Das große Geschenk der Taufe auspacken
6.Sonntag nach Trinitatis - 11. Juli 2010
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
II. Reihe: Römer 6,3-8
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
Von einem Brunnen möchte ich Ihnen erzählen. Ein Brunnen mit
erfrischendem, kühlem Wasser. So mancher, so manche hat in den
letzten heißen Tagen zu schätzen gewusst, was so frisches und kühles
Wasser bedeuten kann. Eine Dusche erweckt neue Lebenskräfte,
Pflanzen, die gegossen werden, erwachen wieder zu blühendem Leben.
Ein Schluck, vielleicht aus einer der Heilquellen Bad Lippspringes,
schafft Heilung oder zumindest löscht er vorübergehend den Durst.
Ein solcher Brunnen ist seit alters her der Treffpunkt von
verschiedenen Menschen. Am Brunnen erzählt man sich die neuesten
Geschichten des Dorfes, am Brunnen lernt man sich kennen und lieben,
am Brunnen zeigt man, wer man ist und misst seine Kräfte.
Die ersten Christen haben sich solch einen Brunnen in die Kirche
geholt - sie brauchten ihn als Taufbecken. Meist waren sie noch viel
größer als dieser hier - so hoch, dass ein erwachsener Mensch bis zu
den Hüften darin stehen konnte und so breit, dass er ganz
untergetaucht werden konnte. Taufen und tauchen ist vom Ursprung her
dasselbe Wort. Das ursprüngliche Untertauchen bringt ja auch viel
mehr die Symbolik zu Ausdruck: Der ganze Mensch wird durch die Taufe
zu einem total neuen Menschen. Es werden abgewaschen alle Sünden. Er
wird ein freies, vorbehaltlos geliebtes Kind Gottes.
Wir sind in der Regel als Säuglinge getauft. Deshalb ist es
besonders wichtig, immer wieder an die eigene Taufe erinnert zu
werden, gemeinsam darüber nachzudenken, was die Taufe denn
eigentlich bedeutet.
Deshalb dieser Sonntag der Tauferinnerung. Deshalb auch dieser
Predigttext auf diesen Sonntag. Er steht im Römerbrief im 6.Kapitel:
„Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“
"Auf Jesus Christus getauft sein, heißt, in seinen Tod getauft sein" - verwundert es nicht, dass der Apostel Paulus bei einem so erfreulichen und schönen Erlebnis wie einer Taufe so düstere Themen wie den Tod und das Sterben anspricht? Dass er es tut, unterstreicht nur noch einmal, wie wichtig die Taufe - unsere Taufe - ist. Es geht um das Tor durch den Tod zum neuen Leben. Denn wer stirbt, ist ja nicht der Mensch selbst, sondern es ist die Sünde, die sozusagen im Taufwasser ersäuft werden soll. Und durch die Taufe hat der Mensch Anteil an der Auferstehung, eben an dem neuen Leben, das Jesus Christus möglich gemacht hat. Deshalb steht neben dem Taufbrunnen die Osterkerze, die am 1.Ostertag morgens um sechs Uhr hier in der Kirche zum ersten Mal angezündet wurde. Taufe und Ostern, das Wasser des Lebens und Jesu Auferstehung von den Toten gehören ganz eng zusammen.
Als Symbol für diesen Zusammenhang haben wir die Taufkerze, die
jeweils nach der Taufe an der großen Osterkerze angezündet wird: das
Licht der Auferstehung möge nun auch im Leben der Getauften
weiterleuchten.
Überhaupt hat die Taufe viel mit Symbolen zu tun. Z.B. mit dem des
FISCHES, das sich auch auf dem Grund des Taufbeckens in unserer
Kirche befindet. So wie die Fische im Meer leben, leben wir in Gott.
Der griechische Name für Fisch ist ichthus, das sind die
Anfangsbuchstaben für den Satz: Jesus Christus, Gottes Sohn, der
Erlöser. Der Fisch war für die ersten Christen ein Geheim- und
Erkennungszeichen.
