
Gute Nacht, Freunde
Predigt zu den Konfirmationen am 2./9. Mai 2009
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
I. Reihe: Johannes 15, 1-8
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
„Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich noch
zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn
…“
Warum ich das jetzt singe? Es ist die Situation, um die es geht: Ich
sehe sie vor mir: Da verabschiedet sich einer von einer
Gesellschaft, es war eine schöne Feier, er steht in der Tür, den
Autoschlüssel oder den Fahrradschlüssel schon in der Hand, den
Mantel über dem Arm und er möchte noch etwas Wichtiges sagen bevor
er geht. Oft sind diese Worte besonders wichtig, nicht bloße
Höflichkeit. Es wird etwas zum Ausdruck gebracht, was ganz tief im
Herzen ist.
Wir haben eben im Evangelium vom Weinstock und den Reben gehört.
Dies stammt aus den sogenannten Abschiedsreden Jesu. Kurz vor seinem
Tod hat er für die Menschen, die ihm am nächsten standen
eindrücklich zusammengefasst, was ganz tief sein Herzenswunsch ist.
Bleibt beieinander. Habt Vertrauen zueinander. Wisst, was ihr
aneinander habt. Spürt die Kraft dieser Gemeinschaft. Vertraut
darauf, dass ich bei euch bin, wenn ihr nur beieinander bleibt.
„Gemeinschaft" (Diana Hein)
Gemeinschaft – dieses Bild hat eine Konfirmandin zu diesem Thema
gemalt. Hände, die sich halten, stützen und schützen. Ein Kreis
entsteht. Jede Hand ist wichtig. Ob groß, klein, dick, dünn, ganz
egal. Tragfähige Gemeinschaft. Und dass sie Weinreben auf das Bild
gemalt ist, ist geradezu genial, weil gar nicht abgesprochen. So wie
jede Weintraube wichtig ist an einer Rebe, so ist jeder wichtig in
der Gemeinschaft. In der Gemeinschaft der Konfirmationszeit, in der
Gemeinschaft der Familie, der Schule, in der Gemeinschaft der
Gemeinde, der Menschen, die glauben.
In der Situation des Abschieds wird ausgesprochen, was wirklich
wichtig ist was uns miteinander zusammenhält und zusammenbringt:
„Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich noch
zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn.
Für den Tag, für die Nacht unter eurem Dach. Habt dank für den Platz
an euerm Tisch, für jedes Glas, das ich trank, für den Teller, den
ihr mir zu den euren stellt, als sei selbstverständlicher nichts auf
der Welt.
Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich noch zu
sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn.
Habt Dank für die Zeit, die mich euch verplaudert hab‘ und für eure
Geduld, wenn’s mehr als eine Meinung gab. Dafür, dass ihr nie fragt,
wann ich komm‘ oder geh‘, für die stets offene Tür, in der ich jetzt
steh‘.
Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich noch zu
sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn.
Für die Freiheit, die als steter Gast bei euch wohnt. Habt Dank,
dass ihr nie fragt, was es bringt, ob es lohnt. Vielleicht liegt es
daran, dass man von draußen meint, dass in euren Fenstern das Licht
wärmer scheint.
Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen. Was ich noch zu
sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn.“
Alles, was ich euch in der Konfirmationspredigt mit auf den Weg
geben will, steht stichpunktartig in diesem Text:
Habt Dank – heute ist es Zeit, sich zu bedanken: bei euren Eltern,
den Paten, den Trägerkreismitarbeiterinnen, den Teamern von der
Jugendarbeit – aber auch bei euch. Es gab nicht nur eine Meinung.
Freiheit ist ein wichtiges Stichwort, Freiheit und Geduld. Glaube
ist etwas, was wächst. Gemeinschaft von Glaubenden muss freie
Gemeinschaft sein, in der jeder denken und sagen darf, was er will.
Jeder so sein darf, wie er, wie sie ist. Danke dafür, dass ihr nie
fragt, wann ich komm, wann ich geh, was es bringt, was es lohnt.
Danke für die stets offne Tür … Die Tür zur Gemeinde steht euch
offen. Konfirmation ist eine Drehtür, heißt es oft. Man geht rein in
die Kirche und gleich wieder raus. So soll es nicht sein. Die Tür
steht offen und man kann reingehen und drinbleiben. Es gibt Neues,
ich sage nur Jugendarbeit – dazu später.
Ein letztes: Gemeinschaft, die macht, dass man von draußen meint,
dass in diesem Haus der Gemeinschaft das Licht wärmer scheint. Das
beschreibt Gemeinde. Wenn Ihr, liebe Konfirmandinnen und
Konfirmanden dies ein bisschen erlebt habt und erleben wollt, dass
in diesem Haus der Kirche, in der Gemeinde, an den Ort, wo sich
Christen versammeln, das „Licht wärmer scheint“, dann ist viel
erreicht. Dieses Licht ist das Licht der Liebe Gottes. Ihr seid
Reben an einem Weinstock, dieser Weinstock ist Jesus Christus
selbst. Christ sein heißt, da zu sein, wo das „Licht wärmer
scheint“. Dass Ihr davon ganz viel erfahrt, das wünschen wir Euch.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 03.05.09