten: „Was will denn diese Saatkrähe hier mit ihren aufgepickten Weisheiten?“ Andere meinten: „Er scheint uns mit fremden Göttern missionieren zu wollen! Er verkündet Jesus und Anastasis!“ Die Zuhörer verstehen das griechische Wort Anastasis - Auferstehung nicht und halten es für den Namen einer weiblichen Gottheit. Wieder andere nahmen ihn mit, führten ihn zum Areopag und fragten ihn: „Können wir mehr über deine neuen Lehransichten erfahren? Manches klingt fremd für unsere Ohren. Wir möchten gerne wissen, was es damit auf sich hat.“ Die Athener und die Durchreisenden in der Stadt sind dafür bekannt, dass sie ständig damit beschäftigt sind, Gerüchte über das jeweils Neueste in Umlauf zu setzen.
Paulus trat in die Mitte des Areopags und sagte: „Liebe Athener! Ich sehe, dass ihr sehr religiös seid. Auf meinem Weg durch die Stadt habe ich viele Zeugnisse euerer Frömmigkeit gefunden, darunter sogar einen Altar mit der Inschrift „Für einen unbekannten Gott“. Ich bin hier, um euch den zu verkündigen, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen. Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was in ihr ist,
der ist auch der Herr des Himmels und der Erde.
Deshalb wohnt er nicht in Tempeln, die von Menschenhand gebaut sind. Da er keine Bedürfnisse hat, muss er auch nicht von Menschen versorgt werden. Denn er selbst gibt alles Leben, die Luft und alles Nötige.
Soweit unser Predigttext - Gott, segne dein Wort an uns allen. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
Mitteleuropa, wozu auch die Bundesrepublik Deutschland gehört, ist Missionsland geworden. In den Ländern, von denen früher die Missionsbewegungen hin in aller Herren Länder gingen, ist das Christentum so aus dem allgemeinen Leben verdrängt worden, dass wir längst selbst missioniert werden müssten. Das ist eine These, die heute gar nicht mehr bestritten wird.
Wenn wir uns heute umsehen in unserer Gesellschaft, dann stellen wir fest: Menschen glauben an alles Mögliche: an Horoskope und Sternzeichen, andere glauben an Geister und himmlische Wesen, andere glauben nur an sich und an das, was auf ihrem Bankkonto liegt. Erschreckend sind die Umfrage-Ergebnisse, was Menschen heute mit den großen kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder gar Pfingsten verbinden. Auferstehung der Toten, Gottes-Sohnschaft Jesu - für ganz viele Fremdworte.
Erschreckend - erschreckend wie es für Paulus war, in Athen all die Gottesbilder von heidnischen Gottheiten zu sehen. Feststellen zu müssen, woran Menschen ihr Herz hängen, wenn sie noch nichts von dem lebendigen Gott, dem Vater Jesu Christi gehört haben. Sie schlagen Figuren aus Granitblöcken und meinen, die würden ihr Leben beeinflussen und die würden sie glücklich machen.
An Paulus können wir lernen, wie wir Menschen überzeugen sollen von der Wahrheit des christlichen Glaubens. Er fängt nämlich nicht an zu schimpfen, wie dumm und verblendet die Griechen in Athen wären - so wie wir allzu schnell die Menschen verurteilen, die ohne Bezug zum christlichen Glauben leben. Die Jugendlichen etwa, die oftmals ohne biblische Geschichten, ohne regelmäßiges Beten und ohne Vorbilder im Glauben aufwachsen. Menschen, die aus dem Gebiet der ehemaligen DDR stammen, wo ganz systematisch der christliche Glaube eben nicht zum Leben dazugehörte. Können diese Menschen etwas dafür? Je mehr wir verurteilen - und es wird kräftig verurteilt gerade in überzeugten christlichen Gemeinschaften - desto weniger werden wir andere Menschen zum Glauben einladen oder sie überzeugen.
Ganz anders Paulus: Er schaut sich genau um - und er knüpft dort an, wo die Menschen in Athen ihn verstehen können. Und deshalb fängt er mit dem an, was die Menschen statt des christlichen Glaubens verehren, anbeten auf einen Altar stellen.
Griechenland,
Athen – auch damals beim Apostel Paulus gab es schon den Sport, ja
sogar die Olympischen Spiele. gegen Sport ist nun gar nichts zu sagen
– solange er fair bleibt, eben ein sportliches Messen der eigenen
Kräfte. Nun ist das aber nicht immer so. Olympiade – das steht ganz
aktuell auch für Politik, für viel Geld und Macht. Und Olympiaden
stehen für übertriebenen Ehrgeiz, für Doping, für Todesfälle aufgrund
der Einnahmen unerlaubter Mittel. Wenn der Sport zum Gott wird, zum
Götzen, dann macht er unfrei. Wenn Anhänger eines Vereins etwa im
Fußball zu fanatischen Schlägern werden, dann vielleicht auch deshalb,
weil dieser Verein zu einer Ersatzreligion geworden ist. Es gibt aber
keinen Fußballgott und auch ein noch so begnadeter Sportler kann nicht
die eigenen Probleme lösen. Sport bleibt die schönste Nebensache der
Welt. Die Hauptsache aber, nämlich den Glauben an den lebendigen Gott,
kann er nicht ersetzen. Nur Gott, der Vater Jesu Christi, kann Gebete
erhören und erfüllen. Und vor ihm gibt es wirklich immer noch
wichtigeres als den Sieg im Sport, sei es die Goldmedaille oder die
Meisterschaft. Bei Gott sind wir die Ersten , so wie wir sind – er
liebt nicht nur die Sieger!
