
Die Saat geht auf
Predigt am Sonntag Sexagesimä in Neuenbeken - 15.2.2009
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe*
I.Reihe: Lukas 8, 4-8
Da nun viel Volks beieinander war und sie aus
den Städten zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis:
Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte,
fiel etliches an den Weg und ward zertreten und die Vögel unter dem
Himmel fraßen's auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es
aufging, verdorrte es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliches
fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und
erstickten's. Und etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf
und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren
hat, zu hören, der höre!
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Je¬sus Christus.
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
das Wichtigste im Evangelium dieses Sonntags lautet: Gottes Reich
kommt mit Macht. Nichts kann es aufhalten. Trotz aller schlechten
und widrigen Umstände – am Ende geht die Saat auf und bringt
hundertfältige Frucht. Gottes Herrschaft kommt, zur Not auch ohne
uns, wir allein mit unseren Fähigkeiten sind nicht das
Ausschlaggebende.

Die
Mauern unseres Johann-Heermann-Hauses könnten ein Lied davon singen,
was Geduld und Abwarten angeht. Sie haben so manches Neue kommen und
gehen sehen, die haben so vielen verschiedenen Menschen Platz und
Schutz gegeben - stammen sie doch aus dem 16 Jahrhundert, also aus
der Zeit der Reformation Martin Luthers. Aber mit Reformation hatten
sie wohl nicht viel im Sinn. Verschiedenen Zwecken diente dieses
Haus im Schatten der großen katholischen Kirche. Dies Haus war wohl
die alte Dorfschule von Neuenbeken. Sonntag für Sonntag haben sich
hier in diesem Haus Christinnen und Christen versammelt. Fünfzig
Jahre nun schon. Das war wichtig für den Bestand der Gemeinde. Denn
nicht die Aktivitäten allein sind es, die Frucht bringen. Diese
Aktivitäten müssen eine Mitte haben, von der sie geleitet werden.
Eine Mitte, auf die hin sie immer neu ausgerichtet ist. Eine Mitte,
die Quelle und Richtschnur für alles Tun darstellt. Eine Mitte, die
deutlich werden lässt, dass nicht wir Menschen diejenigen sind, die
das Reich Gottes schaffen, sondern dass Gott selbst es ist, der am
Werk ist. Die Gottesdienste, das verkündigte Wort Gottes, das ist
hier immer diese Mitte gewesen. An guten aber auch an schlechten
Tagen. Ich denke etwa an die Trauerfeier für unsere langjährige
Küsterin, Frau Brukit vor fast 15 Jahren, die im Alter von 80 Jahren
verstorben ist. In der Ansprache sagte ich damals, es gäbe keinen
besseren Ort, diese Trauerfeier für Hildegard Brukit zu begehen als
dieses Johann-Heermann-Haus. Sie hat dieses Haus mitgetragen - und
sie hat viel getan, dass in diesem Haus fröhliche und gesegnete
Gemeinschaft unter Gottes Wort spürbar wurde. Sie schmückte den Raum
immer mit frischen Blumen, den Zeichen für Lebendigkeit und
Schönheit von Gottes Schöpfung. Und das, was sie geschaffen hat, ist
nun auch in gute Hände weitergegeben und wird in ihrem Geist und in
ihrer Art auch wirklich gut weitergeführt.

Auch nach 50 Jahren ist die Gemeinde im Johann-Heermann-Haus jung
geblieben. Hin und wieder finden auch Bad Lippspringer den Weg in
diesen Gottesdienst - und sagen übereinstimmend: Hier fühlt man sich
wohl und willkommen! Ein Tipp: Der Gottesdienst ist schon aufgrund
der früherer Zeit (9.00 Uhr) eine Alternative zu dem „großen“
Gottesdienst in Bad Lippspringe. Die Gemeinschaft in Neuenbeken hat
immer etwas besonders, auch über Gäste freut sich hier jede und
jeder! Und außerdem kann man die Bilder an der Wand umdrehen, und es
finden sich auf jeder Rückseite interessante und bisher unbekannte
Informationen.
Gott sorgt dafür, dass seine Saat aufgeht. Nicht auf menschliche
Leistung allein beruht das Wachstum, sondern auf Glauben, auf
Menschen, die sich in seinen Dienst nehmen lassen. Und solchen
Menschen, die sich für dieses Johann-Heermann-Haus haben in den
Dienst nehmen lassen, oft in aller Bescheidenheit, will ich heute
und hier ausdrücklich danken. Einige Namen habe ich schon genannt.
Ich möchte erinnern an Frau Wallor, die Sonntag für Sonntag die Schriftlesungen im Gottesdienst vorgetragen hat, an Herrn Klette, einen treuen Besucher, der doch immer noch in unsern Herzen und in unseren Gebeten dabei ist – und davon weiß und davon getragen wird. Danke allen, die so treu zusammen halten und einander nicht vergessen. Danke Ihnen, Frau Pschigode für ihre Verdienste um die Frauenhilfe - und vieles mehr.
Die Namen Krappitz und Gasse sind nicht wegzudenken, ohne sie
ginge es nicht. Noch andere gibt es, aber Namen sind nicht wichtig.
Sie wollen oft gar nicht genannt werden, denn es geht gar nicht um
Personen, es geht um ein gemeinsames Ziel: Der Mitte, um die es
geht, Raum zu geben: hier in diesen ehrwürdigen Mauern, aber auch
draußen in der Welt, in Wort, Tat und im Klang von Liedern und
Musik.
Und wir brauchen nicht nur nach hinten schauen, sondern können auch
auf das blicken, was uns erwartet. Da hat die Gruppe der 11
Konfirmandinnen und Konfirmanden, die sich donnerstags hier trifft,
von sich aus den Wunsch geäußert, einmal selbst einen Gottesdienst
zu gestalten. Aber nicht in Bad Lippspringe, sondern hier in „ihrem“
Johann-Heermann-Haus. Das wollen wir jetzt auch bald tun, am 1.März
um 18.00 Uhr, heute in 14 Tagen – ich bin schon ganz gespannt und
hoffe, dass Sie alle kommen!
Für die Zukunft lasst uns gelassen und geduldig bleiben. Wenn sich
auch viel ändert: Die Mitte, Gottes Wort bleibt. Wir sollen uns
nicht überschätzen, aber wir sollen schon das schätzen, was die
Gemeinde Gottes, Ihnen, den Lebenden, aber auch den Verstorbenen
verdankt. In diesem Dank wollen wir wieder an die Arbeit gehen, das
auch zukünftige Generationen hier Gott oben und danken können: mit
den Worten Johann-Heermanns oder mit den Worten des Liedes, das wir
nu gemeinsam singen wollen: „Danket dem Herrn! Denn er ist
freundlich und seine Güte währet ewiglich.“ Amen.
Pfarrer Schuchardt ist zuständig für den Pfarrbezirk Süd, zu dem
auch die "Dörfer" Neuenbeken, Benhausen und Marienloh (jetzt alles
Stadtteile von Paderborn) gehören.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 15.02.09