Fische aber leben äußerst ungern allein, sie brauchen die
Gemeinschaft: 2 Fische. Die Taufe führt auch hinein in die
Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Kirche, die Gemeinschaft des
Gottesdienstes. Viele Menschen machen insofern gar keinen Gebrauch
von der Taufe, da sie auf diese Gemeinschaft überwiegend verzichten.
Was auch immer die Gründe sein mögen, es ist schade, denn nur in der
Gemeinschaft kann erfahren werden, was es heißt, zu den vorbehaltlos
geliebten Kindern Gottes zu gehören.
Fische brauchen aber auch stets ein bestimmtes Klima, eine
gleichbleibende Wärme, sie brauchen auch immer Wasser um sich herum,
sonst gehen sie ein. Auch wir Christen brauchen diese Wärme, sonst
gehen auch unsere Gemeinschaften ein, erstarren an der Kälte, die in
ihnen herrscht. Wir brauchen das Wasser der Liebe Gottes, in dem wir
so sein dürfen, wie wir sind, in dem wir uns wohlfühlen dürfen und
so auch liebenswert für andere werden.
Dass es dazu kommt, muss zur Taufe noch etwas hinzukommen: eine
TAUBE, das Zeichen des Heiligen Geistes. Natürlich keine echte
Taube, aber dafür der echte Heilige Geist. Auch er gehört zur Taufe.
Bei der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer erschien sie
und Gottes Stimme sprach: das ist mein lieber Sohn, an dem ich
Wohlgefallen habe. Die Taube ist das Symbol für Gottes guten und
bewegenden Geist. "Wasser allein macht es nicht in der Taufe"- das
sagte schon Martin Luther (in seinem Großen Katechismus).
Es gibt die schöne Geschichte von der armen, alten Frau, die Zeit
ihres Lebens ganz bescheiden vor sich hingelebt hat und immer nur
über ihre Armut gejammert hat. Ob sie denn wirklich niemand habe,
der mal etwas für sie tue, wurde sie gefragt. Ja, ein Sohn, der
schicke ihr wohl all die Jahre oft Briefe und da sind so bunte
Scheine drin, was sie denn damit solle … Sie ahnen es, liebe
Schwestern und Brüder, die Scheine waren Geldscheine eines anderen
Landes und all die Jahre hat die Frau nicht gemerkt, dass Sie
eigentlich eine reiche Frau war, die ein sorgenfreies Leben hätte
führen können …
Wir lächeln vielleicht über das Unwissen dieser Frau. Aber oft sind
wir genauso unwissend. Wir jammern über so vieles. Dass es uns nicht
so gut geht wie anderen, dass andere immer das größere Stück vom
Kuchen bekommen, dass andere erfolgreicher, glücklicher, besser
leben. Ja, das früher das Leben sowieso besser war und andernorts
viel einfacher … wir jammern, aber wir vergessen darüber ganz und
gar, das große Geschenk der Taufe auszupacken und zu leben: Wir sind
Gottes Kinder, überreich beschenkt, auf der Seite dessen, der die
Macht im Himmel und auf Erden hat. Wir haben Anteil an dieser Kraft
und nichts und niemand kann uns klein machen. Wir dürfen sogar
zweifeln – das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt auch des
Evangeliums, Matthäi am Letzten: Einige Jünger sogar zweifelten. Und
sie zweifelten immer noch, obwohl sie dem auferstandenen Christus
begegneten. Wie sollte da Gott nicht auch Verständnis für unsere
Zweifel haben.
Er nimmt uns bei der Hand, zeigt uns den Weg zu den Menschen, die
auf uns warten, er gibt uns Anteil an seiner Kraft durch die Taufe
und erinnert uns daran, dass wir einen Verstand haben, uns Dinge zu
erklären und zu verstehen. Und über allem, vor allem und in alle
Zukunft steht die Zusage der Verheißung:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.07.10