
Freiheit und Danken
Konfirmationspredigt am Sonntag Kantate - 10. Mai 2009
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
„Ich wollte wie Orpheus singen, dem es einst gelang, Felsen
selbst zu weinen zu bringen durch seinen Gesang. Wilde Tiere
scharten sich friedlich um ihn her. Wenn er über die Seiten strich,
schwieg der Wind und das Meer…“
Warum ich das jetzt singen? Es ist heute der Sonntag des Singens im
Kirchenjahr. Kantate heißt dieser Sonntag. Nein, gelungen ist mir
nicht, aus wilden Tieren friedliche Lämmer zu machen. Wollte ich
auch gar nicht. Am Ende der Konfi-Zeit haben einige Konfis gesagt,
sie hätte jetzt mehr einen Einblick in den christlichen Glauben
bekommen, wüssten jetzt mehr von den Christen als vorher. Und das
ist doch schon etwas, oder?
Aber wie geht es weiter jetzt?
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle
Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben dahinter verborgen und dann
würde alles, was hier groß und wichtig ist, plötzlich nichtig und
klein.“
Freiheit – kein Konfi-Unterricht mehr, keine Listen am Ende des
Gottesdienstes. Ist Freiheit das Stichwort? Aber auch keine Konfi-Fahrten
mehr, kein Konfi-Cup, kein Treffen? Ist das wirklich alles vorbei?
Freiheit allein zu genießen, macht wenig Spaß. .
Gemeinschaft – dieses Bild hat eine Konfirmandin zu diesem Thema
gemalt. Hände, die sich halten, stützen und schützen. Ein Kreis
entsteht. Jede Hand ist wichtig. Ob groß, klein, dick, dünn, ganz
egal. Tragfähige Gemeinschaft. In der Gemeinschaft der
Konfirmationszeit, in der Gemeinschaft der Familie, der Schule, in
der Gemeinschaft der Gemeinde, der Menschen, die glauben.
Oder was ist wichtig für das weitere Leben:
„Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus, ein Äffchen und ein Pferd,
die schauen dort zum Fenster raus. Ich hab ein Haus, ein Äffchen und
ein Pferd, und jeder der uns fragt wird unser 1x1 gelehrt. 2x3 macht
4 widewidewitt und 3 macht neune, ich mach mir die Welt, wie sie mir
gefällt.“
Ich hab … ich besitze: das schöne Handy, das bessere Fahrrad, wohne
im besseren Haus – kommt es darauf überhaupt an? Was ist das alles,
wenn man nur allein für sich hat? Was wäre das alles ohne
Gemeinschaft?
„We
are the champions, my friend
And we’ll keep on fighting till the end
We are the champions, we are the champions
No time for loosers ‘cause we are the champions … of the
world.”
Dieses Bild entstand beim Konfi-Cup. Wir haben ihn nicht gewonnen.
Aber dieses Bild ist der eigentliche Gewinn: Da saßen auf einmal
unsere Spielerinnen und Spieler, die sich vorher kaum kannten,
nebeneinander auf der Bank, feuerten sich an, waren ein Team.
Gemeinschaft ist der Gewinn.
Was beim Sport funktioniert, macht beim Glauben genauso einen Sinn:
Nicht für sich das Beste rausholen, sondern zusammen im Team Freude
teilen. Christen sind nur gemeinsam stark. Ein bisschen habt ihr
davon in der Konfi-Zeit erfahren – ganz viel davon kann euch das
Leben noch bieten. Das wollte ich euch zum Abschied mitgeben:
„Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich
noch zu sagen hätte, dauert keine Zigarette und ein letztes Glas im
Stehn.
Habt Dank für die Zeit, die mich euch verplaudert hab‘ und für eure
Geduld, wenn’s mehr als eine Meinung gab. Dafür, dass ihr nie fragt,
wann ich komm‘ oder geh‘, für die stets offene Tür, in der ich jetzt
steh‘.
Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich noch zu
sagen hätte, dauert keine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn.
Für die Freiheit, die als steter Gast bei euch wohnt. Habt Dank,
dass ihr nie fragt, was es bringt, ob es lohnt. Vielleicht liegt es
daran, dass man von draußen meint, dass in euren Fenstern das Licht
wärmer scheint.
Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen … „
Alles, was ich euch in der Konfirmationspredigt mit auf den Weg
geben will, steht stichpunktartig in diesem Text:
Habt Dank – heute ist es Zeit, sich zu bedanken: bei euren
Eltern, den Paten, den Trägerkreismitarbeiterinnen, den Teamern von
der Jugendarbeit – aber auch bei euch. Freiheit ist ein wichtiges
Stichwort. Glaube ist etwas, was wächst, was man nicht erzwingen
kann. Gemeinschaft von Glaubenden muss freie Gemeinschaft sein, in
der jeder denken und sagen darf, was er will. Jeder so sein darf,
wie er, wie sie ist. Danke dafür, dass ihr nie fragt, wann ich komm,
wann ich geh, was es bringt, was es lohnt. Danke für die stets offne
Tür … Die Tür zur Gemeinde steht euch offen. Konfirmation ist eine
Drehtür, heißt es oft. Man geht rein in die Kirche und gleich wieder
raus. So soll es nicht sein. Die Tür steht offen und man kann
reingehen und drinbleiben. Es gibt Neues, ich sage nur Jugendarbeit
– dazu später.
Ein letztes: Gemeinschaft, die macht, dass man von draußen meint,
dass in diesem Haus der Gemeinschaft das Licht wärmer scheint. Das
beschreibt Gemeinde. Wenn Ihr, liebe Konfirmandinnen und
Konfirmanden dies ein bisschen erlebt habt und erleben wollt, dass
in diesem Haus der Kirche, in der Gemeinde, an den Ort, wo sich
Christen versammeln, das „Licht wärmer scheint“, dann ist viel
erreicht. Christ sein heißt, da zu sein, wo das „Licht wärmer
scheint“. Dass Ihr davon ganz viel erfahrt, das wünschen wir Euch.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.05.09