
„Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten!“
Predigt zur Osternacht - 23. März 2008
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
VI. Reihe: 2.Timotheus 2,8a
2.Timotheus 2,8a: „Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten!“
Was bedeutet „auferstanden von den Toten“?
Im Ostergarten im St.Martinspfarrheim haben viele Menschen dies
erlebt. Viel Schönes könnte ich jetzt dazu sagen, aber an dieser
Stelle nur dieses:
Da war am Anfang dies Bild von der Grabeshöhle. Der Junge stand etwas zögerlich, gebückt, davor. Man muss in der Tat sich bücken, wenn man durch dieses Grab hindurchgehen will, den Vorhang zur Seite schiebt und endlich den wunderschönen Garten betritt – mit den blühenden bunten Blumen, dem sprudelnden Wasser und der brennenden Kerze.
Überwältigend schön. Man kann sich gar nicht satt sehen! Aber eines
wird mir auch deutlich: Wäre man gleich von Anfang an in den schönen,
bunten Garten gegangen: es wäre auch nett gewesen, aber längst nicht
so beeindruckend.
Es ist schon nötig, den ganzen Weg abzuschreiten, sich einzulassen auf
alle Stationen des Leiden Jesu: Vom Einzug in Jerusalem, über das
letzten Mahl mit den Jüngern, die Stunden des Zweifels im Garten
Gethsemane, den Verrat des Judas und der Gefangennahme, die
Verleugnung des Petrus, dann das Verhör vor Pontius Pilatus und
schließlich die unglaublich grausame Folterung und die Hinrichtung bis
in zu seinem Tod. Dann das Bücken, um durch den dunklen Vorhang des
Grabes zu gehen und zu schauen, was dahinter liegt.
„Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den
Toten!“
Der schönste Sonnenaufgang ist der nach einer langen, scheinbar nicht
enden wollenden Nacht. Wir wissen etwas erst dann so richtig zu
schätzen, wenn wir lange darauf verzichten mussten. Die Kirche weiß
davon, wenn sie in der Liturgie wochenlang auf Lobgesang und Halleluja
verzichtet, damit es am Ostertag umso ergreifender klingt.
Sich-Bücken, auch wenn es schwer fällt, um sich nachher umso freier
aufrichten zu können und sich dem Licht des Lebens entgegenzustrecken.
Dass heißt Ostern auf die Spur kommen. Heute lasst uns aber mehr von
der Freude, von der Lebensfreude sprechen als von dem, was uns
niederdrückt. Es gibt nämlich auch so eine Haltung, die sich auf das
Niederbücken beschränkt. Die gedanklich vor dem geschlossenen Vorhang
des Grabes stehen bleibt und gar nicht den bunten und fröhlichen
Ostergarten betreten möchte. Vielleicht, weil uns das Dunkle besser
gefällt, weil es vertrauter ist. Weil wir der Lebensfreude misstrauen.
Wie schade ist das – und wie unnötig. Die Lebensfreude ist der
Mittelpunkt und immer auch das Ziel aller christlichen Verkündigung –
so will es Jesus.
Ich weiß, als nüchterne, protestantische Kirche tun wir uns schwer mit
der strahlenden Lebensfreude. Seit Ostern wissen wir: Es ist Gott, der
den Tod ein für allemal besiegt hat. Jesus unbeirrbarer Glaube an
seinen himmlischen Vater und seine ungebrochene Lebensbejahung haben
gesiegt. Nicht braucht uns mehr Angst machen. Nichts in der Höhe,
nichts in der Tiefe. Keine engen Gänge und keine verschlungenen Pfade.
Als getaufte Menschen sind wir auf der Seite des Siegers. Deshalb ist
es so wichtig, die Botschaft von Ostern immer und immer wieder sich
zusagen zu lassen, an ihr festzuhalten und niemals zu vergessen: „Halt
im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten!“ Sie
soll uns eingeprägt bleiben, unauslöschlich, wir wollen sie wieder neu
erfahren in der Gemeinschaft von Brot und Kelch im Abendmahl zu dem
der Auferstandenen uns einlädt.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 25.03.08