
Der Tag Gottes
Predigt am Ewigkeitssonntag, 23. November 2008
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
VI. Reihe: 2. Petrus 3, 8-13
„Wahrlich ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod
nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem
Reich.“ (Mt 16,28)
Diese Worte waren von Jesus überliefert. Darauf hatten sie sich
verlassen. So warteten sie auf das Ende der Zeiten, auf die
Wiederkunft des Messias.
Aber mittlerweile schrieb man das Jahr 120 n.Chr. und nichts war
geschehen. Alle, die damals dabei waren, als Jesus seine Botschaft
verkündete, waren längst tot. Kein Weltuntergang. Kein Tag Gottes.
So passierte das, was passieren musste – wir kennen das auch
ziemlich gut. Erinnern wir uns an die Zeit vor acht Jahren. Auch zum
Jahr 2000, zur Jahrtausendwende, war der Weltuntergang angekündigt,
oder wenn nicht gleich die ganze Welt, dann doch der totale
Zusammenbruch der Computer-Welt. Erinnern Sie sich noch? Und
erinnern Sie sich auch, was passierte, als im neuen Jahr 2000 nichts
passiert war? Die Propheten des Untergangs wurden als Spinner
belächelt und verspottet.
Ich vermute, in einer ähnlichen Situation waren die Menschen, an die
der Petrusbrief, unser heutiger Predigttext, gerichtet ist.
Unsicher, was denn jetzt eigentlich wahr und verlässlich ist von den
Worten Jesu. Manche vielleicht im Begriff, die christlichen
Gemeinden wieder zu verlassen. Enttäuscht. Oder es ging einigen, wie
vielleicht den meisten von uns: wir hören vom Weltende, vom Tag
Gottes, aber so recht nehmen wir das nicht hinein in unseren Alltag.
Das Weltgericht, Weltuntergangsdaten, das ist eher ein Szenario, das
wir den Zeugen Jehovas oder religiösen Fanatikern überlassen.
In diese Situation hinein schreibt einer, der sich auf Petrus
beruft:
Dieses eine aber, ihr Lieben, sollt ihr nicht
übersehen: Ein Tag ist in den Augen Gottes wie 1000 Jahre und 1000
Jahre sind wie ein Tag. Gott zögert die Erfüllung der Verheißung
nicht hinaus. Das behaupten einige und sagen, es sei eine
Verzögerung. Vielmehr wartet Gott geduldig auf euch: kein Mensch
soll zugrunde gehen, sondern alle sollen den Schritt wagen und Buße
tun.
Der Tag Gottes aber wird kommen wie ein Dieb. An diesem Tag werden
die Himmel prasselnd vergehen, die Elemente aber werden vor Hitze
schmelzen und verglühen. Gott wird die Erde ansehen und wird alle
Taten finden, die auf ihr geschehen sind. Wenn auf diese Weise alle
Dinge aufgelöst werden, wie müsst ihr dann beschaffen sein? Als
Menschen, die ein Leben führen, das Gott gefällt und ganz auf Gott
ausgerichtet ist. Ihr erwartet, ihr beschleunigt die Ankunft von
Gottes Tag, an dem die Himmel
brennend verglühen und die Elemente vor Hitze zerschmolzen werden.
Nach Gottes Verheißung erwarten wir aber neue Himmel und eine neue
Erde. Dort ist Gerechtigkeit zu Hause.
Dieses eine aber, ihr Lieben, sollt ihr nicht übersehen: Glaubt
doch nicht, dass Gott sich von unseren Uhren und Kalender
beeindrucken lässt. Wir Menschen lieben es, Zeit einzuteilen, zu
messen, zu verplanen und zu organisieren, sogar zu managen. „Gott
tickt anders“. Bei Gott sind 1000 Jahre wie der Tag, der gestern
vergangen ist, oder der gestrige Tag zählt wie 1000 Jahre.
