
Don't worry, be happy!
Predigt zum 4. Advent - 20. Dezember 2009 (Philipper 4,4-7)
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
II. Reihe: Philipper 4,4-7
So, liebe Gemeinde, und ab jetzt ist hier mal freuen angesagt! Wir haben den 4. Advent und es ist höchste Zeit, das Sie anfangen, sich zu freuen! Advents- und Weihnachtszeit ist doch eine Zeit der Freude und des Glücks.
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich:
Freuet euch!“ mit diesem Wochenspruch aus dem Brief an die
Gemeinde in Philippi habe ich Sie zu Beginn des Gottesdienstes
begrüßt. Das ist nun schon eine kleine Weile her, sie sollten sich
jetzt aber wirklich freuen!
Nein, nein, liebe Gemeinde, mir ist die Adventszeit nicht zu Kopf
gestiegen.
Aber das, was Ihnen jetzt durch den Kopf gegangen sein mag, das passt genau zum Predigttext. Man kann doch Freude nicht befehlen. Niemand kann sich auf Kommando freuen.
Und doch, so scheint es, verlangt der Apostel genau das von den Menschen in Philippi wenn er schreibt:
Die ihr in der Gemeinschaft Christi seid,
freut euch allezeit, und wiederum sage ich: Freut euch! Eure Güte
lasst allen Menschen bekannt werden. Nah ist der Herr, dem ihr euer
Leben anvertraut habt. Lasst euch nicht von Sorgen bestimmen, bringt
vielmehr in jeder Lage eure Anliegen in Gebet und Bitte vor Gott,
immer begleitet von Danksagung. Und Gottes Friede, der höher ist als
alle Vernunft, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der
Gemeinschaft mit Jesus Christus.
Phil 4, 4-7 Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
Freut euch!
Dabei gibt es doch für viele Menschen wenig Anlass zur Freude:
Klimakonferenz in Kopenhagen wo viel geredet und wenig für unsere
Welt erreicht wird: - kein Anlass zur Freude
Menschen aus unserer Gemeinde, die schwerkrank im Krankenhaus liegen
– Grund zur Besorgnis, nicht zur Freude
Es waren noch nie so viele Menschen wie in diesem Jahr, die gerade
jetzt vor Weihnachten um Unterstützung durch die Kirchengemeinde
bitten – finanzielle Sorgen ersticken jede Freude
Drei kurze Beispiele, Sie, liebe Gemeinde, könnten diesen drei
Beispielen sicher noch andere, ganz persönliche Gedanken hinzufügen:
Abschied von lieben Menschen, Sorge um den Arbeitsplatz, Einsamkeit,
Angst vor der Zukunft, die Liste ließe sich mühelos verlängern.
Freut euch!
Ja, worüber denn und wie?
Freut euch allezeit!
Auch Paulus ist kein Träumer, der alle Wirklichkeit ausblendet
und sagt: alles himmelblau, don’t worry, be happy, freut euch eben.
Und auch die Christinnen und Christen in Philippi sind keine in
Watte gepackten Schwärmer. Sie leben in einer harten Wirklichkeit.
Einer Wirklichkeit mit oft harter Arbeit, Sklaverei, bedroht von
Krankheit und Tod, nicht gesellschaftsfähig mit ihrem Glauben an den
auferstandenen Gott, der Mensch war.
Freut euch allezeit!?
Der Apostel Paulus, selbst verfolgt und im Gefängnis, mit wenig
Anlass zu jubelnder Freude, befiehlt nicht, er erinnert, er wirbt:
freut euch. Und diese Freude hat einen Grund:
Nah ist der Herr, dem ihr euer Leben anvertraut habt.
Dieser Herr ist nah, der Herr der nicht so ist wie viele
Herren, denen wir dienen sollen, wie vieles, was uns be-herr-scht.
Dieser Herr, Gott wird Mensch, ganz menschlich im Stall von
Bethlehem, er thront nicht über den Dingen sondern kommt uns nah in
allem, was Menschsein bedeutet, auch in Angst, Krankheit und Tod.
Nah ist der Herr. Er kommt uns entgegen.
Wir erwarten seine Wiederkunft am Ende der Zeit. Das sollte den
Mächtigen Angst einflößen. Gott kommt zum Gericht, um Gerechtigkeit
zu schaffen, die viele Menschen verzweifelt vermissen. Wir erwarten
seine Wiederkunft am Ende der Zeit. Das sollte den Unterdrückten und
Verzweifelten Hoffnung einflößen, denn Gott kommt, um Heil zu
schaffen.
Freut euch allezeit!?
Nah ist der Herr, dem ihr euer Leben anvertraut habt.
Deshalb wird nicht die Klimakonferenz unvermittelt zu einem großen
Erfolg und wir müssen nichts mehr tun für die Zukunft unserer Erde.
Deshalb werden nicht die Kranken wie durch ein Wunder geheilt.
Deshalb werden auch nicht die Bedürftigen plötzlich wohlhabend.
Was sich ändert ist die Perspektive.
Gott ist nah, niemand ist allein und gott-verlassen, auch nicht
in den Dunkelheiten des Lebens. Auch hier, gerade hier ist Gott
Immanuel – Gott an unserer Seite.
Gott ist nah, die lebensfeindlichen und ungerechten Strukturen
müssen nicht auf ewig so bleiben, wie sie sind. Und so können wir
schon heute etwas dagegen tun.
Ich kann es eigentlich nicht besser sagen, als Paulus das an die
Philipper geschrieben hat:
Eure Güte lasst allen Menschen bekannt werden. Nah ist der Herr,
dem ihr euer Leben anvertraut habt. Lasst euch nicht von Sorgen
bestimmen, bringt vielmehr in jeder Lage eure Anliegen in Gebet und
Bitte vor Gott, immer begleitet von Danksagung.
Und Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus
Christus. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 26.01.10