Ein Telefon steht für die ständige Rufbereitschaft der Menschen.
Überall, an jedem Ort der Welt, können wir erreicht werden oder andere
erreichen. Das kann sehr angenehm sein, dass kann aber auch furchtbar
sein, ja der Telefon kann zur Sucht werden. Wie viele Telefonate
führen wir tagtäglich – aber wenn es wirklich drauf ankommt, dann ist
eben niemand da, der uns weiterhelfen kann – auch das haben wir doch
schon oft erlebt.
In einem uralten Psalm, lange vor der Erfindung des Handys, heißt es: „Gott spricht: Rufe mich an in der Not.“ Zu Gott gibt es eine Verbindung, die jedem Handy meilenweit überlegen ist. Gott sieht, was wir fühlen, was wir denken. An ihn können wir uns wenden in jeder Lebenslage – und er ist immer zu erreichen, braucht keine Mailbox. Er ist immer für uns da und lässt uns nicht allein.
Glücksbringer, Talisman, Horoskope, Aberglauben – wir wissen ja alle
Bescheid, dass man dem allen nicht trauen kann: Und dennoch: fast alle
Menschen tragen irgendetwas mit sich herum, um sich gegen das
Schicksal zu schützen. Darin steckt eine Sehnsucht nach Glauben. Wir
möchten in Frieden mit einer himmlischen Ordnung leben, wie immer sie
aussieht. Doch Jesus kommt ohne all diesen Aberglauben aus. Der Glaube
an ihn macht frei von falscher Abhängigkeit. Zu ihm kann man reden im
Gebet, seine Nähe spüren, etwa in einem Gottesdienst, auf ihn kann man
sich verlassen ohne jeder Unsicherheit wie bei einem Glücksbringer.
Gott bringt das Glück – wir brauchen nur auf Jesus zu schauen, der
unser Erlöser und Heiland ist – und die Sehnsucht nach Glauben, nach
Frieden mit der himmlischen Ordnung ist gestillt!
Auf dem Altar eines modernen Menschen steht ganz oben das Geld. Hier
ist es Spielgeld. Geld steht für Macht, für Anerkennung, für Erfolg.
Hast du viel Geld, dann bist zu etwas. Hinter der Gier nach Geld und
immer mehr Geld steht auch etwas Religiöses. Es ist der Wunsch, sich
sein eigenes Lebensglück zu kaufen. Wenn ich nur genug Geld habe, dann
kann mir im Leben nichts mehr passieren. Doch leider ist das nicht
wahr. Noch so viel Geld kann kein Glück garantieren. Im Gegenteil – so
manche reiche Menschen sind unglücklich, weil die Gier nach immer mehr
Geld sie beherrscht und sie immer Angst haben, ihr Geld zu verlieren.
Das wahre Lebensglück kann man sich nur schenken lassen. Gott hat uns
seinen Sohn Jesus Christus als Geschenk gemacht. Er nimmt uns an, so
wie wir sind: Arm, mittelreich, richtig reich – ganz egal. Gott macht
uns zu seinen Kinder, schenkt uns die Vergebung all unserer Schuld und
Sünde. Er hat uns durch seine Liebe losgekauft von dieser Schuld. Wir
sind bei ihm unendlich reich, können glücklich und frei sein, wenn wir
nur ihm vertrauen und an ihn glauben.
Und
so möchte ich den Getauften neuen Christen etwas schenken. Diese
Sachen liegen auf unserem Altar hier in der Kirche. Es ist eine Bibel
in moderner Sprache. Wer sie zur Hand nimmt, sie liest, sich mit
anderen darüber unterhält, die tiefen Weisheiten entdeckt, den Glauben
findet, den diese Bibel weckt, der wird sich vielleicht am Sport
freuen können, vielleicht auch am Geld, das sie Ihnen von Herzen
gegönnt, aber der wird mehr besitzen, als all das geben kann. Der
braucht sein Herz nicht an falschen Aberglauben hängen, der wird sich
nicht von Terminen und dem Hinterherrennen falscher Götter vom
Lebensglück abbringen lassen. Der Glaube an Gott wird ihn tragen und
halten – und er lässt sich immer wieder überprüfen und festmachen: Es
steht alles Wichtige zwischen diesen beiden Buchdeckeln, glauben sie
mir.
Auch
Marc-Noel bekommt schon eine Kinderbibel. Aber er bekommt noch diesen
kleinen frechen Engels-Anstecker. „Gott hat seinen Engeln befohlen,
dass sei dich behüten auf allen deinen Wegen. Wie gut, dass wir unser
Lebensglück nicht selbst schaffen müssen. Dass Gott in seiner Liebe
alles für uns bereithält. Wir müssen freilich seine Gabe anwenden,
sein Geschenk auspacken, den Glauben auch ergreifen und die
Gemeinschaft der Kirche suchen und festhalten. Aber Gott schenkt uns
ganz viel Kraft und gute Begleiter dazu. Engel –Boten Gottes. Das
können Menschen wie du und ich sein, das sind keine übernatürlichen
Erscheinungen. Wo einer dem anderen Christus und seine Liebe
nahebringt, das wird einer dem andern zum Engel. Für den Verstand,
der ja beim Glauben nicht ausgeschaltet wird, gibt es die Bibel, um
sich mit ihr immer wieder zu beschäftigen. Für das Herz, für alle
Sorge, Ängste, aber auch für die Freude, gibt es die Liebe, die sich
wie durch Engel an andere verschenkt und so immer neu den Glauben an
den einen Gott, den Vater Jesus Christi in alle Welt – und nun auch in
euch drei getaufte Christen weitergibt.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 13.04.08