Das hat Menschen zu allen Zeiten dazu veranlasst, Berechnungen
anzustellen, weil die Bilder des Textes aussagen, dass ein Tag bei
Gott wie 1000 Jahre bei uns sind und dies als mathematische Formel
benutzt wird. Welch sinnloses, anmaßendes Unterfangen. Zeit, wie wir
Menschen sie verstehen, spielt bei Gott keine Rolle. Schon der
Petrusbrief sagt: Lasst euch nicht irreführen, unsere Zeit ist nicht
Gottes Zeit. Und noch darüber hinaus glt bis heute: Menschliche
Normen gelten für Menschen, Gott setzt andere Maßstäbe.
Über den Weltuntergang reden viele: Die einen sehen ihn im Untergang
der Werte und Normen, die anderen im Klimawandel, wieder andere in
einem möglichen nächsten Atomkrieg. Die Beschreibungen unseres
Textes klingen ja auch so, dass man meinen könnte, dass sich all das
sehr deutlich und in nächster Zukunft anbahnt.
Und mit dem Weltuntergang lässt sich bis heute ganz trefflich
Politik machen, auch Religionspolitik - eigentlich nicht mit dem
Weltuntergang, sondern mit der Angst der Menschen vor dem Ende.
Wenn also ihr Menschen so lebt, wie ich politischer Führer,
religiöser Führer, Gesundheits-Guru oder Sektenchef es euch sage,
dann werdet ihr dem Ende, das auf alle anderen zukommt, entgehen.
Dann werdet ihr auf immer so weiterleben, gehorsam und in Freuden.
Ich will Ihre und meine Zeit nicht damit vertun, diese Grundformel
jetzt auf alle Gebiete anzuwenden, Sie kennen die Sprüche und
Versprechungen – und sie hören sich alle genauso an, wie die Worte
eben: genauso FALSCH!
Niemand wird dem Ende entgehen, nicht dem persönlichen Tod oder
vielleicht dem globalen Untergang, wer kann das wissen.
Global und individuell - mit dem Tod kommt Christus, zu richten die
Lebenden und die Toten, so bekennen wir das seit altersher. Weder
über das Wie des Kommens Christi noch über die uns verbleibende Zeit
können wir etwas Verlässliches sagen, und Spekulieren bringt hier
nicht weiter. Halten wir uns an das, was uns versprochen ist: "Wir
warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner
Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt." Der Tag des Gerichts ist
also keine Strafaktion, sondern die Aufdeckung dessen, wie es sich
mit der Wahrheit verhält.
Und so soll der Tag des Gerichts auch nicht dazu dienen, Menschen in
Angst und Schrecken zu halten, möglichst verschüchtert und gehorsam
denen, die sich dieser Angst bedienen. Es geht vielmehr um den Trost
Gottes, um seine Liebe und Zuwendung zu Menschen, es geht um Gottes
Gerechtigkeit.
Gott wird die Erde ansehen und wird alle Taten finden, die auf ihr
geschehen sind. Wenn auf diese Weise alle Dinge aufgelöst werden,
wie müsst ihr dann beschaffen sein? Als Menschen, die ein Leben
führen, das Gott gefällt und ganz auf Gott ausgerichtet ist.
Niemand muss, niemand soll sich auf Menschenwort verlassen. Die
Richtschnur unseres Handelns kann einzig und allein Gott sein.
Warum das ein Grund zur Hoffnung ist? Worin da der Trost steckt?
Am Ende der Tage unserer Zeit ist Schluss mit der Unterdrückung und
auch mit den Unterdrückern. Dann hat alles Leid ein Ende und die,
die Leid verursachen. Dann steht die Lüge vor dem Aus und mit ihr
die Lügner. Dann ist das vorbei, was Menschen jetzt traurig macht.
Dann werden die Schwachen sein wie die Starken, den
Zu-kurz-Gekommenen wird endlich Fülle zuteil. Das ist die Verheißung
Gottes, die wir erwarten, der neue Himmel und die neue Erde. Dort
ist Gerechtigkeit zu Hause. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 05.12.08